RE: Sony und das Erdbeben

#1 von Reisefoto , 01.04.2011 13:38

Neben den schrecklichen Folgen von Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe auf das unmittelbare Leben der Menschen in Japan ist natürlich auch die japanische Wirtschaft erheblich durch Zerstörungen, Stromausfälle, automatische Abschaltungen, Zulieferengpässe, und im schlimmsten Fall getötete Mitarbeiter betroffen. Auch wenn es nebensächlich erscheint, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Fotoindustrie. Laut Sonyalpharumors hat Sony in den letzten 3 Wochen keinen einzigen Sensor produziert und nun kurzfristig die auf der NAB im April vorgesehenen Produktankündigungen abgesagt. Andere Kamerahersteller sind natürlich mindestens in gleichem Umfang betroffen. Wer auf A77 usw. wartet, wird wohl noch etwas mehr Geduld brauchen.
http://www.sonyalpharumors.com/sr5-under-d...ements-deleted/

Japan hat eine harte Zeit vor sich. Wünschen wir den Menschen dort, dass sie viel Hilfe bekommen und in puncto Strahlung nicht nach Strich und Faden belogen werden, wie man es hier noch von Tschernobyl kennt.


Keine Links mehr in der Signatur möglich.


 
Reisefoto
Beiträge: 4.592
Registriert am: 04.03.2006


RE: Sony und das Erdbeben

#2 von stevemark , 01.04.2011 17:49

ZITAT(Reisefoto @ 2011-04-01, 13:38) Neben den schrecklichen Folgen von Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe auf das unmittelbare Leben der Menschen in Japan ist natürlich auch die japanische Wirtschaft erheblich durch Zerstörungen, Stromausfälle, automatische Abschaltungen, Zulieferengpässe, und im schlimmsten Fall getötete Mitarbeiter betroffen. Auch wenn es nebensächlich erscheint, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Fotoindustrie. Laut Sonyalpharumors hat Sony in den letzten 3 Wochen keinen einzigen Sensor produziert und nun kurzfristig die auf der NAB im April vorgesehenen Produktankündigungen abgesagt. Andere Kamerahersteller sind natürlich mindestens in gleichem Umfang betroffen.[/quote]
Das Problem liegt - soweit ich orientiert bin - im Fotobereich nicht unbedingt bei Sony selbst, sondern bei Zulieferern. Im Gegensatz zu Sony wurden Nikon und Panasonic hart gertoffen. Nikon wird zumindest einen Monat lang keine einzige Vollformat-Kamera (D3s, D3x, D700) produzieren können, da das Werk Sendai betroffen ist - und Panasonic hat ein wichtiges Werk in Fukushima.

ZITAT(Reisefoto @ 2011-04-01, 13:38) Wer auf A77 usw. wartet, wird wohl noch etwas mehr Geduld brauchen.[/quote]
Davon ist auszugehen.

ZITAT(Reisefoto @ 2011-04-01, 13:38) Japan hat eine harte Zeit vor sich. Wünschen wir den Menschen dort, dass sie viel Hilfe bekommen und in puncto Strahlung nicht nach Strich und Faden belogen werden, wie man es hier noch von Tschernobyl kennt.[/quote]
Dem kann ich mich nur anschliessen.

Steve


http://www.artaphot.ch


 
stevemark
Beiträge: 3.408
Registriert am: 13.09.2004


RE: Sony und das Erdbeben

#3 von Markus_FCB , 02.04.2011 18:43

Japan - Tsunami, Erdbeben, GAU - ein ganz übles Thema. Man kann es eigentlich schon jetzt als Horror-Katastrophe einstufen. Hoffentlich bleibt wenigstens der Großraum Tokio von der großen Verseuchung verschont.

Die ersten Auswirkungen kommen so langsam auch hier zulande an. Ich habe gestern mit einem Unternehmensberater gesprochen, der sehr viel für Automobilzulieferer macht. Der sagte, es gibt schon die ersten Automobilzulieferer, die auf Elektronikteile aus Japan warten.
Je nachdem wie sich das Ganze in Japan entwickelt, könnte auch wir hier - wirtschaftlich gesehen - ein paar Folgen abgekommen.

Hm, Panasonic kann wohl sein Werk in Fukushima für immer abschreiben. Das ist bitter.



Ich muss schon sagen, wenn ich das in Japan mitbekomme, bin ich umso froher, dass ich im relativ ruhigen Mitteleuropa lebe. Und dass ich mir heute eine neue A850 ergattern und leisten konnte (beim Foto Sauter). Die Verpackung war übrigens noch versiegelt. Die A850 hat Firmware 1.00 drauf.
Ich habe lange für die Entscheidung gebraucht, aber ich mag meine neue A850 schon jetzt.



Markus_FCB  
Markus_FCB
Beiträge: 86
Registriert am: 05.12.2010


RE: Sony und das Erdbeben

#4 von u. kulick , 02.04.2011 19:35

Der Welthandel kommt insgesamt in Kalamitäten, weil Hafenbehörden oder ganze Staaten keine verstrahlten Container angelandet bekommen wollen. Schiffe werden Umwege fahren müssen, Container oder gar Waren dekontaminiert, sprich der Transport japanischer Waren wird gerade etwas teurer.


u. kulick  
u. kulick
Beiträge: 2.758
Registriert am: 30.05.2005


RE: Sony und das Erdbeben

#5 von nonova , 02.04.2011 22:41

QUOTE (Reisefoto @ 2011-04-01, 12:38) Neben den schrecklichen Folgen von Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe auf das unmittelbare Leben der Menschen in Japan ist natürlich auch die japanische Wirtschaft erheblich durch Zerstörungen, Stromausfälle, automatische Abschaltungen, Zulieferengpässe, und im schlimmsten Fall getötete Mitarbeiter betroffen. Auch wenn es nebensächlich erscheint, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Fotoindustrie. Laut Sonyalpharumors hat Sony in den letzten 3 Wochen keinen einzigen Sensor produziert und nun kurzfristig die auf der NAB im April vorgesehenen Produktankündigungen abgesagt. Andere Kamerahersteller sind natürlich mindestens in gleichem Umfang betroffen. Wer auf A77 usw. wartet, wird wohl noch etwas mehr Geduld brauchen.
http://www.sonyalpharumors.com/sr5-under-d...ements-deleted/

Japan hat eine harte Zeit vor sich. Wünschen wir den Menschen dort, dass sie viel Hilfe bekommen und in puncto Strahlung nicht nach Strich und Faden belogen werden, wie man es hier noch von Tschernobyl kennt.[/quote]Laut neuestem UN-Bericht vom 28. Februar ist die Anzahl der bekannten Todesfälle in Tschernobylvon 28 Nothelfern bestätigt worden, dazu 15 tödliche Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern - die hätten durch Einnahme von Jod-Tabletten vermieden werden können (was man jetzt in Japan tut). Jedenfalls sind die Zahlen minimal im Vergleich zu den 3.800 Toten in BHOPAL im Jahre 1984, Folge eines Austritts von Chemikalien aus einer Pestizid-Fabrik von UNION CARBIDE.



nonova  
nonova
Beiträge: 1.107
Registriert am: 02.05.2004


RE: Sony und das Erdbeben

#6 von stevemark , 02.04.2011 23:19

ZITAT(nonova @ 2011-04-02, 22:41) ZITAT(Reisefoto @ 2011-04-01, 12:38)
...
Japan hat eine harte Zeit vor sich. Wünschen wir den Menschen dort, dass sie viel Hilfe bekommen und in puncto Strahlung nicht nach Strich und Faden belogen werden, wie man es hier noch von Tschernobyl kennt.[/quote]Laut neuestem UN-Bericht vom 28. Februar ist die Anzahl der bekannten Todesfälle in Tschernobyl von 28 Nothelfern bestätigt worden, dazu 15 tödliche Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern - die hätten durch Einnahme von Jod-Tabletten vermieden werden können (was man jetzt in Japan tut). [/quote]

Das betrifft die an akuter Strahlenkrankheit Gestorbenen - meist Feuerwehrleute der ersten Stunde. Das "Chernobyl Forum" - bestehend aus Vertretern der IAEA, verschiedene UN-Orgganisationen, der WHO und der Weltbank - geht von 4000 Toten aus ("Chernobyl's Legacy: Health, Environmental and Socia-Economic Impacts and Recommendations to the Governments of Belarus, Russian Federation and Ukraine". Das "United Nations Scientific Committee of the Effects of Atomic Radiation" (UNSCEAR) rechnet allein schon mit 4000 zusätzlcihe Fällen von Schilddrüsenkrebs. Greenpeace bezieht in einem eigenen, umfassenden Report auch zahlreiche nicht-offizielle Quellen mit ein und geht von bis zu 200'000 zusätzlichen / vorzeitigen Todesfällen in den Jahren 1990-2004 aus. Die umfassendste russische Auswertung (1000 wissenschaftliche Artikel und 5000 Internetquellen) rechnet mit gegen einer Million vorzeitiger Todesfälle.

Da die Umgebung von Fukushima-I wesentlich dichter bevölkert ist als jene von Chernobyl, und da die Menge der bislang emittierten Radionukleide in einer ähnlichen Grössenordnung wie im Falle von Chernobyl liegt, sind die Aussichten mehr als düster. Containerschiffe, die 120 km vor Fukushima vorbeigefahren sind, wiesen Tag nachher eine Strahlung von 3 uS / h (entsprechend 0.3 mR / h oder ca. 10 mR / d) auf. Die grossen Knaller sind vorbei, aber das Desaster beginnt jetzt erst, weil bis auf weiteres niemand den Austritt der Spaltprodukte eindämmen oder gar stoppen kann. Die Belastung steigt, anstatt - wie in Chernobyl - relativ rasch zu sinken, denn dort war die grosse Menge an Spaltprodukten in den ersten Stunden freigesetzt worden.



ZITAT(nonova @ 2011-04-02, 22:41) Jedenfalls sind die Zahlen minimal im Vergleich zu den 3.800 Toten in BHOPAL im Jahre 1984, Folge eines Austritts von Chemikalien aus einer Pestizid-Fabrik von UNION CARBIDE.[/quote]
Siehe oben. - Womit ich nicht Bhopal verharmlosen will, aber Fukushima wird langfristig wohl weit, weit schlimmer.


EDIT fehlenden Satzteil ergänzt


http://www.artaphot.ch


 
stevemark
Beiträge: 3.408
Registriert am: 13.09.2004


RE: Sony und das Erdbeben

#7 von Reisefoto , 03.04.2011 02:21

Neben den Toten gibt es zudem eine erhebliche Zahl von Missbildungen / Behinderungen bei Neugeborenen. Da die Radioaktivität das Erbgut schädigt, ist auch in künftigen Generationen mit Schäden zu rechnen. Werfen wir mal eine Blick auf die Folgekosten von Tschernobyl. Allein das (im Vergleich zur Ukraine) kleine, aber vom Fallout stark betroffene Weißrussland kommt riesige Summen:

ZITATAm 26. April 1986 ereignete sich der Super-GAU ... von Tschernobyl. Dieser wurde zur größten technogenen Katastrophe der Welt, bei der fast ein Viertel des Territoriums der Republik Belarus verseucht wurde (23 Prozent). Die Tschernobyl-Tragödie hat enorm das Leben der Menschen, die Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur der Republik Belarus beeinflusst. Der Gesamtschaden durch die Folgen des Unfalls wird für den dreißigjährigen Zeitraum auf 235 Mrd. US-Dollar geschätzt und beträgt das 32-fache des Jahresstaatsbudgets von 1985.

Die Katastrophe hat auch die Landwirtschaft von Belarus wesentlich beeinträchtigt. Das Land hat etwa ein Fünftel seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche verloren. Jährlich kostet dieser Verlust dem Staat mehr als 700 Mio. US-Dollar. In den verseuchten Gebieten sind 132 Minerallagerstätten, etwa ein Viertel des Waldfonds und fast 350 belarussische Industriebetriebe geblieben.

Fast 2 Mio. Einwohner der Republik Belarus wurden von der Tschernobylkatastrophe direkt oder indirekt betroffen. Mehr als 1,3 Mio. Menschen, darunter fast 500 Tsd. Kinder und Jugendliche, wohnen nach wie vor in den vom Fallout betroffenen Gebieten. Die medizinischen Folgen der Katastrophe haben ihren Ausdruck in der Zunahme von Krebserkrankungen gefunden. Die am meisten verbreitete Krankheit ist Schilddrüsenkrebs, der nach der Katastrophe fast um das 40-fache bei den Kindern und um das 7-fache bei den Erwachsenen gestiegen ist. ...

Die Maßnahmen zur Linderung der Katastrophenfolgen werden fortgesetzt. Belarus, ein Land mit mittlerem Einkommensniveau, gibt täglich für die Überwindung der Tschernobyl-Katastrophe etwa 1 Mio. USD aus. Seit 1986 betragen die Folgekosten insgesamt etwa 18 Mrd. USD ohne Hilfe aus dem Ausland. Die Ausgaben von Belarus und der internationalen Gemeinschaft zur Überwindung der Katastrophenfolgen decken nur 8 Prozent des Gesamtschadens. Etwa 5 Prozent des Staatsbudgets der Republik Belarus werden jährlich für die Bewältigung der Folgen der Tschernobyl-Katastrophe ausgegeben.[/quote]
Quelle: http://www.germany.belembassy.org/de/tschernobyl/

Randbemerkung: Auf der Suche, was mit den verstrahlten Gebieten anzufangen ist, kam Weißrussland dann auf die Idee, dort asiatische Flüchtlinge anzusiedeln: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,378997,00.html

Für die Kosten von Atomunfällen stehen natürlich nicht die Energiekonzerne gerade, sondern die Steuerzahler. Müssten die AKW-Betreiber die Reaktoren ausreichend versichern, würde wahrscheinlich gar keine Ausstiegsdiskussion geführt werden müssen.

Abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen gibt es noch das unendliche Leid der Hinterbliebenen, Kranken und Behinderten.


Keine Links mehr in der Signatur möglich.


 
Reisefoto
Beiträge: 4.592
Registriert am: 04.03.2006


RE: Sony und das Erdbeben

#8 von Giovanni , 03.04.2011 13:29

QUOTE (Reisefoto @ 2011-04-03, 2:21) Neben den Toten gibt es zudem eine erhebliche Zahl von Missbildungen / Behinderungen bei Neugeborenen. Da die Radioaktivität das Erbgut schädigt, ist auch in künftigen Generationen mit Schäden zu rechnen. Werfen wir mal eine Blick auf die Folgekosten von Tschernobyl. Allein das (im Vergleich zur Ukraine) kleine, aber vom Fallout stark betroffene Weißrussland kommt riesige Summen:

[...]

Für die Kosten von Atomunfällen stehen natürlich nicht die Energiekonzerne gerade, sondern die Steuerzahler. Müssten die AKW-Betreiber die Reaktoren ausreichend versichern, würde wahrscheinlich gar keine Ausstiegsdiskussion geführt werden müssen.

Abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen gibt es noch das unendliche Leid der Hinterbliebenen, Kranken und Behinderten.[/quote]
Danke für deinen Beitrag.

Es stimmt mich derzeit sehr traurig und auch zornig, was in Japan passiert und nicht passiert.

Und dass die Unbelehrbaren nun behaupten, niemand hätte es ahnen können (konnten die in den vergangenen Jahrzehnten nicht lesen?) und schon wieder an PR-Strategien wurschteln, um den Leuten weiter Sand in die Augen zu streuen. Traurig.



Giovanni  
Giovanni
Beiträge: 2.383
Registriert am: 12.11.2005


RE: Sony und das Erdbeben

#9 von u. kulick , 03.04.2011 13:44

QUOTE (stevemark @ 2011-04-02, 23:19) aber Fukushima wird langfristig wohl weit, weit schlimmer.[/quote]

Na, In Tschernobyl hat ein Meiler gereicht um Angst un Schrecken zu verbreiten, hier ein amtliches Dokument dazu: http://www.bfs.de/bfs/druck/broschueren/Tscherno20.pdf vom Bundesamt für Strahlenschutz

Außer den Industrie-Unglücken gab es auch militärische Atom-Unglücke, die Verstrahlung von Pazifikinsulanern bei oberirdischen Wasserstoffbombentests etwa, oder der Untergang des russischen Atom-U-Boot Kursk oder der Reaktorbrand von Sellafied

Mehr? Nuklearunglücke sind garnicht so selten schaut man sich mal die Liste_der_Unfälle_in_kerntechnischen_Anlagen an


u. kulick  
u. kulick
Beiträge: 2.758
Registriert am: 30.05.2005


RE: Sony und das Erdbeben

#10 von stevemark , 03.04.2011 18:26

ZITAT(u. kulick @ 2011-04-03, 12:44) ...
Nuklearunglücke sind garnicht so selten
...[/quote]

Ja, das hat mein Bruder, der in verantwortlicher Position bei der Schweizerischen Eidgenossenschaft arbeitet, auch gerade realisiert.

"Von 450 weltweit sind nun fünf explodiert" meinte er neulich konsterniert. Das heisst in etwa jeder hundertste.

Zählt man dann die weiteren Totalschäden von grösseren Versuchsreaktoren und von kommerziellen Reaktoren dazu - z. B. Sellafield/Windscale, Lucens, Gundremmingen, Harrisburg/Three Mile Island, eine erste partielle Kernschmelze 1982 in Chernobyls Reaktor 1, den Totalschaden durch Turbinenbrand an Reaktor 2 1991 usw., so dürfte mittlerweile jeder 40. Kernreaktor "hopps" gegangen sein. Dabei noch nicht mitgezählt sind jene Reaktoren, die man aufgrund "benachbarter" Unfälle stillegen musste (so Chernobyl 1, 2, 3, aber auch Fukushima Daichi 5 & 6 sowie - vermutlich - Fukushima Daini 1-4). Äusserst knapp einem "blowout" des Reaktorkerns entkommen ist Davis-Besse/Ohio im Jahre 2002 - Borsäure hatte sich während Jahren unbemerkt ein fussballgrosses (! Loch in den Reaktordruckbehälter gefressen; nur eine Restwandstärke von ca. 10 mm (!! verblieb, als man den Schaden schliesslich entdeckte. Es grenzt an ein Wunder, dass man die Sache "rechtzeitig" entdeckt hat und dass die "Resthülle" dem Druck standgehalten hat.

Wenn jeder 100. Toyota oder VW unkontrolliert explodieren würde, so wäre die Marke schnell verschwunden. Bei KKWs ist das merkwürdigerweise anders.

Gr Steve


http://www.artaphot.ch


 
stevemark
Beiträge: 3.408
Registriert am: 13.09.2004


RE: Sony und das Erdbeben

#11 von aidualk , 03.04.2011 18:36

ZITAT(stevemark @ 2011-04-03, 17:26) Wenn jeder 100. Toyota oder VW unkontrolliert explodieren würde, so wäre die Marke schnell verschwunden. Bei KKWs ist das merkwürdigerweise anders.[/quote]

Wenn man mit einem alten, abgeschriebenen AKW pro Tag ein Million EUR Gewinn macht, sieht das halt anders aus.


aidualk  
aidualk
Beiträge: 848
Registriert am: 17.12.2007


RE: Sony und das Erdbeben

#12 von Markus_FCB , 03.04.2011 23:54

ZITAT(stevemark @ 2011-04-03, 18:26) Gundremmingen[/quote]

Oh, Grundremmingen? - Das wusste ich nicht.
Ich komme aus Bayern und wohne derzeit in Stuttgart. Letztes Jahr bin ich auf einer Radtour an der Donau da relativ nahe vorbei gefahren.
Ich bin etwas geschockt!
Danke steve, für die Auklärung!

Ich glaube, das mit Grundremmingen wissen viele nicht. Ich muss mal meinen Vater fragen. Ursprünglich war der auch ein Atom-Symphatisant. In den letzten Tagen hat sich dies auch gewandelt.


Bloß schnellst möglich weg von diesen Drecksdingern!



Markus_FCB  
Markus_FCB
Beiträge: 86
Registriert am: 05.12.2010


RE: Sony und das Erdbeben

#13 von Ernst-Dieter aus Apelern , 07.04.2011 17:20

Leider schon wieder ein schweres Erdbeben in Japan, schlimm!
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0...,755717,00.html


Ernst-Dieter aus Apelern  
Ernst-Dieter aus Apelern
Beiträge: 2.613
Registriert am: 31.12.2003


RE: Sony und das Erdbeben

#14 von nonova , 08.04.2011 01:54

QUOTE (stevemark @ 2011-04-03, 17:26) QUOTE (u. kulick @ 2011-04-03, 12:44) ...
Nuklearunglücke sind garnicht so selten
...[/quote]

Ja, das hat mein Bruder, der in verantwortlicher Position bei der Schweizerischen Eidgenossenschaft arbeitet, auch gerade realisiert.

"Von 450 weltweit sind nun fünf explodiert" meinte er neulich konsterniert. Das heisst in etwa jeder hundertste.

Zählt man dann die weiteren Totalschäden von grösseren Versuchsreaktoren und von kommerziellen Reaktoren dazu - z. B. Sellafield/Windscale, Lucens, Gundremmingen, Harrisburg/Three Mile Island, eine erste partielle Kernschmelze 1982 in Chernobyls Reaktor 1, den Totalschaden durch Turbinenbrand an Reaktor 2 1991 usw., so dürfte mittlerweile jeder 40. Kernreaktor "hopps" gegangen sein. Dabei noch nicht mitgezählt sind jene Reaktoren, die man aufgrund "benachbarter" Unfälle stillegen musste (so Chernobyl 1, 2, 3, aber auch Fukushima Daichi 5 & 6 sowie - vermutlich - Fukushima Daini 1-4). Äusserst knapp einem "blowout" des Reaktorkerns entkommen ist Davis-Besse/Ohio im Jahre 2002 - Borsäure hatte sich während Jahren unbemerkt ein fussballgrosses (! Loch in den Reaktordruckbehälter gefressen; nur eine Restwandstärke von ca. 10 mm (!! verblieb, als man den Schaden schliesslich entdeckte. Es grenzt an ein Wunder, dass man die Sache "rechtzeitig" entdeckt hat und dass die "Resthülle" dem Druck standgehalten hat.

Wenn jeder 100. Toyota oder VW unkontrolliert explodieren würde, so wäre die Marke schnell verschwunden. Bei KKWs ist das merkwürdigerweise anders.

Gr Steve
[/quote]in Japan ist noch kein Todesfall durch Strahlenschäden bekannt, Tschernobyl laut WHO ca 4000 Tote (in China jährlich 10000 Tote bei Kohleförderung). Statistisch gesehen hat Wasserkraft mehr Tote als Kernkraft gefordert. Es geht nicht um Verteidigung einer falschen Risiko-Technologie inHänden bestimmter KOnzerne sondern um die weltfremde ideologieverseuchte Denke in diesem Land.
Zitat aus Spiegel 4.4. 2011:
"Ich bin damals als Leiter des internationalen Ärzteteams nach Kiew gereist - übrigens mitsamt meinen drei Kindern, die damals noch klein waren. Vor allem in der Ukraine, in Weißrussland und in Russland erlitten die Menschen gesundheitliche Schäden. Dort haben wir nach dem Unfall 6000 Fälle von Schilddrüsenkrebs vor allem bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert, ausgelöst durch Jod 131 in Milch und Milchprodukten.

Doch selbst hier waren die Folgen der Strahlung für die menschliche Gesundheit weitaus weniger drastisch, als es bis heute fast alle glauben. Es gab in den 25 Jahren, die seit dem Unfall vergangen sind, keine überzeugend dokumentierte Zunahme von Leukämiefällen oder anderen Krebsarten. Um das Ausmaß der Folgen abzuschätzen, greifen wir deshalb zurück auf Daten, die zeigen, wie sich das Krebsrisiko der Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki entwickelt hat. Demnach ist damit zu rechnen, dass innerhalb von 50 Jahren nach der Explosion in Tschernobyl insgesamt 2000 bis 15.000 Menschen zusätzlich an Krebs sterben.

Ein Anstieg in dieser Größenordnung ist allerdings schwer nachzuweisen, da in diesem Zeitraum in der EU und der ehemaligen Sowjetunion 80 Millionen Menschen ganz unabhängig von Tschernobyl an Krebs sterben werden. Besonders die Beobachtung, dass die Leukämie-Fälle nicht merklich zunehmen, ist beruhigend."
Seit Tschernobyl sind in De auch ca. 2.5 Mio Kinder abgetrieben worden... alles OK, Hauptsache grüne Atom-Hysterie schüren.



nonova  
nonova
Beiträge: 1.107
Registriert am: 02.05.2004


RE: Sony und das Erdbeben

#15 von nonova , 08.04.2011 01:57

QUOTE (stevemark @ 2011-04-02, 22:19) QUOTE (nonova @ 2011-04-02, 22:41) QUOTE (Reisefoto @ 2011-04-01, 12:38)
...
Japan hat eine harte Zeit vor sich. Wünschen wir den Menschen dort, dass sie viel Hilfe bekommen und in puncto Strahlung nicht nach Strich und Faden belogen werden, wie man es hier noch von Tschernobyl kennt.[/quote]Laut neuestem UN-Bericht vom 28. Februar ist die Anzahl der bekannten Todesfälle in Tschernobyl von 28 Nothelfern bestätigt worden, dazu 15 tödliche Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern - die hätten durch Einnahme von Jod-Tabletten vermieden werden können (was man jetzt in Japan tut). [/quote]

Das betrifft die an akuter Strahlenkrankheit Gestorbenen - meist Feuerwehrleute der ersten Stunde. Das "Chernobyl Forum" - bestehend aus Vertretern der IAEA, verschiedene UN-Orgganisationen, der WHO und der Weltbank - geht von 4000 Toten aus ("Chernobyl's Legacy: Health, Environmental and Socia-Economic Impacts and Recommendations to the Governments of Belarus, Russian Federation and Ukraine". Das "United Nations Scientific Committee of the Effects of Atomic Radiation" (UNSCEAR) rechnet allein schon mit 4000 zusätzlcihe Fällen von Schilddrüsenkrebs. Greenpeace bezieht in einem eigenen, umfassenden Report auch zahlreiche nicht-offizielle Quellen mit ein und geht von bis zu 200'000 zusätzlichen / vorzeitigen Todesfällen in den Jahren 1990-2004 aus. Die umfassendste russische Auswertung (1000 wissenschaftliche Artikel und 5000 Internetquellen) rechnet mit gegen einer Million vorzeitiger Todesfälle.

Da die Umgebung von Fukushima-I wesentlich dichter bevölkert ist als jene von Chernobyl, und da die Menge der bislang emittierten Radionukleide in einer ähnlichen Grössenordnung wie im Falle von Chernobyl liegt, sind die Aussichten mehr als düster. Containerschiffe, die 120 km vor Fukushima vorbeigefahren sind, wiesen Tag nachher eine Strahlung von 3 uS / h (entsprechend 0.3 mR / h oder ca. 10 mR / d) auf. Die grossen Knaller sind vorbei, aber das Desaster beginnt jetzt erst, weil bis auf weiteres niemand den Austritt der Spaltprodukte eindämmen oder gar stoppen kann. Die Belastung steigt, anstatt - wie in Chernobyl - relativ rasch zu sinken, denn dort war die grosse Menge an Spaltprodukten in den ersten Stunden freigesetzt worden.



QUOTE (nonova @ 2011-04-02, 22:41) Jedenfalls sind die Zahlen minimal im Vergleich zu den 3.800 Toten in BHOPAL im Jahre 1984, Folge eines Austritts von Chemikalien aus einer Pestizid-Fabrik von UNION CARBIDE.[/quote]
Siehe oben. - Womit ich nicht Bhopal verharmlosen will, aber Fukushima wird langfristig wohl weit, weit schlimmer.


EDIT fehlenden Satzteil ergänzt
[/quote]
Greenpeace ist keine ernstzunehmende Quelle ; GP ist eine "Religionsbehörde" und kein seriöses Gremium.



nonova  
nonova
Beiträge: 1.107
Registriert am: 02.05.2004


   

Bestellen in Hong-Kong
Das Ende der Nachkriegszeit

  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag
| 2002- © so-fo.de | minolta-forum.de |
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen