RE: Sony und das Erdbeben

#16 von Giovanni , 08.04.2011 08:04

QUOTE (nonova @ 2011-04-08, 1:57) Greenpeace ist keine ernstzunehmende Quelle ; GP ist eine "Religionsbehörde" und kein seriöses Gremium. [/quote]
Ich widerspreche dir in allen Punkten, insbesondere auch deinem vorhergehenden Posting. Ein "Fachmann", der versucht, die Folgen des Unfalls in Tschernobyl oder in Fukushima anhand der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki hochzurechnen, hat keine Ahnung oder bringt bewusst falsche Aussagen in Umlauf. In Tschernobyl wurde weit mehr als die tausendfache Menge an radioaktiven Spaltprodukten freigesetzt gegenüber einer Atombombenexplosion. Deshalb sind Hiroshima und Nagasaki mittlerweile schon lange wieder blühende Städte - Pripjat und vergleichbare Orte wird man in in absehbaren Zeiträumen nie wieder bewohnen können.

Übrigens ist Greenpeace in das japanische Katastrophengebiet gereist, um dort eigene, unabhängige Messungen vorzunehmen, und berichtet unabhängig über die Situation der Bevölkerung vor Ort.

Obwohl du alles, was dort geschieht, für mehr oder weniger harmlos hältst, frage ich mich, ob du das auch getan hättest.

Mein Blog zu diesem Thema: http://enelog.de

Nachtrag:
Damit keinesfalls der falsche Eindruck entsteht, ich würde Atombombenexplosionen für harmlos halten: Atombomben sind das Schlimmste, was Menschen jemals erfunden haben. Und Atomkraftwerke sind nichts Anderes als eine Vielzahl "gebremster" Atombomben in einem Topf. Übrigens waren die Aktionen in Tschernobyl u.a. deshalb so hektisch und es wurden deshalb so viele "Liquidatoren" abkommandiert und verheizt, weil sowjetische Physiker und die Staatsführung mit einer 2 Megatonnen-Atomexplosion (das ist mehr als die 130-fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe) rechneten, falls die verbleibende Kernschmelze in ein unter dem Reaktor befindliches Wasserbecken oder später in eine wasserführende Erdschicht durchschmelzen sollte. Damit wäre außerdem der gesamte Rest an Spaltmaterial aus dem Reaktor und dessen Umgebung weltweit verteilt worden und ein Fallout niedergegangen, wie er selbst bei den stärksten Atombombentests nicht auch nur annähernd stattfinden konnte. In Kiev und Minsk standen schon Züge bereit, um dann wenigstens einen Teil der Bevölkerung (die Parteiführung?) noch evakuieren zu können.



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RE: Sony und das Erdbeben

#17 von Alison , 08.04.2011 10:46

QUOTE (nonova @ 2011-04-08, 1:54) Zitat aus Spiegel 4.4. 2011:[/quote]

Hallo Nonova,
es ist sicherlich gut von Medien alle Seiten zu Wort kommen zu lassen, aber dieser Artikel ist heftig kritisiert worden, z.b. in der entsprechenden Diskussion auf Spiegel online:
"http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=32996"
Ich habe für mich beschlossen, dass der Artikel wertlos ist, da der Autor sich nicht die Mühe macht die Zahlen die er nennt zu belegen. Weiterhin sind einige Vergleiche die er anstellt klar verharmlosent.

Gruß,
Alison



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RE: Sony und das Erdbeben

#18 von u. kulick , 08.04.2011 13:54

QUOTE (nonova @ 2011-04-08, 1:54) QUOTE (stevemark @ 2011-04-03, 17:26) QUOTE (u. kulick @ 2011-04-03, 12:44) ...
Nuklearunglücke sind garnicht so selten
...[/quote]

Ja, das hat mein Bruder, der in verantwortlicher Position bei der Schweizerischen Eidgenossenschaft arbeitet, auch gerade realisiert.

"Von 450 weltweit sind nun fünf explodiert" meinte er neulich konsterniert. Das heisst in etwa jeder hundertste.
...
Wenn jeder 100. Toyota oder VW unkontrolliert explodieren würde, so wäre die Marke schnell verschwunden. Bei KKWs ist das merkwürdigerweise anders.

Gr Steve
[/quote]in Japan ist noch kein Todesfall durch Strahlenschäden bekannt, Tschernobyl laut WHO ca 4000 Tote (in China jährlich 10000 Tote bei Kohleförderung). Statistisch gesehen hat Wasserkraft mehr Tote als Kernkraft gefordert. Es geht nicht um Verteidigung einer falschen Risiko-Technologie inHänden bestimmter KOnzerne sondern um die weltfremde ideologieverseuchte Denke in diesem Land.
Zitat aus Spiegel 4.4. 2011:
"Ich bin damals als Leiter des internationalen Ärzteteams nach Kiew gereist - übrigens mitsamt meinen drei Kindern, die damals noch klein waren. Vor allem in der Ukraine, in Weißrussland und in Russland erlitten die Menschen gesundheitliche Schäden. Dort haben wir nach dem Unfall 6000 Fälle von Schilddrüsenkrebs vor allem bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert, ausgelöst durch Jod 131 in Milch und Milchprodukten.

Doch selbst hier waren die Folgen der Strahlung für die menschliche Gesundheit weitaus weniger drastisch, als es bis heute fast alle glauben. Es gab in den 25 Jahren, die seit dem Unfall vergangen sind, keine überzeugend dokumentierte Zunahme von Leukämiefällen oder anderen Krebsarten. Um das Ausmaß der Folgen abzuschätzen, greifen wir deshalb zurück auf Daten, die zeigen, wie sich das Krebsrisiko der Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki entwickelt hat. Demnach ist damit zu rechnen, dass innerhalb von 50 Jahren nach der Explosion in Tschernobyl insgesamt 2000 bis 15.000 Menschen zusätzlich an Krebs sterben.

Ein Anstieg in dieser Größenordnung ist allerdings schwer nachzuweisen, da in diesem Zeitraum in der EU und der ehemaligen Sowjetunion 80 Millionen Menschen ganz unabhängig von Tschernobyl an Krebs sterben werden. Besonders die Beobachtung, dass die Leukämie-Fälle nicht merklich zunehmen, ist beruhigend."
Seit Tschernobyl sind in De auch ca. 2.5 Mio Kinder abgetrieben worden... alles OK, Hauptsache grüne Atom-Hysterie schüren.

[/quote]
Da hat der Spiegel wohl einen schlecht informierten Experten interviewt. Das Bundesamt für Strahlenschutz in der weiter oben angelinkten PDF-Broschüre bestätigt 2,2fache Leukämie-Rate bei dokumentiert über ein bestimmtes Maß verstrahlten "Liquidatoren", allerdings beschränkt auf die ersten 10 Jahre nach dem Unglück. Offiziell gab es 200.000 Liquidatoren, davon viele entsprechend hoch verstrahlt.

Aber: Bei Kindern in der weiteren Umgebung des KKW war eindeutig eine MERKLICH höhere Leukämie-Rate nach dem Unglück. Deshalb wurden viele Kinder notgedrungen in deutsche Fachkliniken abgegeben und im Rahmen dieser Hilfsleistungen auch die Leukämie-Behandlung in der Minsker Kinderkrebsklinik auf westlichen Stand gebracht. So gab es zwar mehr Erkrankte, aber drastisch mehr Überlebende der Krankheit dort. Trotzdem ist eine Chemotherapie eben kein Zuckerschlecken, sondern eine Giftbehandlung mit heftigen Nebenwirkungen - also strahlungsbedingte Krebs-Erkrankungen als selbstverständliche moderne Zivilisationsbelastungen hinzunehmen ist schon etwas ideologieverseuchte Denke.

Noch 16 Jahre nach dem Unglück waren die Fallzahlen in Minsk am steigen: http://sciencev1.orf.at/science/news/50352

Die Atomideologen erkennen offenbar gerne die Zahlen für Schilddrüsenkrebs an, weil es dagegen ja das Wundervorbeugemittel Jod-Tabletten gibt. Wenn die Kliniken steigende Fallzahlen anderer Krankheiten gerade aus stark verstrahlten Gebieten verzeichnen, wird das gerne übergangen oder unter angeblich "ungesicherte Statistiken über andere Krankheiten" unter den Teppich gekehrt. So als hätte da eine notorische Vertuschungsfachfirma wie "Tepco" die Hande im Spiel.

Und Verseuchung nuklearer Qualität wie in Tschernobyl kostet. Eine 30km-"Todeszone" wurde bestimmt nicht als Sperrzone ausgewiesen, weil das Leben da allzu gesund wäre. Die Verseuchung war durch den Graphitbrand im aufgeplatzten Reaktor aber auch deutlich intensiver als in Fukushima. Die verstrahlte japanische Sperrzone von nur 20km Halbkreis wird vielleicht eines Tages genauso als wiederbewohnbar erklärt wie Hiroshima und Nagasaki, aber nur wenn die Verstrahlungsuntersuchungen nach nachhaltiger Eindämmung der Ursache am Kraftwerk das erlauben und weil es in Japan enger ist für die vielen Menschen dort. Aber für Japaner ist es auch eine empfindliche Störung ihrer Wirtschaft, wenn eine ganze Region durch ein Industrieunglück nur vorrübergehend ausfällt. Bleibt vorläufig alles so schlecht wie bis jetzt unter Kontrolle wird es zumindest als Katastrophe mit schwerer Strahlenbelastung des angrenzenden Meeresbereichs in die Geschichte eingehen, denn wenn man in undichte Reaktoren oben unkontrolliert viel Wasser reinsprüht, kommt es unten verstrahlt wieder raus. Und auch das Kühlsystem, soweit es wieder in Betrieb geht, dürfte noch lange vorn und hinten undicht sein und weiteres radioaktives Wasser freisetzen. Das ist ein Naturgesetz - ich habe schon mal die Folgen einer Wasserstoff-Explosion gesehen. In Fukushimas Meilern gab es davon gleich mehrere, und mehrere schwere Erdbeben hintereinander, und mindestens eine Kernschmelze, was soll da noch dicht sein an den Kühlsystemen?

Verseuchung zu verhindern gilt auch für die "Endlagerung" hoch strahlenden Abfalls. Als Endlager kommt die erbebensicherste Gegend der Welt in Frage. Ob das ein Salzstock in Gorleben ist? Für Salzstöcke kann ich mir nur vorstellen, dass das gleiche gilt wie für Holz: Holz lebt. Ebenso Salzstöcke, die ja enorm hygroskopisch sind. Wenn es irgendwann mal einen unerwarteten Wasserzufluss dort gibt, ist alle Kalkulation zunichte, dass in einem Salzstock alles so fest und dauerhaft wäre, dass man die giftigsten aller Stoffe dort lagern könnte. Also eine ziemlich dumme Idee mit dem Salzstock. Erst wenn alle Optionen WELTWEIT abgecheckt sind, kann das sichere Endlager identifiziert werden oder sogar eine kleine Handvoll Endläger, aber mehr wahrscheinlich nicht, schon weil die Hälfte aller Standorte wegen politischen Unsicherheiten nicht machbar ist. Eines muss es mindestens sein, aber absolut wissenschaftlich transparent ermittelt. Mindestens für die 450 bestehenden und weitere schon abgeschaltete zivile und militärischen Anlagen sowie Forschungsreaktoren muss mindestens weltweit ein, dann aber ziemlich großes, Endlager her. Gute Beziehungen zu anderen Ländern sind eine Grundvoraussetzung für eine internationale Lösung, z.B. auch ein guter Außenminister . Und es kann Jahrzehnte dauern, bis der Platz gefunden ist, auch wenn selbst der nicht unendlich sicher sein kann, ohne geht es halt nicht. Und selbst das Auffinden eines so relativ absolut sicheren Endlagers wäre noch kein Argument für die Kernenergie, wenn die Kraftwerke dem Stress einer Verkettung von mangelnder Sicherheitsvorsorge, Unglücken, Missgeschicken, Fehlverhalten, Nichtvernachlässigbarkeit von Restrisiken, also einem ganzen Haufen wahrscheinlich möglicher Ursachen nicht standhalten. Und dass der Uranabbau selbst auch seine Bergbau- und Strahlenopfer kostet macht Kernenergie in dieser Beziehung zum vollwertigen Kohlekonkurrenten.


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RE: Sony und das Erdbeben

#19 von nonova , 08.04.2011 15:33

QUOTE (Giovanni @ 2011-04-08, 7:04) QUOTE (nonova @ 2011-04-08, 1:57) Greenpeace ist keine ernstzunehmende Quelle ; GP ist eine "Religionsbehörde" und kein seriöses Gremium. [/quote]
Ich widerspreche dir in allen Punkten, insbesondere auch deinem vorhergehenden Posting. Ein "Fachmann", der versucht, die Folgen des Unfalls in Tschernobyl oder in Fukushima anhand der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki hochzurechnen, hat keine Ahnung oder bringt bewusst falsche Aussagen in Umlauf. In Tschernobyl wurde weit mehr als die tausendfache Menge an radioaktiven Spaltprodukten freigesetzt gegenüber einer Atombombenexplosion. Deshalb sind Hiroshima und Nagasaki mittlerweile schon lange wieder blühende Städte - Pripjat und vergleichbare Orte wird man in in absehbaren Zeiträumen nie wieder bewohnen können.

Übrigens ist Greenpeace in das japanische Katastrophengebiet gereist, um dort eigene, unabhängige Messungen vorzunehmen, und berichtet unabhängig über die Situation der Bevölkerung vor Ort.

Obwohl du alles, was dort geschieht, für mehr oder weniger harmlos hältst, frage ich mich, ob du das auch getan hättest.

Mein Blog zu diesem Thema: http://enelog.de

Nachtrag:
Damit keinesfalls der falsche Eindruck entsteht, ich würde Atombombenexplosionen für harmlos halten: Atombomben sind das Schlimmste, was Menschen jemals erfunden haben. Und Atomkraftwerke sind nichts Anderes als eine Vielzahl "gebremster" Atombomben in einem Topf. Übrigens waren die Aktionen in Tschernobyl u.a. deshalb so hektisch und es wurden deshalb so viele "Liquidatoren" abkommandiert und verheizt, weil sowjetische Physiker und die Staatsführung mit einer 2 Megatonnen-Atomexplosion (das ist mehr als die 130-fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe) rechneten, falls die verbleibende Kernschmelze in ein unter dem Reaktor befindliches Wasserbecken oder später in eine wasserführende Erdschicht durchschmelzen sollte. Damit wäre außerdem der gesamte Rest an Spaltmaterial aus dem Reaktor und dessen Umgebung weltweit verteilt worden und ein Fallout niedergegangen, wie er selbst bei den stärksten Atombombentests nicht auch nur annähernd stattfinden konnte. In Kiev und Minsk standen schon Züge bereit, um dann wenigstens einen Teil der Bevölkerung (die Parteiführung?) noch evakuieren zu können.
[/quote]
Mein Posting bezog sich HAUPTSÄCHLICH auf die durch und durch ideologische Herangehensweise, die in De und dort insb. von Medien und bestimmten polit Interessengruppen gepusht wird. Die Situation ist, dass man neue Risikobewertungen vorzunehmen hat. Die dt. Gesellschaft hat aber bei bestimmten Themen schon lange rationales Denken aufgegeben und macht aus Sachfragen ideologisches Lagerdenken. Relativierungen sind verboten.
Wenn heute ein Spiegel Leitartikler schreibt:
"Ist Deutschland über Nacht ein moralisches Land geworden? Angesichts der neu erwachten Anti-Atombewegung drängt sich dieser Eindruck" auf." so ist das in meinen Augen komplett hirnrissing und demagogisch. Insinuiert soll damit werden, die "Grüne Bewegung" hätte Moral für sich gepachtet.



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RE: Sony und das Erdbeben

#20 von hanito , 08.04.2011 18:45

Alles nicht so einfach zu verstehen. Ich war schon immer der Meinung Atomkraft sollte auf der ganzen Welt abgeschaltet werden, alles andere bringt nix. Wenn Deutschland alle AKWs abschaltet wird die Gefahr nur etwas minimiert, leider. Photovoltaik ist auch nicht der Weisheit letzter Schluß, da wird viel Geld verbrannt und einige wenige verdienen daran. Es wird immer von Arbeitsplätzen in Deutschland geredet, wie das, kommen doch die meisten Module aus China.
Mit Windrädern könnte ich leben, aber das wird nicht reichen.

Zurück zum Thema, Sony und das Erdbeben, Sony Produktankündigungen verzögert. Mittlerweile trifft das viele Firmen, wie lange das anhält kann niemand sagen. Auch weil es immer noch Nachbeben gibt. Die armen Menschen kommen nicht zur Ruhe, schlimm.
Sony produziert doch auch in Thailand, evtl. sind die nicht von Japan abhängig.



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RE: Sony und das Erdbeben

#21 von Reisefoto , 08.04.2011 19:46

ZITAT(hanito @ 2011-04-08, 17:45) Photovoltaik ist auch nicht der Weisheit letzter Schluß, da wird viel Geld verbrannt und einige wenige verdienen daran. Es wird immer von Arbeitsplätzen in Deutschland geredet, wie das, kommen doch die meisten Module aus China.
Mit Windrädern könnte ich leben, aber das wird nicht reichen.[/quote]

Es gibt nicht die Patentlösung, es muss an vielen Schrauben gedreht werden, um eine Energieversorgung ohne Atomkraft und weiter steigendem Anteil an fossilen Energieträgern zu erreichen. Es geht also um eine Kombination aus
- Verbrauchssenkung
- Binnenwindkraftanlagen
- Off shore Windkraftanlagen
- Wasserkraft und Pumpspeicherwerke aus / in Norwegen inkl. Verlegung des notwendigen Nordseekabels
- Hiesige Wasserkraft (weitgehend ausgeschöpft)
- Photovoltaikanlagen in Deutschland, Südeuropa und Nordafrika
- Thermische Solarkraftwerke in Nordafrika inkl. des benötigten Kabels (aus politischen Gründen unsichere Quelle)
- Biogasanlagen in sinnvollem Umfang und mit veranwortungsvoller technischer Auslegung
- Viel mehr Kraft-Wärme-Kopplung in konventionellen Kraftwerken
und vieles mehr.

Photovoltaikanlagen sind zweifellos teuer, aber seit 2005 haben sich sowohl der Anlagenpreis als auch die Einspeisevergütung in etwa halbiert. Die Einspeisevergütung aus Freiflächenanlagen liegt schon nicht mehr so weit von dem Preis entfernt, den ich bei den lokalen Stadtwerken für meinen Ökostrom bezahle.

Am Rande: Jeder Einzelne kann viel zur Energiewende beitragen, wenn er seinen Strom nicht bei den goßen Atomkonzernen und deren Vertriebspartnern kauft, sondern echte Ökostromangebote nutzt. Hier hat der Verbraucher viel Macht. Wer den Atomausstieg will, muss hier konsequent sein.

ZITAT(hanito @ 2011-04-08, 17:45) ASony Produktankündigungen verzögert. Mittlerweile trifft das viele Firmen, wie lange das anhält kann niemand sagen. Auch weil es immer noch Nachbeben gibt. ...
Sony produziert doch auch in Thailand, evtl. sind die nicht von Japan abhängig.[/quote]

A35 und NEX C3 sind wohl verzögert, aber die Vorstellung der A77 im Juli soll angeblich wie geplant stattfinden:
http://www.sonyalpharumors.com/good-news-s...not-be-delayed/

Passend dazu hat Sony schon offiziell 50MB/s Memorysticks angekündigt:
http://www.sonyalpharumors.com/sony-announ...a77-slt-camera/

In 2012 sollen dann zwei Vollformatkameras (hohe und niedrigere Auflösung) folgen (Gerücht mit SR4):
http://www.sonyalpharumors.com/sr4-sounds-...ameras-in-2012/

Sony hat in einer Pressemitteilung beschrieben, welche Werke von der Katastrophe betroffen sind:
http://www.sonyalpharumors.com/go-as-fast-...f0-75-pictures/


Keine Links mehr in der Signatur möglich. Schade.


 
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RE: Sony und das Erdbeben

#22 von u. kulick , 08.04.2011 21:53

QUOTE (Reisefoto @ 2011-04-08, 19:46) Es gibt nicht die Patentlösung, es muss an vielen Schrauben gedreht werden, um eine Energieversorgung ohne Atomkraft und weiter steigendem Anteil an fossilen Energieträgern zu erreichen. Es geht also um eine Kombination aus
- Verbrauchssenkung
- Binnenwindkraftanlagen
- Off shore Windkraftanlagen
- Wasserkraft und Pumpspeicherwerke aus / in Norwegen inkl. Verlegung des notwendigen Nordseekabels
- Hiesige Wasserkraft (weitgehend ausgeschöpft)
- Photovoltaikanlagen in Deutschland, Südeuropa und Nordafrika
- Thermische Solarkraftwerke in Nordafrika inkl. des benötigten Kabels (aus politischen Gründen unsichere Quelle)
- Biogasanlagen in sinnvollem Umfang und mit veranwortungsvoller technischer Auslegung
- Viel mehr Kraft-Wärme-Kopplung in konventionellen Kraftwerken
und vieles mehr.

Es gibt mittlerweile auch Pläne, überschüssigen Strom in Methan[/quote]

http://www.weltderphysik.de/de/8581.php

Das Speichern der überschüssigen Energie, wenn alle Windräder drehen, alle Flüsse fließen, die Sonne in ganz Deutschland scheint, dafür gibt es jetzt die Konzepte. Da braucht man auch kein Überseestromkabel nach Afrika, außer vielleicht zwischen Marokko und Spanien, wo das eine billige Lösung wäre, sondern man bräuchte Erdgastanker, die in Lybien und Ägypten erzeugten Solarstrom in Gasform abholen. Vielleicht gelingt auch endlich die Wasserstoffspeicherung so, dass man Brennstoffzellen-Fahrzeuge mit höchster Effizienz betreiben könnte, ohne bei Unfällen Wasserstoffexplosionen befürchten zu müssen.

Aber um im großen Umfang die Infrastruktur zu schaffen für diese sinnvollen Ideen bräuchte man einen "New Deal": Keine Banken mehr retten vom Steuergeld, sondern eben riesige Infrastrukturprojekte durchziehen. Die Stromkonzerne jammern z.Zt. die Konzepte scheiterten schon an Stromtrassen. Offenbar hat man da aktuell Probleme, aber bisher ging es vielleicht darum, die Kernenergie mit neuen Trassen besser an den Mann zu bringen. Jetzt kann das alles auf den Prüfstand, und eine sinnvollere Trassenplanung, die erneuerbaren Energien die besseren Einspeisungschancen gibt. Über's Knie brechen geht aber auch nicht, deshalb wäre der sinnvolle Kompromiss, zum alten Atomausstiegsvertrag zurückzukehren, um überhaupt einen minimalen Zeithorizont für die Umstrukturierung der Strom-Industrie zu schaffen. Die Grünen versprechen das Grüne vom Himmel, wenn sie jetzt bis 2017 statt bis 2022 aussteigen wollen. die Partei versteigt sich da in Populismus wie eine andere Partei es mit ihrer Steuersenkungsnummer schon vorgeturnt hat und auf dem Bauch gelandet ist. Die müssen sich statt toll was zu versprechen auf lange mühsame Überzeugungsarbeit einstellen, denn wenn die Wolke von Fukushima sich verzogen hat, kommt das Vergessen so sicher wie der Strom aus der Steckdose, und dann ist grün plötzlich wieder wenn kein Windrad in den Wald gestellt und keine Stromtrasse am Dorf vorbeiführt.

Hier ein Bericht, der zeigt, wie mühsam es ist, allein die einheimischen Pumpspeicher-Elektrizitätswerks-Kapazitäten da wo es überhaupt möglich ist auch umzusetzen. Gut Ding will Weile haben


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RE: Sony und das Erdbeben

#23 von u. kulick , 17.04.2011 13:21

Gerade eine schon 1 Monat alte Meldung gefunden, nach der sogar der koreanische Optikhersteller Samyang Produktionsverzögerungen ankündigt

http://samyang.pl/article,8,news

wegen japanischen Zulieferern im Katastrophengebiet. Demnach werden bis Mai weniger Objektive produziert, weil man Linsen von dort bezieht.

Inzwischen gibt es erste Meldungen, dass betroffene Werke ihre Produktion wieder angefahren haben. Aber die Ankündigung von Tepco, dass allein die Eindämmung der Atomkatastrophe noch das ganze Jahr dauern wird, lässt abschätzen, dass auch alle Foto/Optik-Produktion im betroffenen Gebiet solange brauchen wird zur Gesamterholung. Manche kleinere schlecht versicherte oder personell ausgeblutete Unternehmung wird womöglich ganz auf der Strecke bleiben.

P.S.: Und noch eins: http://www.ftd.de/politik/international/:n...n/60039876.html


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RE: Sony und das Erdbeben

#24 von Koch , 17.04.2011 18:41

Hier noch ein Bericht zu der Situation von Herstellern.


Grüsse aus der Schweiz
Rolf


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RE: Sony und das Erdbeben

#25 von u. kulick , 17.04.2011 20:29

Nach Tschernobyl gab es auch immer noch die weißrussische und ukrainische optische Industrie. Die war zwar nicht so weit gestreut wie in Japan die japanische, aber immerhin, der GAU konnte ihr nichts anhaben. Die Firmen BelOMO, Arsenal und Kiev und FED gibt es immer noch (letztere macht keine Optik mehr), wie übrigens auch erstaunlich viele ehemals sowjetische Optikbetriebe in Russland. Wurde von der Treuhand 1990 vielleicht Pentacon Dresden platt gemacht, weil zum Einigungsvertrag Geheimprotokolle zur Sicherstellung der Konkurrenzfähigkeit der sowjetischen Optikindustrie bestanden? Dann wäre die Regelung ja enorm erfolgreich gewesen. Mittlerweile sind sogar noch Foto-Optikfirmen dazugekommen wie Zeiss-BelOMO und Arax.

Also der Bestand der japanischen Optikindustrie sollte angesichts dieser Vorbilder nicht gefährdet sein.


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RE: Sony und das Erdbeben

#26 von stevemark , 29.04.2011 23:05

ZITAT(u. kulick @ 2011-04-17, 19:29) Nach Tschernobyl gab es auch immer noch die weißrussische und ukrainische optische Industrie. Die war zwar nicht so weit gestreut wie in Japan die japanische, aber immerhin, der GAU konnte ihr nichts anhaben. Die Firmen BelOMO, Arsenal und Kiev und FED gibt es immer noch (letztere macht keine Optik mehr), wie übrigens auch erstaunlich viele ehemals sowjetische Optikbetriebe in Russland. Wurde von der Treuhand 1990 vielleicht Pentacon Dresden platt gemacht, weil zum Einigungsvertrag Geheimprotokolle zur Sicherstellung der Konkurrenzfähigkeit der sowjetischen Optikindustrie bestanden? Dann wäre die Regelung ja enorm erfolgreich gewesen. Mittlerweile sind sogar noch Foto-Optikfirmen dazugekommen wie Zeiss-BelOMO und Arax.

Also der Bestand der japanischen Optikindustrie sollte angesichts dieser Vorbilder nicht gefährdet sein.[/quote]

Arnie Gunderson, ausgewiesener US-Nuklearexperte, der u. a. an der offiziellen Untersuchung des Reaktorunfalls vo Three Mile Island beteiligt war, postuliert mittlerweile, dass eine Kettenreaktion im "Spent Fuel Pool" die verheerende Detonation vom 13. März in Reaktorgebäude 3 verursacht hat.

Als Chemiker kann ich sagen, dass der schwarze Rauch, die gerichtete Detonation und der überdeutlich sichtbare Lichtblitz bei Reaktor 3 nicht auf Wasserstoff zurückzuführen sind. Konventionelle Sprengstoffe lagerten mit Sicherheit nicht im Reaktorgebäude - und so bleibt nur die Annahme einer Nuklearen Kettenreaktion/Explosion im Lager für abgebrannte Brennelemente.

Fakt ist, dass hochradioaktive Brennelement-Trümmer in bis zu 3 km (!! Distanz von den Reaktoen gefunden wurden. Interessant ist auch, die Luftaufnahmen von Reaktor 3 näher anzuschauen: wo einst der "Spent Fuel Pool" war, klafft eine hässliche schwarze Senke, über der alle Stahlträger weggefegt bzw. geschmolzen (! sind. Die noch vorhandenen Reste von Stahlträgern sind zum Explosionszentrum hin verbogen, was einen extrem starken Sog aufgrund des aufwärts detonierenden Materials bedingt. Auch die Tatsache, dass Stahlträger offenbar geschmolzen oder gar verdampft sind, lässt sich keinesfalls mit der Explosion von einigen hundert kg Wasserstoff erklären. Kurz und gut - wir haben hier offenbar dasselbe Phänomen einer "Leistungsexkursion" wie damals in Chernobyl - nur, dass hier die Sache im Lagerbecken für abgebrannte Brennelemente (und nicht im eigentlichen Reaktor) stattfand. Die Wirkung ist prinzipiell dieselbe, was mittel- und langlebige Isotopen angeht; einzig bei den kurzlebigen Isotopen hatte Chernobyl ganz wesentlich höhere Emissionen zur Folge.

Der kurze Film von Arnie Gunderson ist absolut sehenswert; er bestätigt meine Aussagen, die ich kurz nach der Explosion verschiedentlich gemacht hatte. Es sieht nicht gut aus.

Stephan


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RE: Sony und das Erdbeben

#27 von Giovanni , 30.04.2011 00:59

QUOTE (stevemark @ 2011-04-29, 23:05) Arnie Gunderson, ausgewiesener US-Nuklearexperte, der u. a. an der offiziellen Untersuchung des Reaktorunfalls vo Three Mile Island beteiligt war, postuliert mittlerweile, dass eine Kettenreaktion im "Spent Fuel Pool" die verheerende Detonation vom 13. März in Reaktorgebäude 3 verursacht hat.

Als Chemiker kann ich sagen, dass der schwarze Rauch, die gerichtete Detonation und der überdeutlich sichtbare Lichtblitz bei Reaktor 3 nicht auf Wasserstoff zurückzuführen sind. Konventionelle Sprengstoffe lagerten mit Sicherheit nicht im Reaktorgebäude - und so bleibt nur die Annahme einer Nuklearen Kettenreaktion/Explosion im Lager für abgebrannte Brennelemente.

Fakt ist, dass hochradioaktive Brennelement-Trümmer in bis zu 3 km (!! Distanz von den Reaktoen gefunden wurden. Interessant ist auch, die Luftaufnahmen von Reaktor 3 näher anzuschauen: wo einst der "Spent Fuel Pool" war, klafft eine hässliche schwarze Senke, über der alle Stahlträger weggefegt bzw. geschmolzen (! sind. Die noch vorhandenen Reste von Stahlträgern sind zum Explosionszentrum hin verbogen, was einen extrem starken Sog aufgrund des aufwärts detonierenden Materials bedingt. Auch die Tatsache, dass Stahlträger offenbar geschmolzen oder gar verdampft sind, lässt sich keinesfalls mit der Explosion von einigen hundert kg Wasserstoff erklären. Kurz und gut - wir haben hier offenbar dasselbe Phänomen einer "Leistungsexkursion" wie damals in Chernobyl - nur, dass hier die Sache im Lagerbecken für abgebrannte Brennelemente (und nicht im eigentlichen Reaktor) stattfand. Die Wirkung ist prinzipiell dieselbe, was mittel- und langlebige Isotopen angeht; einzig bei den kurzlebigen Isotopen hatte Chernobyl ganz wesentlich höhere Emissionen zur Folge.

Der kurze Film von Arnie Gunderson ist absolut sehenswert; er bestätigt meine Aussagen, die ich kurz nach der Explosion verschiedentlich gemacht hatte. Es sieht nicht gut aus.[/quote]
Hallo Stephan,

zwar bin ich kein "ausgewiesener Nuklearexperte", sondern ein engagierter Nukleargegner, aber in diesem Fall bin ich mit den Aussagen von Arnie Gunderson nicht einverstanden.

Die Explosion in Block 3 war meiner Einschätzung nach eindeutig eine Wasserstoffexplosion, entweder im Reaktordruckbehälter selbst oder ("nur" im umgebenden Sicherheitsbehälter. Dies erklärt auch den starken Impuls nach oben durch das Gebäudedach über der Mitte des Gebäudes. Wäre dieser nicht vorhanden gewesen, würde ich evtl. auch der "offiziellen" Version Glauben schenken, dass die Explosion nur im oberen Bereich des Reaktorgebäudes stattgefunden habe. Die Videobilder mit diesem Impuls, dem massiven Materialauswurf sowie der Aktivitätspeak in der Umgebung unmittelbar nach der Explosion sprechen jedoch m.E. eindeutig dafür, dass zumindest der Sicherheitsbehälter (durch das Containment nach oben gerichtet) explodiert ist.

Zum Thema "gelbe Stichflamme bei Wasserstoffexplosion": Je nach Sauerstoffverhältnis kann es diese sehr wohl geben, siehe http://www.youtube.com/watch?v=slm4RjII1e8 - und in Fukushima war mehr explosives Gasvolumen vorhanden als in ein paar Luftballons. Die gelbe Stichflamme während der Explosion ist damit eindeutig erklärbar - sie ist sogar ein Hinweis auf eine Wasserstoffexplosion. Ein anderer Lichtblitz, wie er bei einer Nuklearexplosion zu erwarten gewesen wäre, ist nicht sichtbar, ebenso wenig ein Feuerball oder ein Glühen des nach oben ausgeworfenen Materials.

Schau dir nochmals kurz das Schnittbild des GE Mark I SWR an, wie er in Fukushima stand und z.B. auch in Mühleberg steht: http://enelog.de/2011/03/wasserstoff-oder-...dampfexplosion/

Bei einer Wasserstoffexplosion im Sicherheitsbehälter (im Schnittbild gelb) gibt es einen massiven Explosionsimpuls nach oben wegen der Form des umgebenden Betoncontainments. Hierbei werden nach oben durch das Dach geschossen:
- der Deckel des Sicherheitsbehälters
- die darüber aufgelegte Betonabdeckung des Containments
- das obere (dünne) Dach
- evtl. Teile der BE-Lademaschine, falls diese gerade entsprechend positioniert ist

Wenn die Wasserstoffexplosion im Reaktordruckbehälter (im Schnittbild dunkelrot) stattfindet, kommen hinzu:
- der obere Teil des Reaktordruckbehälters (Deckel, weitere Stahlfragmente)
- mindestens die oberen Einbauten, die bei diesem SWR sehr umfangreich sind (Tropfenabscheider und Dampftrockner)
- evtl. Teile der Brennelemente

Das ist mehr als genug, um eine große dunkle radioaktive Staubwolke zu erzeugen.

Übrigens war die Explosion zwar sehr heftig, aber so wie diese auf den Bildern aussieht, wurden sicherlich keine schweren Trümmer 3 km weit geschleudert - so weit kamen allenfalls kleinere bzw. leichtere Fragmente (was bei deren Radioaktivität auch so eine absolute Katastrophe ist!.

Eine nukleare Explosion hätte noch wesentlich schlimmere Folgen gehabt als sie hier ohnehin sind. So gesehen ist der "Worst Case", den viele, einschließlich japanischer Politiker, ohne genauere Angaben angedeutet haben, in Fukushima (bisher noch) nicht eingetreten.

Die Spuren von Uran-Aerosolen, auf deren Nachweis in den USA Arnie Gunderson Bezug nimmt, können ohne Weiteres aus dieser chemischen Explosion sowie aus der wochenlangen Abgabe von radioaktivem Rauch aus (wie ich annehme) zerstörten Reaktordruckbehältern bei Wind in Richtung Pazifik stammen - dazu braucht es keine nukleare Explosion. Eine solche hätte vielmehr so dermaßen viel strahlendes Material freigesetzt, dass die USA ein massives Problem bekommen hätten (wie die gesamte nördliche Hemisphäre). Denn man muss sich einmal vergegenwärtigen, welche Mengen spaltbaren Materials im Reaktor und im BE-Lagerbecken vorhanden sind. Allein Block 3 enthielt etwa soviel wie 30.000 (dreißigtausend! Atombomben. Wenn sich davon ein nennenswerter Teil in einer Nuklearexplosion verflüchtigt, braucht man keine empfindlichen Messgeräte mehr, um dies in den USA nachzuweisen, und die 20 km-Zone wäre entweder durch die Nuklearexplosion selbst in eine verbrannte nukleare Wüste verwandelt worden, oder durch das verteilte Spaltmaterial und die Spaltprodukte wäre jede Annäherung an den Standort 100% tödlich. In Tschernobyl wurden deshalb Tausende "Liquidatoren" zu hektischen Maßnahmen angetrieben und ihr Tod in Kauf genommen, weil sowjetische Physiker eine 2 Megatonnen-Atomexplosion errechnet hatten, sollte der geschmolzene Rest des Reaktorkerns das darunter befindliche Wasserbecken erreichen - und später, nachdem dieses unter Einsatz der Liquidatoren geleert war, wasserführende Erdschichten unter dem Gebäude. So gesehen war der Einsatz dieser Männer in Tschernobyl erfolgreich. Jedenfalls sieht es u.a. Michail Gorbatschow so, dass diese dadurch unter Einsatz ihres Lebens unzählige Menschen in der Sowjetunion und in ganz Europa gerettet haben.

Sozusagen Glück im Unglück während der Explosion in Tschernobyl war, dass der Reaktor dort mit Natururan betrieben wurde, das ohne Graphitmoderator nicht zu einer Kettenreaktion fähig ist. Offenbar wurde der Graphitmoderator bei der Nuklearexplosion schnell genug so schwer zerstört, dass keine prompte Kritikalität mehr vorlag. Bei den MOX-Brennelementen in Fukushima oder in ähnlichen Reaktoren (auch hier bei uns) wäre dagegen in einem vergleichbaren Fall eine Explosion zu erwarten, bei der sich der gesamte Standort mit allen 6 Reaktorblöcken und der umgebenden Landschaft in einem nuklearen Feuerball aufgelöst hätte. Allerdings muss dazu bei diesen Reaktoren zunächst eine Kernschmelze eintreten (ggf. in Verbindung mit dem Kontakt mit Wasser oder anderen moderierenden Stoffen)*, während in Tschernobyl eine nukleare Leistungsexkursion (sozusagen eine "Atomexplosion light" im laufenden Betrieb möglich war.

So viel für heute und trotz des traurigen Themas schöne Grüße in die Schweiz

Johannes


* genaue Daten zu den erforderlichen Bedingungen für eine prompte Kritikalität muss ich ausgewiesenen Nuklearexperten überlassen; aber offenbar ist A. Gunderson nicht der einzige, der diese Bedingungen für leicht erreichbar hält



Giovanni  
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RE: Sony und das Erdbeben

#28 von u. kulick , 30.04.2011 17:23

QUOTE (Giovanni @ 2011-04-30, 0:59) zwar bin ich kein "ausgewiesener Nuklearexperte",

...

genaue Daten zu den erforderlichen Bedingungen für eine prompte Kritikalität muss ich ausgewiesenen Nuklearexperten überlassen; aber offenbar ist A. Gunderson nicht der einzige, der diese Bedingungen für leicht erreichbar hält[/quote]

Über die von dir genannte Quelle gelangt man zu dieser Powerpoint-Show der Union of Concerned Scientists, die alles "wunderbar" ("der Wunder bar", R.Kunze) erkärt.

Die Reaktor-Selbstnotkühlung versagt demnach, wenn sämtliche anderen Notkühl-Hilfssysteme wie in Fukushima so mal eben ausfallen. Eigentlich ein mächtiger Dampfkreislauf, der da in Gang kommt zur Reaktornotkühlung, aber allein damit überhitzt sich im Lauf der Tage der Reaktor und das Zirkonium in den Brennstäben setzt Wasserstoff frei aus dem Reaktorwasser, dessen Stand immer mehr sank.

In dem Abklingbecken für verbrauchten Brennstoff steigt die Hitze auch. In der Vergangenheit gab es sogar Sicherheitsfehlkonstruktionen bei Kernkraftwerken, die alle Wärme freisetzenden Sachen abschalten im Falle einer Reaktornotkühlung, sogar Pumpen für die Abklingbeckenkühlung. In Fukushima war dafür eh kein Strom mehr da. Also dürfte zum Zeitpunkt der Explosion auch der Zustand des Abklingbeckens bzw. die Erwärmung von dessen Inhalt kritisch gewesen sein.

Die Anderson-Theorie geht davon aus, dass die Wasserstoffexplosion ihre Druckwelle bis ins Abklingbecken hinein entfaltete, restliches Wasser darinnen zur Seite schwappte und die Brennelemente dort durchrüttelte, dass ein Moment der Kritikaliät entstand. Solche Momente entwickeln sehr schnell große Hitze und Strahlung - nicht unbedingt eine Atomexplosion mit großem Blitz und Atompilz. Schon bei der Entwicklung der Atombombe wurde einmal ein Kritikalitätsversuch durchgeführt mit genau dem Effekt, allerdings mit der damals für eine Atombombe nötigen kritischen Masse an Uran feinsäuberlich gestapelt in Graphitwürfeln verpackt, mit einem Schacht, durch den man das zur kritischen Masse fehlende Gramm Uran hindurchfallen liess, während Messgeräte auf die Anordnung gerichtet waren. In einem Reaktorabklingbecken ist ein vielfaches davon gelagert, unter Druckwelleneinwirkung eben womöglich nicht mehr ordentlich gestapelt, sondern großteils unzulässig komprimiert - zu einer kritischen Masse? Damit erklärt Anderson stärkere Explosionshitze, die sich an der Ruine ablesen lässt. Die große Wasserstoffentwicklung im Reaktorgebäude 3 ist wahrscheinlich schon Folge der von Erdbeben und tagelangem Kühlungsausfall bedingten annähernden oder teilweisen Kernschmelze - eine damit verbundene riesige Hitze der Zirkoniumröhren machte sie zu Wasserstofferzeugungskatalysatoren. Die Explosion sah in der Tat wie eine entsprechend wuchtige Wasserstoffexplosion aus, bei der imposant Material in die Höhe torpediert und gleichzeitig aber eine noch viel stärkere Druckwelle zu den Seiten hin massiven Schaden anrichtet. Wie weit dabei aus den verbrauchten Brennstäben Uran, Plutonium etc. freigesetzt wurde ist eine wichtige Frage: Dann wäre innerhalb eines Reaktorgebäudes ein "Doppel-GAU" passiert mit dem radioaktiven Inhalt. Das gabs noch nie: GAU war bisher das maximale Unglück mit Kernschmelze und undichtem oder explodiertem Reaktor. Jetzt gibts das womöglich auch im Doppelpack, mit radioaktivem Material zusätzlich freigesetzt aus dem Abklingbecken. Insgesamt hat Fukushima laut der Powerpoint-Präsentation womöglich bereits mehr Radioaktivität freigesetzt als alle bisherigen Gäue zusammen. Anderson vertritt nicht allein die These, dass etwas kritikalisches passiert sein könnte, das die Wasserstoffexplosion verstärkte, EU-Berater Prof. Busby aus London redet sogar von einer Atomexplosion im Abklingbecken, siehe: Busby-Interview. Die hätte einen mehr als sichtbaren Blitz erzeugen müssen. Wahrscheinlich wäre der am nächsten Tag als Satellitenfoto veröffenlicht worden, wie die der Atomblitze der Bombenversuche notorischer Atomwaffenverbreitungsverbot-Unterwanderer.

Über deinen Link kommt man auch zu dem Bericht eines Tschernobyl-Forschers, der sogar Filmbilder aus dem Inneren des alten Unglücksreaktorgebäudes zeigt, mit Sprinklern im Dauerbetrieb zur Dauerkühlung oder Dauerdekontamination, die bis heute dort Teile des Gebäudes ständig unter Wasser setzen, zumindest wenn dort Menschen zugange sind. Außerdem zeigt der Bericht, dass mehr oder weniger Fallout und nicht die Entfernung zum Unglücksort entscheidend ist für die nachhaltige Verstrahlung. So entdeckte er eine strahlungsfreie Oase innerhalb der "Todeszone", wo auch wieder Leute zurückgekehrt sind. Aber schon hundert Meter entfernt von der bewohnten Hütte: Volle Dosis.

Sprich: Die Reaktor-3 Explosion hat mindestens in 3 km Umkreis nennenswerten Fallout aus gefährlichem Reaktor-Inventar erzeugt. Ob auch die abgebrannten Brennelemente dazu beigetragen oder gar die einzige Quelle dafür waren müsste man erforschen. Man braucht für so einen Unfall offenbar ganze Batallione von Trümmerkletter-Robotern, die näher an die möglichen Schadens-Ursachen-Punkte heranklettern und ein Bild davon geben können, z.B. mit hochtemperatur-resistenten Digitalkameras ausgerüstet - vielleicht ein Job für Sony?


u. kulick  
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RE: Sony und das Erdbeben

#29 von Reisefoto , 01.05.2011 23:27

Auf Photoscala gibt es eine Bestandsaufnahme der Schäden in der Fotoindustrie:
http://www.photoscala.de/Artikel/Bestandsa...ch-dem-Erdbeben

SAR bringt Auszüge aus einem Artikel von USA Today und Thom Hogan:
http://www.sonyalpharumors.com/usa-today-s...non-nikon-slrs/


Keine Links mehr in der Signatur möglich. Schade.


 
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RE: Sony und das Erdbeben

#30 von Markus_FCB , 02.05.2011 00:16

Ich muss mal alle loben:
ich finde diesen Thread hier insgesamt hoch interessant. Das mitunter einer der besten Threads überhaupt zur Japan-Katastrophe, die ich kenne. Sehr informativ!



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