Stirbt „Fotografie“ als Hobby aus?

#1 von jpolzfuss , 19.01.2020 23:10

Hallo!

Kommt mir das nur so vor, oder stirbt unser Hobby allmählich aus? Nehmen wir z.B. mal die letzten Betriebsfeiern oder meine Kinder: Noch vor ein paar Jahren hatte immer irgendjemand irgendwelche Kameras mit. Aber mittlerweile werden quasi nur noch Handys gezückt. Das liegt nicht nur daran, dass deren Sensoren und Optiken immer besser werden, sondern auch daran, dass sich das Nutzungsverhalten geändert hat: Bilder werden nur noch gemacht, um sie gleich danach übers Internet zu verschicken. Aufheben, sichern,...?! Fehlanzeige! „Machen, verschicken, löschen“ lautet das neue Credo. Mit einer Kamera gilt man da quasi als Fortschrittsverweigerer, der nicht in der Lage ist, sofort zu „sharen“. Egal ob man erst einen Film entwickeln oder die Bilder erst auf den Rechner/aufs Handy kopieren muss: jede Verzögerung führt nur noch zu verständnislosen Blicken....

Oder sehe ich das zu schwarz? Was meint Ihr?

Gute Nacht!
Jörg


 
jpolzfuss
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RE: Stirbt „Fotografie“ als Hobby aus?

#2 von hlenz , 20.01.2020 20:54

Nun ja, wie du schon sagst hat sich das Nutzungsverhalten geändert. Fotos sind eben heute viel schneller verbreitet, so dass sie als Kommunikationsmittel dienen können.

Wer "früher" bei den von dir genannten Ereignissen mit einer Kamera fotografiert hat, war ja nicht unbedingt ein Hobbyfotograf.
Es ging ebenfalls darum, Erinnerungen für sich festzuhalten und mit anderen zu teilen. Da wurden dann zuhause die Bilder auf den PC gezogen, ein paar wurden per E-Mail verschickt, ev. wurden einige ausgedruckt und ins Album geklebt.
Oft stellte man aber auch bloß fest, dass alle verwackelt waren und sie verblieben auf der Speicherkarte bzw. wurden gelöscht.

Noch länger vorher kam der entwickelte Film zurück, man zeigte die paar gut gewordenen Bilder herum und klebte sie ins Album, ließ ev. ein paar Abzüge nachmachen zum Weitergeben.
Oft stellte man aber auch bloß fest, dass alle verwackelt waren und sie verblieben in der Filmtasche und wurden später entsorgt. ;)

Heute werden mit den meisten Smartphones die Fotos besser als früher, sie können unkomplizierter und schneller weitergebenen werden, jeder hat sein Fotoalbum (auf dem Telefon) immer dabei.
Erstmal ist damit doch alles besser als früher, oder?

Das einzige: Die Hürde, Abzüge erstellen zu lassen und ein reales Fotoalbum oder ein Fotobuch zu erstellen, ist ev. etwas größer. Sehr viele Fotos bleiben rein elektronisch und sind oft bei Geräteverlust verloren.
Kann man sich aber dann meist bei denen wieder holen, denen man sie kopiert hat. Es nur sein, dass es aus der heutigen Zeit, in der so viele Fotos gemacht werden wie noch nie, später kaum noch fotografische Nachlässe gibt.
Allerdings sind die Fotostationen beispielsweise in DM-Märkten gut besucht. Ich glaube, da besinnen sich mittlerweile viele wieder auf ein "reales" Papierbild. Bezeichnenderweise erlebt ja auch die Sofortbildfotografie gerade wieder eine Renessance.

Außerdem: Gute Fotos von ambitionierten Hobbyfotografen sind meiner Beobachtung nach immer noch gefragt, auch wenn man selbst das Handy voller eigener Schnappschüsse hat.


Gruß

Harald


hlenz  
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zuletzt bearbeitet 20.01.2020 | Top

RE: Stirbt „Fotografie“ als Hobby aus?

#3 von u. kulick , 20.01.2020 21:21

Fotografie als Leidenschaft ist selten, weltweit gibt es aber noch eine ganze Menge Leute, die sie pflegen. Ein Hobby hat man, und dann gibt es lebensabschnittsweise scheinbar wichtigeres. das Hobby wird vernachlässigt. Unsere durchgetaktete Welt macht das Immererreichbardingsdabums so wichtig, und es wird sogar verwechselt mit einem Immerpräsentseinmüssensdingsdabums, weshalb ein Fotoapparat allenfalls mit 180°-Klappmonitor und WiFi taugt. Man muss ja schließlich per Selfiepose immer präsent sein. Jetzt hat es auch Sony verstanden und eine bessere Kamerafernsteuerungssmartphone-App als die vielkritisierte Vorgängersoftware.

Aber es gibt auch handybesitzende Leute, die haben auch einen Fotoapparat, und die nutzen teilweise die Handykamera tatsächlich wie diesen, d.h. v.a. zum Fotografieren statt zum Selfieposieren. Wer changiert zwischen einer moderat guten digitalen Kompaktkamera und dem Handy wird eh kaum einen technischen Bildqualitätsunterschied mehr feststellen. Was sich trotz allem gut verkauft, sind Fujis instax-Sofortbildkameras. Der Charme der Fotochemie wird in der Masse also fast nur noch im Carte-de-visite-Format genossen, herumgezeigt von seltsamen Zeitgenossen, die auf diesen coolen Dreh verfallen sind. Wirklich cool, gibt es doch auch Verfechter der total ignoranten Idee, Sofortbild müsse digital per Kamera mit eingebautem Farbdrucker sein, der gleiche digitale Schmu also wie beim modernen Fotoabzug vom analogen Negativ.

Schon vor 10 Jahren waren auch unsere ersten Digitalen "richtigen" Kameras, i.e. waren das meist KonicaMinolta 7D oder 5D oder dann die Sony Alpha 100, bei einigen auch 700 und/oder 900, von gestern, weil: Kein Video! Eine ganze Seite nimmt in Foto-Zeitschriften schon die Beschreibung der Videofähigkeit jeder Kamera ein. Und "Vlogging" war schon manchmal das wichtigste Schlagwort bei der Vorstellung einiger der letzten höherwertigen Sony-Systemkameras. Also quasi das Video-Selfie inklusive aktueller Meinungsbekundung, statt "Schau dir das an" also "lass dich von mir bequasseln". Der Kameragebrauch diversifiziert sich also auch, so dass Fotografie nur noch ein Zweig davon ist. Und der blüht, als Kunst eher sogar da wo der bühende Zweig mit Liebe fokussiert wird als da, wo der ach so wichtige Serienbildmodus zig Bilder vom Cross-Biker-Stunt festhält und letztlich der Zufall entscheidet, ob überhaupt ein brauchbares Bild darunter ist, und die Kunst kommt erst danach, nämlich die, das, falls vorhanden, beste Bild der Serie herauszusuchen.


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