RE: Umkehrprozess dr5 für Dias mit SW-Negativfilmen

#1 von matthiaspaul , 14.02.2010 22:24

Hallo zusammen,

viele Schwarzweißfans kennen den Aga Scala 200x Schwarzweißumkehrfilm, neben dem Foma Fomapan R 100 praktisch der einzige derzeit noch erhältliche "offizielle" Schwarzweißdiafilm (früher gab es auch noch den Agfa Scala 200 und den Agfa DiaDirect DD 25 und DD 100). Leider ist der Scala relativ teuer und wird wegen des speziellen Entwicklungsverfahrens nur noch von wenigen Laboren in Deutschland entwickelt. Und da der Scala 200x auch nicht mehr produziert wird (wenn er auch noch über Jahre hinaus verfügbar bleiben sollte) heißt es doch, sich langsam nach Alternativen umzusehen.

Was die Entwicklung angeht, fällt einem zunächst der Umkehrprozess nach Wehner ein, mit dem die beiden obigen Filme als Dias entwickelt werden können. Allerdings ist dieser Prozess aufwendig und teurer (15 Euro pro Film):

http://www.wehner-net.de/schwarzweissdia/index.html

Interessant auch diese Artikel zur Selbstentwicklung des Scalas:

http://www.schwarzweiss-magazin.de/swmag_leser_09.htm
http://www.chrzahn.de/Fotoseiten/Tipps/Diakit.html

Durch Zufall bin ich nun über den Entwicklungsprozess dr5 gestolpert, der exklusiv von dr5 Chrome Labs in den USA angeboten wird. Dieser vom Fotografen David Wood entwickelte Schwarzweißumkehrprozess arbeitet im Gegensatz zum Agfa Scala-Prozess rein chemisch (also ohne Zwischenbelichtung) und erlaubt es nicht nur, den Agfa Scala zu entwickeln, sondern er wurde auch mit einer Vielzahl anderer Schwarzweißnegativfilme erfolgreich erprobt. Beispiele finden sich auf der Webseite des Anbieters:

http://www.dr5.com/blackandwhiteslide/filmreview.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Dr5_Chrome

dr5 listet die folgenden (Negativ-)Filme als kompatibel mit diesem Umkehrverfahren auf:
Agfa Scala 200 (transparenter Träger)Agfa Scala 200x (transparenter Träger)Agfa Afgapan APX 100 / Arista II Ultra 100 / Retro 100 (alt)Ilford FP4 Plus 125Ilford HP5 Plus 400Ilford Delta 100 ProfessionalIlford Delta 400 ProfessionalIlford Delta 3200 ProfessionalIlford SFX 400Ilford Pan F Plus 50Illford Ortho PlusKodak Plus-X 125PX ProfessionalKodak Plus-X Reversal Film 7265Kodak Tri-X Reversal Film 7266Kodak Tri-X 400TX ProfessionalKodak Tri-X 320TXP ProfessionalKodak T-Max 100 Professional (TMX)Kodak T-Max 400 Professional (TMY)Kodak T-Max P3200 Professional (P3200TMZ)Kodak Technical Pan TP (transparenter Träger)Kodak HIE ProfessionalFuji Neopan 400 ProfessionalMaco Rollei Superpan 200Maco Rollei ATPMaco Rollei Infrared IR-400Maco efke Ortho 25Macophot PO100Macophot TP64cRollei R3Foma Fomapan Creative 200 / Foma 200T / Arista-Edu 200 Premium (transparenter Träger)Foma Fomapan Creative 200 / Foma 200BLU / Arista-Edu 200 Premium (bläulicher Träger)Arista-Edu 100 PremiumArista-Edu 400 PremiumFoma Fomapan R 100efke Pan 25Maco efke ORT-25 / Adox ORT 25efke R100 / Adox CHS 100 ARTefke KB50 / Adox CHS 50 ARTefke R25 / Adox CHS 25 ARTefke IR820cKonica Infrared 750nmLucky SHD 100 (New)
Die folgenden Filme sind nicht kompatibel:
Agfa Agfapan APX 25Agfa Agfapan APX 400 / Retro 400 (alt)(Agfa COPEX) GIGABIT / BLUEFIRE / ADOX CMS 20Foma Fomapan [classic] 100Foma Fomapan [classic] 400SHANGHIefke 400Fuji Acros 100alle Filme für E-6-Entwicklungalle Filme für C-41-Entwicklung
Allerdings schlägt auch bei diesem Verfahren die Entwicklung mit 14,75 USD pro Film zu Buche, vom Aufwand, seine Filme in die USA schicken zu müssen, mal ganz abgesehen.

Viele Grüße,

Matthias


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RE: Umkehrprozess dr5 für Dias mit SW-Negativfilmen

#2 von Mark , 14.02.2010 22:29

ICh habe schon davon gehört und auch schon Ergebnisse gesehen, aber die Liste macht keinen. Das Umkehrverfahren ergibt ein Dia, bedeutet, ich kann das Ergebnis projizieren. Das setzt aber einen transparenten Träger voraus, weit über die Hälfte der Liste erfüllt diese Voraussetzung aber gar nicht. Zum Scannen bringt das keinen Vorteil, da die Umkehrprozesse alle den Dynamikumfang nicht eben erhöhen…

Aber mit einigen der Filme sicher interessant.

Mark


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RE: Umkehrprozess dr5 für Dias mit SW-Negativfilmen

#3 von matthiaspaul , 14.02.2010 23:07

ZITAT(Mark @ 2010-02-14, 22:29) Das setzt aber einen transparenten Träger voraus, weit über die Hälfte der Liste erfüllt diese Voraussetzung aber gar nicht.[/quote]
Da hast Du völlig Recht. Darüber habe ich mich auch gewundert und bei einigen Filmen (wo ich's gerade wußte) dazugeschrieben, daß sie einen transparenten Träger haben. Du hast da sicherlich einen viel besseren Überblick als ich (ich mache ja nicht viel in Schwarzweiß, vielleicht kannst Du das bei einigen der anderen Filme noch ergänzen?

Bei einigen Beispielen auf der Webseite streicht der Anbieter einen farbigen Träger übrigens explizit heraus und sieht z.B. den bläulichen Träger des Foma 200BLU als Möglichkeit, interessante Effekte zu erzielen. Es gibt wohl auch zwei verschiedene Entwickler (Developer 1-Neutral und Developer 2-Sepia), letzterer verursacht eine Sepiatönung.

Viele Grüße,

Matthias


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RE: Umkehrprozess dr5 für Dias mit SW-Negativfilmen

#4 von Schwupp , 15.02.2010 03:25

Hallo.

Schön etwas zu diesem Thema zu lesen. Besonders, weil ich vorhin erst von meiner DIA Präsentation bei Freunden zurück bin und neben "bunten" DIAs auch vereinzelt AGFA Scala Dias mit in die Präsentation eingebaut hatte. Es war in der Form meine erste Präsentation mit gemischten Bildern und es war sehr interessant mit zu bekommen, wie durchweg S/W DIAs als angenehmer, insgesamt gerade in den Schattenpartien detailreicher empfunden wurden. Von hundert DIAs waren ca. zehn AGFA Scala DIAs darunter. Dabei habe ich dann hinter dem S/W DIA das selbe Motiv nochmal in Farbe gezeigt. Ich war letztes Jahr ein paar Tage mit "schwerem" Gepäck unterwegs = vier Festbrennweiten und zwei anolgen Kameras von Minolta.

Das S/W DIAs in einer Präsentation so gut ankommen, hätte ich nicht gedacht. Zumal es ja nun wirklich ein harter Kontrast ist, wenn direkt nach einem einzigen S/W DIA dann ein "Disney VELVIA" als Bild gezeigt wird. Schon hart... aber den Freunden hat es wohl um so mehr gefallen.

Ich habe mir zwar erst vor einer Woche noch fünf AGFA SCALA Filme gekauft aber vor wenigen Tagen bin ich auf interessantes gestoßen. Es gibt von der Firma FOMA ein Entwicklungskit für 8 DIA Filme. In einer Entwicklungsdose kann man das alles selbst entwickeln. Chemisch läuft das ganze aus meiner Erinnerung in etwa so ab:

- Erst.- und Zweitentwickler mit Formadon (Was immer auch darin ist...)
- Bleichbad auf Basis von Kaliumpermanganat und Schwefelsäure.
- Klärbad mit Natriumbisulfit.
- Fixierer in üblicher Art.

Ich könnte mir das schon interessant vorstellen, weil es einfach sehr viel preisgünstiger ist. Bisher habe ich meine "Scalas" in das Labor mit der "13" geschickt. Wenn ich das Porto für den Versand dorthin mit rechne, dann sind es alles in allem 12-13 Euro für eine Entwicklung. Bischen viel Geld, zumal der AGFA SCALA als unbelichteter Film auch noch mal 5-6 Euro kostet.

"FOMA" gibt an, das die S/W Entwiclung auch mit anderen Filmen funktioniert, sofern sie einen klaren Träger haben.

Alles in allem etwas fürs Heimlabor. Da ich aber eh gerade mit "Rodinal und Co hantiere, werde ich mir den Forma Kit wohl testweise mal zulegen.

(Das ist keine verdeckte Werbung )

Grüße,
Oliver

Nachtrag: Und nachdem ich das hier alles getippt habe, habe ich gesehen das oben bei Matthias seinem Beitrag in einem Link genau dieser Foma Kit besprochen wird. Na - ich lasse trotzdem mal alles hier stehen und lösche es nicht. Der Link zum "www.schwarzweiss-magazin" ist wirklich lesenswert.


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RE: Umkehrprozess dr5 für Dias mit SW-Negativfilmen

#5 von Mark , 15.02.2010 17:49

Ich habe sogar einige komplett s/w zusammengestellte Präsentationen. Ich meine dass dies immer ein wenig vom Thema abhängt. Ich hatte letztes Jahr Gelegenheit auf einem grösseren Jazz/Blues Festival auch direkt auf der Bühne und hinter der Bühne fotografieren zu dürfen und bin direkt mit der Idee angereist daraus einen Diavortrag zu machen. Im nachhinein bin ich sehr zufrieden (wie auch meine Zuschauer), da der Blickwinkel sich ändert. in s/w ändert sich der Fokus auf die Motive, da Farben keine Rolle mehr spielen. War auch für mich sehr schön mal wieder etwas in der Richtung unternehmen zu können…

Ich arbeite mit mehreren Kombinationen. Das Foma Kit habe ich auch des öfteren genutzt, es ist aber sehr agressiv, sprich ich kann denn einen oder anderen Film vorweisen der komplett blank ist. direkt beim Bleichen aufgelöst . Mit dem Foma 100R funktioniert er aber sehr gut, die ergebnisse haben eine guten Dynamikumfang und zeichenen Schwarz sehr gut durch.
Ich nutze für meinen Teile ausserdem noch eine eigene Rezeptur die ich einmal von meinem "Meister" gelernt habe. DIese ist ein wenig mit einem ORWO Chemiebuch optimiert und mit viel probieren. Ich habe hier im Forum auch schon mal einen längeren Artikel dazu geschrieben. Dazu passend nutze ich:
Kodak TMax100 (TMX120, 135)Kodak TMax400 (TMY120, 135)Kodak TMax3200 (TMZ135)efke KB25, 50, 100Agfa DiaDirect 25, 100ORWO TC27ORWO UN54diverse Kodak, Agfa Überwachungsfilme
Bei denen bin ich auch ziemlich sicher das sie immer einen transparenten Träger haben. Na ja, so gut wie immer. Viele Filme gibt es so und so, da kommt es sogar auch Chargen an ob oder ob nicht. Ich verarbeite aus jeder Charge die ich kaufe deshalb immer einen Film vorweg um zu sehen wie er aussieht.

Farbige Träger funktionieren eigentlich nie und erlauben eigentlich auch keine "Effekte". Das Problem ist die Tonwerte nach Schwarz verschoben werden. Ein gut getonter Abzug hat trotz der Tonung noch weiss und schwarz, es wird eben nur das Spektrum dazwischen eingefärbt (oder andersartig getont). Ein farbiger Träger macht ein Positiv immer dunkler und verhindert "reinweiss", die hellste Stelle wird immer nur so hell wie der Träger ist hat genau den Farbton. Meist ist aber auch so das die Träger dominant grau sind und nur leichte Stiche haben.
Agfa neigt meist zu einem bläulichen Träger, Kodak auch, aber die Deltas sind fast immer grau. Ich glaube der Delta400 hat jetzt einen transparenten träger, sicher bin ich aber nicht. Die die ich habe sind leicht grau, aber immer noch so grau das man den Unterschied zu einem klaren Träger deutlich sehen kann.

Ich habe mit den s/w Positiven wieder angefangen da der IR720 auf klarem Träger liegt. Kommt grossartig in einer MF Präsentation ein IR Positiv anbieten zu können…

Mark


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RE: Umkehrprozess dr5 für Dias mit SW-Negativfilmen

#6 von harubang , 15.02.2010 22:05

Ich hab da noch so einiges an Polypan F rumliegen, der hat auch einen relativ klaren Träger mit gaaanz leichter Blautendenz.
Da ich meine SW Chemie eh selbst komponiere, werde ich demnächst mal eine Testreihe starten.
Falls irgendjemand schon mal den Polypan umgekehrt hat, wäre ein Erfahrungsaustausch nicht schlecht - man hätte dann schon mal die ungefähren Eckdaten.
Ein Empfindlichkeitswunder ist er ja nun sowieso nicht, sondern er freut sich über viel Sonne - oder ein Stativ!

Gruß
Rolf


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RE: Umkehrprozess dr5 für Dias mit SW-Negativfilmen

#7 von toomuchpix ( gelöscht ) , 15.02.2010 22:53

ZITAT(harubang @ 2010-02-15, 22:05) Ich hab da noch so einiges an Polypan F rumliegen, der hat auch einen relativ klaren Träger mit gaaanz leichter Blautendenz.
Da ich meine SW Chemie eh selbst komponiere, werde ich demnächst mal eine Testreihe starten.
Falls irgendjemand schon mal den Polypan umgekehrt hat, wäre ein Erfahrungsaustausch nicht schlecht - man hätte dann schon mal die ungefähren Eckdaten.
Ein Empfindlichkeitswunder ist er ja nun sowieso nicht, sondern er freut sich über viel Sonne - oder ein Stativ!

Gruß
Rolf[/quote]

für Umkehrung ist der Polypan eher knapp zu belichten, eigentlich immer. denn bei reichlicher Belichtung leidet die Schärfe wegen der fehlenden Lichthofschutzschicht doch deutlich. ich geh von 64-80 ASA aus


toomuchpix

   


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