RE: Blitzsynchronisation

#1 von mick , 24.11.2002 22:22

Grundsätzliches zur Blitzsynchronisation

Warum muß ich zum Blitzen eine bestimmte Synchronzeit an meiner Kamera einstellen? Was passiert, wenn ich das nicht tue?

Der Amateur arbeitet wie selbstverständlich mit der Synchronzeit, man denkt gar nicht mehr darüber nach. Doch Einsteigern ist oft nicht klar, was es mit dieser Synchronzeit eigentlich auf sich hat.

Um das ganze zu verstehen, setzen wir uns einmal mit der Funktionsweise eines Schlitzverschlusses auseinander, der ja durchweg bei SLR-Kameras zum Einsatz kommt.
Als Beispiel diene der horizontal ablaufende Tuchverschluß der X-700. Es gibt zwar auch abweichende Bauformen, wie den vertikal ablaufenden Metallamellenverschluß (z.B. XD-7 oder XE), doch ist deren Funktionsweise prinzipiell analog zum erstgenannten Typ.

Der Verschluß, befindet sich unmittelbar vor der Filmebene, oder, sprechen wir an dieser Stelle doch besser von der Brennebene (Focal Plane (aha!).
Er besteht grundsätzlich aus zwei Vorhängen, von denen immer einer die Brennebene abdunkelt, wenn gerade nicht belichtet wird.
Löst man nun aus, dann öffnet sich zunächst der erste Vorhang. Von hinten in die Kamera schauend, läuft er von rechts nach links. Nach erfolgter Belichtung läuft der zweite Vorhang hinterher und dunkelt die Brennebene wieder ab.
Beim erneuten Spannen des Verschlusses über den Transporthebel, werden beide Vorhänge gleichzeitig zurück nach rechts geschleppt, wobei sie sich während dieses Vorganges leicht überlappen, damit nicht fälschlicherweise Licht auf den Film fällt.

Eigentlich ganz einfach, doch sehen wir uns das Verschlußtiming einmal etwas genauer an:
Wir lösen aus, angenommen mit einer Verschlußzeit von 1 sec. Der erste Vorhang öffnet sich nach links. Das geht sehr schnell, jedoch nicht zeitlos, der Vorhang braucht dazu eine gewisse Zeit!
Nachdem die Belichtungszeit abgelaufen ist, also in diesem Fall 1 sec nach Beginn (! des Öffnungsvorgangs, läuft der zweite Vorhang los und verdunkelt wieder.
Bei einem präzise arbeitenden Verschluß sollte er genau so schnell laufen, wie der erste Vorhang. Damit ist gewährleistet, daß jeder Teil des Filmausschnittes, sagen wir einmal modellhaft "jede Spalte" des Filmausschnittes, gleich lange belichtet wird.
Wählen wir nun eine kürzere Verschlußzeit, beispielsweise 1/2 sec oder 1/4 sec, dann muß der zweite Vorhang eben früher loslaufen um wieder zu verdunkeln, also beispielsweise nach 1/2 sec oder 1/4 sec. Wichtig ist, sich bewußt zu machen, daß es der zweite Vorhang ist, der mit dem Verdunkeln so lange wartet, bis die Verschlußzeit verstrichen ist.

Interessant wird es nun bei viel kürzeren Verschlußzeiten. Bei einer 1/125 sec muß der zweite Vorhang, wie zu erwarten, 1/125 sec nach Beginn des Belichtungsvorganges loslaufen, um wieder dunkel zu machen.
Da der öffnende erste Vorhang aber nicht unendlich schnell unterwegs ist, ergibt sich die Situation, daß er noch gar nicht an seiner Endposition angekommen ist, sprich noch gar nicht die ganze Brennebene freigegeben hat, wenn der zweite Vorhang losläuft.
Bei einer Verschlußzeit von 1/125 sec hat der erste Vorhang gerade einmal die Hälfte seines Weges zurückgelegt, wenn der zweite losläuft. Bei einer Verschlußzeit von 1/250 sec, gerade mal 1/4 des Weges, bei 1/500 sec nur 1/8 des Weges usw.
Würde man den Belichtungsvorgang nun in Zeitlupe betrachten, dann würde man erkennen, wie sich der SCHLITZ zwischen den beiden Vorhängen von rechts nach links über die Brennebene bewegt - daher also "Schlitzverschluß".

Die kürzeste Verschlußzeit, bei der für einen Augenblick die gesamte Brennebene offen ist, ist bei der X-700 (wie bei der ganzen X- bzw. XG-Serie) die 1/60 sec!
Bei der XD-Serie, bei der der Verschluß vertikal abläuft und somit eine kürzere Strecke zurücklegt, wird eine kürzeste "Ganz-Offen-Zeit" von 1/100 sec erreicht. Modernere Modelle sind da noch schneller...

Genau diese Zeit, also die kürzeste "Ganz-Offen-Zeit", ist die sog. Blitzsynchronzeit. Warum, das dürfte sich jetzt schon fast von selbst erklären:

Die Leuchtdauer eines Elektronenblitzes ist extrem kurz, wesentlich kürzer, als die Verschlußzeit der Kamera.
Bei einer Aufnahme mit Elektronenblitz darf der Blitz erst dann gezündet werden, wenn der erste Vorhang die Brennebene komplett freigegeben hat. (Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Blitzen auf den ersten Vorhang, dazu jedoch später mehr.) Es erübrigt sich nun fast zu sagen, daß der zweite Vorhang noch nicht losgelaufen sein und einen Teil der Brennebene wieder verschlossen haben darf. Diese Voraussetzungen sind erfüllt, wenn beim Blitzen nicht kürzer als mit Blitzsynchronzeit belichtet wird.
Würde man dagegen mit der X-700 bei einer 1/125 sec blitzen, so hätte der zweite Vorhang die Brennebene schon wieder zur Hälfte verschlossen. Die Folge wäre ein nur halb belichtetes Bild.

Längere Verschlußzeiten sind natürlich zulässig, man kann die resultierenden Effekte als gestalterisches Mittel einsetzen, beispielsweise, um eine Person im Vordergrund per Blitz einzufrieren und bewegte Lichter im Hintergrund verwischen zu lassen.

Einige gut ausgestattete Kameramodelle bieten auch die Möglichkeit "auf den zweiten Vorhang zu blitzen". Das heißt, der Blitz wird erst unmittelbar bevor der zweite Vorhang mit dem Schließen beginnt gezündet. Hiermit lassen sich sehr schöne Effekte erzielen, wenn es darum geht, Bewegung im Bild mit einzubringen.
So kann man beispielsweise bei etwas längerer Verschlußzeit ein tanzendes Paar aufnehmen, dessen Kostüme schöne glitzernde Spuren erzeugen; gegen Ende der Belichtung werden die beiden Personen durch den Blitz in einer "Endposition" eingefroren...


Und dann war da noch die FP-Synchronisation.
Da gibt es an der XM bzw. an der XE doch noch einen kleinen Schalter, mit dem man von X-Synchronisation (oben beschriebener Modus) auf FP umschalten kann.
Siehe da, diese Minoltas hatten Mitte der 70er Jahre schon ein Feature, das heute nur bei einigen wenigen High-End-Kameras angeboten wird?!?
Nein nein, ganz so ist es leider nicht, obwohl mit der neuen High-Speed-FP-Blitzsynchronisation das gleiche erreicht wird, wie schon von zig Jahren.
Die FP-Charakteristik stammt aus der Zeit, als die ersten Schlitzverschlüsse (englisch Focal-Plane-Shutter = Brennebenenverschluß aufkamen.
Diese bewegten sich durchaus träger als die heutigen, d.h. auch die kürzesten "Ganz-Offen-Zeiten" waren länger. Folglich hatte man es bei den meisten Verschlußzeiten mit ablaufenden Schlitzen zu tun.
Also mußte man den damals überwiegend verwendeten Blitzbirnen (heute praktisch gar nicht mehr erhältlich) entsprechende Eigenschaften anzüchten, um in die Lage zu kommen, diese neuartigen FP-Verschlüsse beim Blitzen zu synchronisieren.
Das Ergebnis waren Blitzbirnen mit sog. FP-Charakteristik. Sie hatten einfach eine sehr lang Leuchtdauer, d.h. einmal gezündet leuchteten sie so lange, daß es für die Zeit reichte, die ein Schlitzverschluß brauchte, um einmal über die komplette Brennebene abzulaufen.
Damit ließen sich dann alle Verschlußzeiten, auch die schnellsten, synchronisieren.
Wichtig allerdings, der Blitz mußte logischerweise schon beim Loslaufen des ersten Vorhanges gezündet werden.

Bei vielen SLR-Kameras aus der Epoche der XM bzw. XE war solch einen Umschalter vorhanden, um sie auf den jeweils verwendeten Blitzapparat einstellen zu können:
FP für die Verwendung von Blitzbirnen mit FP-Charakteristik, der Blitz wird beim Loslaufen des ersten Vorhanges gezündet.
X für die Verwendung von Elektronenblitzgeräten, der Blitz wird erst gezündet, wenn der erste Vorhang ganz geöffnet hat.

Mit dem Aussterben der Blitzbirnen sind dann allerdings auch die FP/X-Umschalter von den Kameras verschwunden, man brauchte nur noch die X-Synchronisation.

Die High-Speed-FP-Synchronisation bei neuen Kameras führt tatsächlich zum gleichen Ziel, wie das FP-Blitzen vor vielen Jahren, es können auch sehr kurze Verschlußzeiten synchronisiert werden.
Allerdings wird hierbei beim Ablaufen des Schlitzverschlusses eine ganze Folge von Einzelblitzen zu genau definierten Zeitpunkten (exakter: definierte Positionen des Schlitzverschlusses) ausgelöst, um so eine gleichmäßige Blitz-Belichtung des ganzen Bildes zu erreichen.
Möglich ist dies jedoch nur mit bestimmten Blitzgeräten, die diese Funktion unterstützen.

Soviel zum Thema Blitzsynchronisation. Und nun viel Spaß beim Blitzen und Experimentieren mit längeren Verschlußzeiten...


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RE: Blitzsynchronisation

#2 von manfredm , 03.01.2003 10:40

Was mich schon immer interessiert hätte: was macht der Blitz eigentlich bei der drahtlosen Blitzfernsteuerung, und warum ist die Verschlußzeit dann (bei den aktuellen Modellen nicht mehr, soweit ich weiß auf 1/60s bzw. 1/30s begrenzt?
Manfred



 
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