Moin Thobo,
genau in der "Widersprüchlichkeit" meiner Schilderung steckt auch das Dilemma der derzeitigen Entwicklungen. Das 4/3-System bietet ein paar richtungsweisende Innovationen. Mal abgesehen von dem Schutz des Sensors, der ja gerade in Verbindung mit dem MOS-Sensor ein wichtiges Thema ist und den wirklich guten Zuiko-Objektiven (was und wie Leica da für Panasonic strickt muss sich leider noch zeigen), sehe ich eine gewisse Chance/Zukunft für das Porroprisma. Zudem bleibt abzuwarten, was der 7.5er MOS an Dynamik und Rauschverhalten zu bieten hat.
Am Markt, dafür sind auch die Medien verantwortlich, wird jedoch scheinbar der Vollformatsensor favorisiert und macht ihn damit möglicherweise (ich schrieb es ja schon zuvor im Konjunktiv) unumgänglich im Wettkampf am Markt. Das 4/3 nehme ich deshalb im Vergleich von dieser Notwendigkeit aus, weil es sich insgesamt techn. anders präsentiert und damit eigene Vorzüge hat. Sollten die Leistungen der jetzt kommenden Modelle sich an den "Grossen" des Marktes erfolgreich messen können, haben sie marktstrategisch auch ohne Vollformatsensor eine Chance.
Ob die Festlegung auf ein Format ein Entwicklungshemmnis oder die individuelle Zukunft ist, wird sich zeigen. Es würde sicherlich ein Raunen durch die Reihen gehen, wenn einer der Hersteller einen 4/3 MOS oder einen APS-C-CCD entwickeln würde, der die Vollformatsensoren an Auflösung, Rauschverhalten und Dynamik übertrifft.
Man muss sich bei allen möglichen Entwicklungen auch mit den Konsequenzen am Markt auseinandersetzen. Sollten die Hersteller munter in kleinen Schritten weiter entwickeln, werden sie wohl kaum alle fünf Jahre (einfach in den Raum gestellte Zahl) eine neue z.B. formatgerechte Objektivpalette in einer Preisspanne von min. 100 bis z.B. max. 10.000 Euro per Objektiv in den Markt stellen. Wahrscheinlich hätte das eine Vereinfachung des Marktes zur Folge, also eine geringe Objektivauswahl. Denn der Ausschlag für Investitionsfreudigkeit des ambitionierten Verbrauchers gibt die Zukunftssicherheit des Bajonetts. Und ein kompatibles Bajonett ist spätestens dann nicht mehr sicher, wenn z.B. eine Sammlung von APS-C-"D"-gerechneten Objektiven späterhin an einer Vollformat-DSLR nicht mehr einsetzbar ist (Randabfall etc.)
Mit dem DSLR-Segment haben sich die Hersteller eine neue Absatzquelle aber eben auch ein Problem eingehandelt. Im analogen Segment war ein Teil der Entwicklung "feststehend" (nämlich das analoge Filmmaterial) und seine Veränderung beeinflusste kaum die Entwicklung der Objektive; jene war eher bestimmt durch wachsende Qualitätsanforderungen, Einführung des AF usw. Das Problem des Marktes ist, dass er am Leben gehalten werden will.
Rein technisch kann ich im Ürigen noch nicht glauben, dass APS-C oder Vollformat die abschliessende Plattform für die künftigen Entwicklungen sein werden. Ich halte das zum einen für eine Bremse, zum anderen ist es ein Risiko. Im Kfz.-Sektor wurde der Markt mehrfalls durch Newcomer hinreichend aufgeräumt und verändert.
Zur Zeit sehe ich es für die Hersteller jedoch insgesamt als verfrüht an, komplette Systeme für eigentlich kleinste Schritte über den Jordan zu werfen.
Gruss