RE: Mehrfeldmessung kontra Diafilm

#1 von !!wolf!! , 07.11.2003 20:28

Hallo!

In einem Beitrag hatte ich behauptet, die (Belichtungs-)Mehrfeldmessung sei für Diafilme ungeeignet, denn oftmals würden Aufnahmen überbelichtet.
Deshalb sollten auch Anfänger unbedingt über eine Kamera mit (Möglichkeit zur) mittenbetonter Integralmessung verfügen.
Auch wenn die erste Aussage sicherlich eine leichte Übertreibung darstellt, möchte ich hier die Begründung nachliefern.
Alle Informationen stammen im wesentlichen aus Minolta-Fotokursen unter der Leitung von E. Bugdoll, aus diversen Büchern - und natürlich aus eigener Erfahrung.

1. Arbeitsweise der Mehrfeldmessung
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Die Wabenmehrfeldmessung ist eine computergestützte Methode zur Ermittlung der optimalen Zeit-/Blendenkombination. Je nach Hersteller und Baureihe ist die Funktionsweise stark unterschiedlich. Bei älteren Kameras wird mehr oder weniger einfach ein Mittelwert über die Segmente gebildet.

Bei modernen Kameras (ab der si-Baureihe) ist das jedoch ganz anders.
Zunächst wird die Gesamtlichtmenge und die Helligkeitsverteilung gemessen.
Dann wird die Gesamtsituation vom Kameracomputer analysiert und mit (fest) gespeicherten Motivsituationen verglichen. Anhand dieser Informationen greift die Automatik ein und korrigiert die Belichtungswerte selbsttätig und nicht an der Kamera erkennbar. Dies geschieht unter Berücksichtigung von Entfernungsinformationen, vom Autofocus geliefert werden.
So gelingen auch Bilder in schwierigen Lichtsituationen (Sonnenauf- und untergang, Circusbilder...) automatisch.
Außerdem ist sichergestellt, dass das vermeintliche Hauptobjekt (AF) korrekt belichtet ist.

Übrigens: wird der AF abgeschaltet, so arbeiten die meisten Minolta-Kameras bei aktivierter Mehrfeldmessung im Modus "mittenbetont integral". Selbst Kameras, bei denen sich normalerweise dieser Modus nicht einstellen läßt.

2. Diafilm kontra Negativfilm
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Weit über 95% aller Aufnahmen auf Film werden heute auf Negativfilm gemacht. Deshalb sind Kameras üblicher- und konsequenterweise auf dieses Filmmaterial konstruiert.

Negativfilm vermag einen wesentlich größeren Kontrastumfang abzubilden als Diafilm.
Um ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten, sollte man folglich so belichten, dass die Schatten (die dunklen Partien) im Bild Zeichnung haben.
Diafilm sollte genau andersherum belichtet werden, die hellsten Lichter im Bild sollten durchzeichnet sein. (Zeichnung haben = Strukturen erkennen lassen). Belichtet man einen Diafilm wie einen Negativfilm, so wirkt er meist zu hell - die hellen Bildelemente sind einfach nur flächiges Weiß.

Besonders deutlich und lästig ist dies bei Landschaftsaufnahmen, bei denen ein Teil der Landschaft im Schatten liegt.
Belichtet man dann Diafilm auf die Schatten, so sehen die Partien im Schatten auch gut aus - doch die Landschaftsteile in der Sonne sind zu hell, die Wolken sind nur als viel zu helle, unstrukturierte weiße Blöcke zu erkennen oder es erstrahlt sogar der ganze Himmel in hellgrau bis weiß.

3. Auswirkung der Eigenschaften von Negativfilm auf die Mehrfeldmessung
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Ganz einfach: im Zweifelsfall wird die Mehrfeldmessung immer auf die Schatten belichten.

Ein weiteres Beispiel:
Befindet sich eine Person im Bild im Gegenlicht, so wird diese dank AF als Hauptobjekt erkannt. Die Belichtungsmessung stellt nun darauf ein, dass die Person (Schatten) korrekt zu belichten ist, der Rest wird als unwichtig eingestuft. Ist die Blitzzündung erlaubt, so wird zunächst versucht den Kontrastunterschied durch einen Aufhellblitz auszugleichen. Ist dies nicht möglich, so wird auf Diafilm die Person korrekt abgebildet, doch das Umfeld ist gnadenlos überbelichtet. Negativfilm hingegen kann den Kontrastunterschied durch seinen höheren Kontrastumfang zumeist weitgehend schadlos abbilden.

Dieses Verhalten kann auch nicht vom Minoltaservice geändert werden. Leider. (Ja, ich habe angefragt.)

4. Mehrfeldmessung und Diafilm - Fazit
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Bei Verwendung von Diafilm sollte man nach Möglichkeit auf die Mehrfeldmessung verzichten, soweit das Umfeld es zuläßt.

Statt dessen sollte man auf Belichtungsmessmethoden zurückgreifen, die "reine", also nicht bereits interpretierte und möglicherweise korrigierte Ergebnisse liefern. Dies sind die mittenbetonten Messmethoden und die Spotmessung.

Wenn schnell ordentliche Ergebnisse gefragt sind, sollte man aber bedenkenlos auf die Mehrfeldmessung zurückgreifen.
Besser als es in der Hektik total zu vergurken, sind die Ergebnisse allemal.

Bei Negativfilm gibt es für Nicht-Selbstentwickler ohnehin nichts besseres.



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RE: Mehrfeldmessung kontra Diafilm

#2 von fr_wi_nietzsche ( gelöscht ) , 08.11.2003 19:54

Zitat von !wolf!
Weit über 95% aller Aufnahmen auf Film werden heute auf Negativfilm gemacht. Deshalb sind Kameras üblicher- und konsequenterweise auf dieses Filmmaterial konstruiert.


sooo sehr logisch scheint mir diese schlussfolgerung nicht zu sein.

ich weiss zwar nicht, woher du diese aussage mit den 95% hast, aber das hört sich für mich noch ganz plausibel an.
ich bin mir aber sicher, dass diese aussage für kameras der gehobenen klasse (dynax 7, 9 oder auch die teueren bodies von nikon, canon, usw) nicht mehr stimmt. ich schätze mal, dass mit diesen gehäusen zu mind 40%-50% auf dia fotografiert wird. daher bleibt zu klären, ob hier seitens der entwickler nicht rücksicht auf das andere filmmaterial genommen wurde.



fr_wi_nietzsche

RE: Mehrfeldmessung kontra Diafilm

#3 von !!wolf!! , 08.11.2003 21:05

Quelle: Stiftung Warentest und natürlich irgendwelche Internetseiten.
Die Angaben für Deutschland (test 2002) sind 87% Negativfilm und 7% Diafilm. Was der Rest war, ist nicht angegeben.
Weltweit liegen die zahlen anders. In den USA z.B. liegt der Diafilm bei ca. 1%. Selbst Profis fotografieren dort zumeist auf Negativfilmen.

Der Gesamtdurchschnitt weltweit liegt dadurch eben ungefähr bei 95% Negativfilmen.

Man darf auch nicht vergessen, dass Diafilme eigentlich nur bei uns so günstig sind. Im Ausland liegen die Preise zum Teil um ein vielfaches höher.
Kauf' mal einen Diafilm in UK oder USA, in Dänemark oder Norwegen...

Die von dir erwähnte Trennung (ab Modell x wird überwiegend Diafilm verwendet) ist für Deutschland sicher möglich, weltweit gesehen aber nicht.
Ich denke auch nicht, dass die Minolta-Modelle für Deutschland optimiert werden...

Zu Canon und Nikon kann ich natürlich keine Aussage machen.



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RE: Mehrfeldmessung kontra Diafilm

#4 von Krawallo ( gelöscht ) , 10.11.2003 14:07

Hi

ZITATIch denke auch nicht, dass die Minolta-Modelle für Deutschland optimiert werden...[/quote]

Würden sie aber nachträglich machen. Eine 700si habe ich seiner Zeit auf Kodak Elite 100 einstellen lassen. Das macht sich besonders bei Blitzaufnahmen positiv bemerkbar. In Summe bei Tageslicht sind die Ergebnisse knapper belichtet, aber meiner Empfindung nach Ausgewogener.

Gruß Ralf



Krawallo

RE: Mehrfeldmessung kontra Diafilm

#5 von steffens , 10.11.2003 17:52

Hmm, wie? Man kann seine Kamera einschicken und auf ein bestimmtes Material einstellen?!? Aber ich nehme ja nicht nur einen Film... was ist zB wenn ich krass gesagt, mit der Fuji Reihe fotografiere? Velvia, Sensia 100, Provia 400 ? Das sind doch komplett unterschidliche Filmeigenschaften? Und was kostet sowas?

Ein etwas verwirrter

Steffen.



 
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RE: Mehrfeldmessung kontra Diafilm

#6 von ebarwick , 10.11.2003 20:12

Hallo,

deinen längeren Ausführungen Mehrfeldmessung/Diafilm kann ich so zum Glück nicht zustimmen. Das wäre ja noch mal schöner, wenn wir für Diafilme vorrangig mittenbetont verwenden müssten...

Mit zwei 9xi's und einer 7 verwende ich fast nur Diafilme (Kodak und Fuji sowohl Consumer wie Professional) und die Belichtung per Mehrfeldmessung ist sehr genau. Falls das Ergebnis daneben lag, war die Ursache meist bei mir selbst zu suchen. Es gibt ja genug Belichtungssituationen, die vom mittleren Grauwert abweichen, das muss man dann aber selbst erkennen und entsprechend korrigieren.

Die alte 7000i hatte auch schon Mehrfeldmessung (mit weniger Waben) und die Ergebnisse sind auf Diafilm meist zu dunkel ausgefallen. Dass neuere Modelle auf gespeicherte Belichtungssituationen zugreifen können und diese dann zur Belichtung heranziehen, kenne ich absolut nur von Nikon - bei Minolta ist mir das neu (wo hast du das her?).
Im übrigen können auch zwei Gehäuse des gleichen Kameratyps in Nuancen unterschiedlich belichten, deshalb lassen Profis ihre Gehäuse kalibrieren. Schon bei der alten XE-1 habe ich damals Testreihen gemacht, um die Belichtung meinem Geschmack per Empfindlichkeitseinstellung nahe zu kommen. Das habe ich bis zur 9xi beibehalten, ab da war's nicht mehr nötig.

Wenn du Probleme mit deiner Kamera hast, dass du tatsächlich ständig zu helle Dias bekommst, würde ich auf jeden Fall den Belichtungsmesser von Minolta kalibrieren lassen - das ist garantiert besser als mit der "Mittenbetonung" auskommen zu müssen...

Grüße
Erhard



 
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RE: Mehrfeldmessung kontra Diafilm

#7 von mts , 10.11.2003 20:25

Zitat von !wolf!
Anhand dieser Informationen greift die Automatik ein und korrigiert die Belichtungswerte selbsttätig und nicht an der Kamera erkennbar.


Das ist so nicht richtig: Wenn bei der 700 si die Belichtungskorrekturtaste gedrückt wird, zeigt sie die Abweichung zwischen mittenbetonter Integralmessung und Mehrfeldmessung (also die von der Kamera vorgenommene Korrektur) an. Die 800 si informiert beim Drücken der AEL-Taste über die Abweichung zwischen der durch die Mehrfeldmessung ermittelten Belichtung und der Belichtung im Spotmesskreis. Die anderen Dynax sind mir gerade nicht so vertraut.



mts  
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RE: Mehrfeldmessung kontra Diafilm

#8 von ebarwick , 10.11.2003 23:26

Hallo,

ergänzend folgendes:

zu 1. deine Dynax 7 bleibt bei abgeschaltetem AF im gewählten Messmodus und berücksichtigt sogar weiterhin die Entfernungsmesswerte

zu 2. dass vorrangig Negativfilme verarbeitet werden, ist seit längerer Zeit so - allerdings nicht bei Fotografen, die anschließend mit ihrem Material in Redaktionen gehen...
National Geographic und GEO Leute verwenden hauptsächlich Diafilme.
Denn wenn du schon Negativ- und Diamaterial vergleichst, fehlen da einige Punkte.
Schärfe, Brillanz und Kontraste von Diafilmen sind bis heute unerreicht.
Hast du eigene Vorstellungen, wie deine Bilder belichtungsmäßig aussehen sollen oder willst du Belichtungsreihen machen, kannst du die beim Negativfilm vergessen - der Laborautomat egalisiert alles.
Diafilme verlangen genauere Belichtung, stimmt, aber mit einem Belichtungsspielraum von 5 - 6 EV sollte man doch hinkommen, oder?
Landschaftsaufnahmen, die du als Beispiel bringst, sind sogar eine Domäne des Diafilms, schau dir mal die Aufnahmen von Christian Heeb oder Reinhard Eisele an...
Die arbeiten natürlich mit Stativ und messen vorher den Kontrastumfang des Motivs - aber gerade letzteres macht die Mehrfeldmessung auch - an deiner Dynax kannst du dir das sogar auf dem Display anzeigen lassen...

zu 3. das Beispiel mit der Person im Gegenlicht sagt eigentlich alles:
Die Mehrfeldmessung wird AF gekoppelt deine besagte Person bevorzugen, erkennen, dass der Kontrastumfang zu hoch ist, den Blitz zuschalten und dabei automatisch den Hintergrund um 1 EV abdunkeln, um eine harmonische Gesamtbelichtung zu erreichen. Das funktioniert z. B. an der Dynax 7 ganz hervorragend - was also willst du mehr?
Du kannst natürlich den Blitz ausschalten und egal, ob mittenbetont, mit Spot oder Mehrfeldmessung wird immer dasselbe Ergebnis herauskommen - ist die Person korrekt belichtet, ist der Hintergrund in diesem speziellen Fall überbelichtet.
Das sollte der Fotograf aber einschätzen können und gegebenfalls vielleicht den Ausschnitt enger wählen oder den Standpunkt variieren...

Fakt ist: Mit Diafilmen habe ich die größtmögliche Kreativität beim analogen Fotografieren in der Hand, auch mit Mehrfeldmessung, und die gebe ich persönlich garantiert nicht für automatenbeeinflusste Negativfilme her...



 
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RE: Mehrfeldmessung kontra Diafilm

#9 von Krawallo ( gelöscht ) , 11.11.2003 07:39

Hi...

ZITATHmm, wie? Man kann seine Kamera einschicken und auf ein bestimmtes Material einstellen?!? Aber ich nehme ja nicht nur einen Film... was ist zB wenn ich krass gesagt, mit der Fuji Reihe fotografiere? Velvia, Sensia 100, Provia 400 ? Das sind doch komplett unterschidliche Filmeigenschaften? Und was kostet sowas?[/quote]

Gekostet hat es nichts, hatte die 1'te 700si noch zum Service geschickt zwecks Matscheibentausch. Wurde dann in einem eingestellt. Der Preis von 80 DM war für den Matscheibentausch. Ob es heute noch so läuft?

Gruß Ralf



Krawallo

RE: Mehrfeldmessung kontra Diafilm

#10 von Stefan68 , 27.04.2004 15:32

Zitat von !wolf!
Bei modernen Kameras (ab der si-Baureihe) ist das jedoch ganz anders.
Zunächst wird die Gesamtlichtmenge und die Helligkeitsverteilung gemessen.
Dann wird die Gesamtsituation vom Kameracomputer analysiert und mit (fest) gespeicherten Motivsituationen verglichen.


ich habe irgendwo mal gelesen (weiss nciht mehr wo), dass der Vergleich mit den in der Kamera gespeicherten Motiverten bei Nikon so gemacht wird. Bei Minolta (auch noch den neueren Modellen) soll hingegen der Abgleich auf Basis von Fuzzy-Logic-Regeln geschehen, was wesentlcih effizienter sei, da nicht so viele (dafür nach anderen Regeln) Informationen berücksichtigt werden.
Bei einigen Herstellrn also der Versuch, größtmögliche Übereinstimmung (auch das hier kann Fuzzy-Logic angewendet werden) an die gespeicherten Vorlagebilder zu finden, bei anderen (angeblich Minotla) also an Hand von (wenigen) Schwellenwerten.



 
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