RE: Die Minolta Still Video Back SB-70 in Bildern

#1 von matthiaspaul , 02.06.2009 01:35

Liebe Mitglieder,

viele Fotografen, die noch nicht so lange beim A-Bajonett-System sind, meinen, die 2004 vorgestellte Konica Minolta Dynax 7D wäre die erste digitale Spiegelreflexkamera in unserem System gewesen. Was die moderne Entwicklungslinie, die zu den aktuellen Sony Alpha-DSLRs geführt hat, angeht, stimmt das auch, aber wenn man es genau nimmt, gehörte die Dynax 7D zusammen mit der Dynax 5D bereits zur vierten "DSLR"-Generation bei Minolta. Minolta war sogar einer der frühen Pioniere der digitalen Fotografie (neben Sony), nur waren die Geräte damals so teuer, daß Privatpersonen sie sich kaum leisten konnten. Abgesehen davon war auch die Bildqualität im Vergleich zu Film extrem bescheiden. Deshalb blieben diese Lösungen Exoten, die sich abseits von Spezialanwendungen nie durchsetzen konnten. Die Generationsfolge im Einzelnen:

Erste A-Bajonett-SLR-Generation mit elektronischer Bildaufzeichnung (analog auf Floppy):
Minolta 9000 AF mit austauschbarer Still Video Back "SVB-90" (1986-1987) / SB-90 (1987-1990) / SB-90S (1988-1990) und optionalem Video-Floppy-Rekorder MS-R1000 / MS-R1000S)Minolta 7000 AF mit austauschbarer Still Video Back "SVB-70" (1986-1987) / SB-70 (1987-1990) / SB-70S (1988-1990) und optionalem Video-Floppy-Rekorder MS-R1000 / MS-R1000S)
Zweite A-Bajonett-SLR-"Generation" mit elektronischer Bildaufzeichnung (erste "echte" DSLR):
Minolta MS-C1100 (auf der Gehäusebasis der Minolta Dynax SPxi) mit separatem R-DAT-Rekorder MS-R1100 (1992) (siehe: http://www.mi-fo.de/forum/viewforum.php?f=99)
Dritte A-Bajonett-SLR-"Generation" mit elektronischer Bildaufzeichnung (zweite "echte" DSLR):
Minolta RD-175 / Agfa ActionCam (auf der Gehäusebasis der Minolta Dynax 500si Super) mit integriertem PCMCIA/ATA-Laufwerk und optionaler SCSI-Anbindung (1995)
Vierte A-Bajonett-SLR-Generation mit elektronischer Bildaufzeichnung (dritte "echte" DSLR-Generation):
Konica Minolta Dynax 7D / Maxxum 7D / Alpha-7 Digital (2004)Konica Minolta Dynax 5D / Maxxum 5D / Alpha-5 Digital / Alpha-Sweet D (2005)
Im folgenden soll es nun um die erste Generation gehen:

Die Aufzeichnung erfolgte bei der ersten Generation auf spezielle 2,0" große Video-Floppies MS-V50 ("VF", die vom Aussehen her entfernt an die bei PCs üblichen 3,5"-Disketten erinnerten. Die Rückwände besaßen dafür ein eingebautes Diskettenlaufwerk, das allerdings nur aufzeichnen konnte. Über einen Monitor o.ä. verfügten die Rückwände nicht. Für die Weiterverarbeitung mußte man auf einen separaten Still Video Recorder ausweichen, die Bilder konnten dann analog, aber eben immerhin elektronisch an einem Fernseher oder speziellen Monitor betrachtet werden. Es war auch möglich, die Bilder mit einem speziellen Farb-Thermosublimationsdrucker (color dye-transfer printer) auf Papier oder Folie auszudrucken (s.u.).

Die auswechselbaren Still Video Backs für die Minolta 9000AF und 7000AF sind so wenig bekannt, daß davon im Netz nur ganz wenige, zumeist winzige Fotos sowie ein paar Scans aus alten Minolta-Unterlagen existieren. In den normalen Prospekten der Kameras tauchen diese Spezialzubehörteile gar nicht erst auf.

Kaum jemand hat diese Rückwände je selbst gesehen. Ja, selbst über die Namen der Rückwände herrscht keine einheitliche Meinung; oft werden sie SB-90 / SB-70 oder SB-90S / SB-70S und manchmal auch "SVB-90" / "SVB-70" genannt. Nun, die Entwicklung dieser Rückwände vollzog sich über mehrere Jahre (und photokina-Messen - angefangen mit der photokina 1986), und es gab mehrere Entwicklungsstufen und Anpassungen für die jeweiligen Zielmärkte, die jeweils anders hießen. In der Literatur aus den Jahren 1986 bis Herbst 1987 (zum Teil aber auch noch Anfang 1988) habe ich nur die Nennung der Namen "SVB-90" bzw. "SVB-70" gefunden, und zwar sowohl in japanischen als auch in amerikanischen Schriften. Offensichtlich handelte es sich dabei aber nur um einen provisorischen Namen für die Prototypen, denn ich habe über all die Jahre nie ein Foto dieser Teile gefunden (geschweige denn, sie "live" gesehen), wo der Gerätenamen tatsächlich als "SVB-90" oder "SVB-70" auf dem Typenschild ausgewiesen worden wäre. Stattdessen stand dort immer SB-90 / SB-90S bzw. SB-70 / SB-70S auf dem Gehäuse, jeweils gefolgt von einem "VF"-Logo, selbst dann, wenn die Fotos z.T. noch mit "SVB-90" oder "SVB-70" untertitelt waren (aber das kann auch auf Unkenntnis der jeweiligen Webautoren zurückzuführen sein). Von der SB-90 / SB-90S bzw. SB-70 / SB-70S habe ich inzwischen schon hochauflösende Fotos gesehen (und einige Teile davon selbst in der Hand gehabt), die eindeutig genau so und nicht anders beschriftet waren. Es steht außer Zweifel, daß es alle vier Versionen wirklich gegeben hat.

Die SB-90 / SB-70 war laut Minolta Japan unter diesem Namen ab 1987-11 in offensichtlich zunächst nur kleinen Stückzahlen und ausschließlich in Japan erhältlich. Beide Varianten wogen 800g bei Abmessungen von 171x105x111mm für die SB-70 und 175x105x111mm für die SB-90, und sie kosteten laut Minolta Japan 198000 JPY. Siehe: http://replay.web.archive.org/200706080432.../1980/1987.html

Bei der SB-90S / SB-70S handelt es sich um grundsätzlich die gleiche Rückwand wie die SB-90 / SB-70, nur angepaßt an nordamerikanische Verhältnisse (Videoformat, Spannungsversorgung). Es gab eine amerikanische Presseankündigung vom 1988-02-03, in der die SB-90S / SB-70S vorgestellt wurde. Auf der photokina im Herbst 1988 wurden die Rückwände (offenbar bereits) unter den Namen SB-90(S) / SB-70(S) ausgestellt, Berichten zufolge soll kurz später die Serienproduktion angelaufen sein (was bedeuten würde, daß es vorher nur Einzelanfertigungen für den japanischen Markt gab). Vermutlich erfolgte auch erst zu diesem Zeitpunkt die Markteinführung in den USA. In einer US-eBay-Anzeige für die SB-70S wird ein Preisschild von 2915 USD in 1988-09 erwähnt, in einem alten amerikanischen Buch ist von der Einführung Ende 1988 die Rede, weiter unten in diesem Thread wird der Verkauf der SB-70S in den USA für einen Straßenpreis von 2500 USD in 1989-01 dokumentiert.

Die Rückwände unterstützten die jeweils landesabhängige US- oder Japan-Variante von NTSC; eine Version für das hierzulande übliche PAL-Format gab es nicht.

Im folgenden zur Illustration und Untermauerung des Gesagten zwei [erst später hier eingefügte] Scans von Ausdrucken alter Original-Fotos von der Webseite von Lionel Gérard Colbère und E. Elcet:

http://siecleinventionphoto.elcet.net/siec...al_gallery.html
ZITAT[...]
However, at the 1988 Photokina, many manufacturers presented functional prototypes. I shall present now some of their images which, some twenty years afterwards, represent a major milestone in the history of photography.

A common feature of this first generation of digital cameras is their recording medium: the 2" floppy diskette, for 25 (frame) or 50 (field) pictures. The latter one uses one track per image on the diskette and gives poorer results becauses there are less pixels per photo. The best quality is obtained in frame mode, with two tracks per image. Evidently today you cannot find devices that can read this medium. If you are interested in these first steps of digital photo, you can find infos on the excellent Digicamhistory site of R.L. Carter.

I gathered these prints because I was then assistant technical editor at Le Photographe magazine. I lost them during many years, which explains that I could not present them in the book "One century of photographic invention" ["Un siècle d'invention photographique"]. Now that I have found these precious prints again, I have scanned them carefully and I think that this unique historical document should interest you and make an interesting complement of the book. Because of lack of people that I could freely photograph during the show, I made pose Mr. Elcet who, after having been a friend, became my partner in graphic projects and now the webmaster of this site.[/quote]
[attachment=8058:l18.jpg]
http://siecleinventionphoto.elcet.net/gall...es/page_18.html
ZITATTo begin with digital photography, Minolta made the choice to add a CCD back, the SB-90S, to its top-level reflex camera, the 9000 autofocus SLR. And it was true that this back was produced industrially since November 1988. It found a real market in spite of the fact that it was incredibly expensive (2915$ without VAT) and had a crude definition of 380,000 pixels as this picture of the Brooklyn Bridge verifies (however the colors are very beautiful). It was so appreciated that Minolta found it difficult to sell it in the US, because all the production capacity was absorbed by the Japanese customers. A similar back named SB-70S was made for the Minolta 7000. Both recorded 25 or 50 pictures on the standard floppy diskette.[/quote]
[attachment=8059:l19.jpg]
http://siecleinventionphoto.elcet.net/gall...es/page_19.html
ZITATMinolta sponsored motor racing, and this Toyota proudly shows the colors of the Osaka company. It also verifies that the venerable CCD had some difficulties to follow such speed…[/quote]
Eine amerikanische Anzeige für das Minolta Still Video System aus dem Porters Camera-Katalog von 1989-01 bestätigt den oben erwähnten Listenpreis:
http://forums.dpreview.com/forums/readflat...mp;changemode=1
ZITATMinolta Still Video System

The Maxxum AF System enters the age of electronic imaging. The real strength of this exiting new system is that it's designed to be used with the current Maxxum 7000 body and lenses. The Minolta Still Video Back SB-70S can be easily installed in place of the standard back. The camera's autofocus and autoexposure continue to operate normally and most of the Maxxum lenses and accessories can be used.

Operation is surprisingly simple. A two-inch floppy disk fits into the video back, powered by a rechargeable NiCd battery pack, the system can record up to 25 electronic images on the disk in the high resolution "Frame" mode, or up to 50 images in the "Field" mode.

The electronic images recorded on the floppy disk can be played back on a television screen through a Minolta Still Video Recorder MS-R1000S. The MS-R1000S can also record still images from other video sources. A variety of input terminals are provided for connecting a range of sources. This unit can additionally be used to erase previously recorded discs, making them reusable. A remote control unit, provided, operates all the recording and playback functions.

So if you are ready to enter the age of electronic imaging, the new Minolta Still Video System is ready for you.

Save to 15%
19-0368 Minolta Still Video Back SB-70S for Maxxum 7000. Complete with focusing screen, rechargeable Ni-Cd Battery Pack with Charger and a Still Video Floppy Disc. List $2915.00 (SW 5-10) $2499.9519-0369 Minolta Still Video Recorder MS-R1000S with Remote. List $2000.00 (SW 7-4) $1714.9519-0370 Minolta 2" Still Video Floppy Disc MS-F50. (SW 0-10) $ 13.95 or $12.95 ea. for 5 or more.[/quote]
[attachment=6672orters8.jpg]
Der Still Video Recorder für die SB-90S / SB-70S hieß in den USA MS-R1000S. Die mir bekannten Exemplare des MS-R1000S waren für 120V/60Hz geeignet. Das japanische Gegenstück dazu hieß MS-R1000 und war für eine Netzspannung von 100V mit je nach Region 50Hz oder 60Hz ausgelegt - ob die Netzfrequenz am Gerät umschaltbar war oder ob es mit beiden Frequenzen zurechtkam, ist mir unbekannt. (Hierzulande gibt es inzwischen einheitlich 230V/50Hz, Ende der Achtziger Jahre jedoch je nach Land noch 220V bis 240V/50Hz - beide Geräte sind hier also nicht einsatzfähig.)
[attachment=9562:SB_70_SB...MS_R1000.jpg]

Auf der oben schon genannten japanischen Konica Minolta-Seite wird neben der SB-90 und SB-70 auch das Ladegerät AC-1000V, der Akkupack NP-70V und ein mir bislang noch unbekanntes spezielles Batteriefach namens EP-70V für die 7000 AF aufgeführt. Die dortige Darstellung könnte man so interpretieren, als ob das AC-1000V sowohl für das NP-90V als auch für das NP-70V geeignet wäre. In einer Yahoo-Diskussion wird ein EP-90V erwähnt, das 2004 auf eBay (http://cgi.ebay.de/search.dll?ViewItem&item=3823513630) gesichtet wurde und, ähnlich dem NP-90V unter die 9000 AF montiert wird.
Aus eigener Anschauung kenne ich bisher nur das für das japanische 100V AC-Netz ausgelegte Ladegerät AC-1000V für das NP-90V und von Fotos her das (bei Konica Minolta Japan nicht erwähnte) NC-1000VS für NP-90VS und NP-70VS. In schriftlichen Drittquellen wird das (bei Konica Minolta Japan ebenfalls nicht erwähnte) NC-1000V für das NP-70V erwähnt. Gesichert ist, daß das NC-1000VS für eine Netzspannung von 120V AC / 60Hz / 15W ausgelegt ist und dem Typenschild zufolge eine Ausgangsspannung von 9V DC / 700mA liefert. Außerdem findet sich dort der Hinweis, daß es ausschließlich zum Laden des NP-70VS und NP-90VS geeignet ist. Ob auch das AC-1000V und NC-1000V diese Ausgangsspannung liefern, vermag ich nicht zu sagen, aber wenn es dem so wäre, gäbe es eigentlich keinen Grund für den Warnhinweis auf dem Typenschild des NC-1000VS. Daß NP-70V und NP-90V bzw. NP-70VS und NP-90VS aufgrund der elektromechanischen Unterschiede der Rückwände / Kameras nicht austauschbar sind, ist offensichtlich, aber daß es auch zwischen NP-70V und NP-70VS bzw. NP-90V und NP-90VS unterschiedliche Anforderungen in Bezug auf das jeweilige Ladegerät gibt, finde ich nicht wirklich einleuchtend, muß es aber ohne nähere Informationen annehmen, denn auf dem NP-90V wird nur das AC-1000V als geeignetes Ladegerät ausgewiesen (d.h. keine Erwähnung von NC-1000VS oder NC-1000V). Im Analogieschluß erscheint es zumindest wahrscheinlich, daß sich auch NP-70V und NP-90V mit demselben Ladegerät (ebendiesem AC-1000V) laden lassen; falls diese Annahme falsch wäre, bliebe wohl nur, daß das AC-1000V für den NP-90V und das NC-1000V nur für den NP-70V gedacht wäre. Ob auch noch ein "AC-1000VS" existiert, ist offen; ich habe eine solche Bezeichnung noch nirgendwo konkret erwähnt gefunden.

Auf einer japanischen Seite habe ich nun in einem Blogartikel von "captaingratt" eine Reihe von Fotos der Minolta SB-70 für die Minolta 7000 AF gefunden, die die Rückwand in vernünftiger Bildqualität von allen Seiten zeigen. Ich denke, solche Bilder sind so rar und sicherlich für einige von "historischem Interesse", daß ich sie zu Dokumentationszwecken mal hier ins Forum ziehe:

http://purple.ap.teacup.com/gratt/58.html

Viele Grüße,

Matthias

PS. Sollte jemand eine SB-90 / SB-90S, SB-70 / SB-70S oder entsprechendes Zubehör zu veräußern haben, würde ich mich sehr über Angebote freuen. Ich würde diese Geräte gerne näher dokumentieren.


"All the important human advances that we know of since historical times began
have been due to individuals of whom the majority faced virulent public opposition."
--Bertrand Russell

http://www.mi-fo.de/forum/viewtopic.php?t=13448 (Minolta Forum Thread Index)

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matthiaspaul  
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RE: Die Minolta Still Video Back SB-70 in Bildern

#2 von stevemark , 02.06.2009 10:37

Besten Dank für die Infos - von der MS-C1100 wusste ich noch gar nichts. Wobei natürlich die Entscheidung, eine extrem teure (und deswegen nur professionell einsetzbare) DSLR auf Basis des damals allerbilligsten SLR-Gehäuses, der SPxi, anzubieten, Bände spricht.

Natürlich konnte Minolta so nicht ernst genommen werden.

Gr

Steve


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RE: Die Minolta Still Video Back SB-70 in Bildern

#3 von matthiaspaul , 03.06.2009 00:11

Noch ein paar verstreute Beobachtungen/Überlegungen/Ergänzungen:

- Auf Daumenhöhe gibt es an der Rückwand offenbar drei kleine runde Tasten. Bei den beiden auf der Oberseite angeordneten Tasten handelt es sich um Pfeiltasten (in gleicher Anordnung wie die Pfeiltasten für die Einstellung der Verschlußzeit an der Kamera), möglicherweise werden diese Bedienelemente hier einfach auf die Rückwand verlagert. Zumindest beim 100-Bilder-Magazin EB-90 und der Program Back Super 90 ist es so, daß die Rückwand die Kontrolle über die Kamera übernehmen kann (auch Zeit- und Blendeneinstellung), daß in diesem Modus aber die entsprechenden Plus-/Minus-Tasten an der Kamera selbst deaktiviert werden - leider). Vielleicht verhält es sich bei diesen beiden Tasten genauso. Dann wären sie jedenfalls für die Einstellung der Verschlußzeit gedacht.
Die untere dieser drei Tasten ist aber eine federnd gelagerte, rein mechanische Verlängerung der AEL-Taste und drückt auf der Innenseite der Rückwand auf die AEL-Taste der Kamera. Diese mechanische Verlängerung der AEL-Taste ist so ganz ähnlich auch von Langfilmmagazin Minolta EB-90 her bekannt.

- Auch an der linken Gehäuserückseite befinden sich drei Tasten: "MODE" und zwei weitere Pfeiltasten, unter denen "MAN F.NO" steht. Sollte meine Annahme stimmen, daß die beiden rechts oben angeordneten Pfeiltasten als Ersatz für die deaktivierten Pfeiltasten der Kamera dienen, dann dürften diese beiden Tasten die Einstellung der Blende erlauben. Möglicherweise kann man mit der MODE-Taste zwischen dieser Funktion und der Steuerung der restlichen Rückwandfunktionen umschalten. EDIT: Vermutlich kann man mit "MODE" zwischen dem "Frame" und dem "Field" Modus umschalten.

- Weiter erkennt man, daß die Rückwand über eine Möglichkeit zum Weißabgleich verfügt ("W.B."= White Balance), und daß eine Echtzeituhr eingebaut ist (vier versenkte Tasten: "Y", "M", "D" sowie eine unbeschriftete Taste).

- Neben der "W.B."-Taste befindet sich auch noch eine "R.M."-Taste. Möglicherweise steht dies für Remote? Eine weitere kleine versenkte Taste ist unbeschriftet (Reset? Formatieren?)

- Auf einem der Fotos der Rückwand kann man an der Position, wo normalerweise ein Film liegen würde, ein Blechstück sehen, das offenbar auf die DX-Kontakte der Kamera gedrückt wird. Sowohl die Minolta 7000 AF als auch die Minolta 9000 AF besitzen nur die Kontaktreihe mit den sechs DX-Kontakten für die Einstellung der ISO-Empfindlichkeit. Wenn ich das richtig dekodiert habe, stellt die Rückwand die Kamera also auf ISO 160/23°DIN ein (irgendwo im Netz habe ich allerdings etwas von ISO 200/24°DIN gelesen).

- Oberhalb dieses Blechstücks befindet sich eine runde Aussparung in der Rückwand, über deren Funktion ich nur spekulieren kann, da die Kamera an dieser Stelle keine Bedienelemente besitzt. Möglicherweise ein Lichtsensor für die Messung der Farbtemperatur (Weißabgleich) oder für eine automatische Display-Beleuchtung? Vielleicht auch ein Sensor für Blitzbelichtungen? (Zumindest die spätere RD-175 besitzt an dieser Stelle einen Sensor für den Weißabgleich.)

- Der Sucher wird einfach über eine Relay-Optik weiter nach hinten verlängert. Das Bildfeld wird dabei gegenüber dem Kleinbildformat nicht eingeschränkt. Das grundsätzliche Konstruktionsprinzip ist so auch vom EB-90 her bekannt. Da das nutzbare Bildfeld der Rückwand aber mit einem Crop 2x behaftet ist, wäre es ohne spezielle Markierungen/Maskierungen im Sucher schwierig, den richtigen Ausschnitt zu finden. Dafür bot Minolta spezielle Einstellscheiben namens 90V (8231-510) (für die Minolta 9000 AF) und 70V (8231-610) (für die Minolta 7000AF) an, die man anstelle der Standardmattscheibe in die Kamera einbauen konnte, und die den effektiven Bildausschnitt mit einem Rechteck markieren. Siehe auch: http://www.mi-fo.de/forum/index.php?showto...ost&p=82850 und http://www.mi-fo.de/forum/index.php?showto...ost&p=91687

- Der Schieber auf der linken Oberseite der Rückwand und/oder der weiße Taster(?) auf der linken Vorderseite müssen wohl zwei Funktionen dienen, dem Öffnen des Klappfachs des seitlichen Diskettenlaufwerks und dem Entriegeln der Rückwand, damit man die Rückwand wieder von der Kamera entfernen kann. (Letzteres wäre bei der Minolta 9000 AF nicht notwendig, aber auch die SB-90 / SB-90S besitzt beide Bedienelemente.)

- Wozu der runde "Knubbel" neben dem Eingangsloch für die Relay-Optik dient, ist nicht bekannt - möglicherweise verfügt die Rückwand über eine eigene Belichtungsmessung. Von den normalen Rückwanden Program Back Super 90 und Program Back Super 70 ist bekannt, daß diese die Kontrolle über Zeit- und Blendeneinstellung der Kamera übernehmen können - das ist wohl auch bei den Still Video Backs der Fall.

- Die beiden in einer Linie angeordneten Kontaktleisten auf der Innenseite der Rückwände SB-70 / SB-70S führen (von rechts nach links auf der Abbildung) die Signale "D1" (Kamerasysteme aktivieren), "D4" (Masse); "D5" (serieller Takt), "D6" (serielle Daten von Rückwand zur Kamera), "D7" (unbekannte Funktion), "D8" (serielle Daten von Kamera zur Rückwand), "D9" (unbekannte Funktion), siehe auch: http://www.mi-fo.de/forum/index.php?showto...ost&p=74577.
Bei der SB-90S gibt es (links von "D1" in Bezug auf die Abbildung der SB-70) noch einen Kontakt "D0" (counter switch 1) mehr. (Vermutlich gilt das auch für die SB-90, dies ist aber noch ungesichert.)

- Die Rückwände SB-70 / SB-70S verfügen auf der Innenseite unten über ein Kontaktfeld mit 2x3 Kontakten, das beim Schließen der Rückwand mit dem jeweiligen Akkuteil NP-70V bzw. NP-70VS kontaktiert, welches (ähnlich einem Winder) unter die Kamera geschraubt wird. Zur Erhöhung der mechanischen Stabilität der Verbindung versenkt sich dabei unterhalb des Kontaktblocks eine Führungsnase in eine entsprechende Nut am NP-70V / NP-70VS.
Analog dazu gibt es für die Minolta 9000 AF mit SB-90 das spezielles Energieteil NP-90V (http://page5.auctions.yahoo.co.jp/jp/auction/e95881480), das direkt unter die Kamera geschraubt wird und dann beim Zuklappen mit den 2x3 Kontakten des Sechserkontaktblocks am Akkuteil kontaktiert.

- Vom diesem seitlichen 2x3 Kontaktblock abgesehen verfügen die beiden Akkuteile NP-70V und NP-70VS über je vier Kontakte an der Ober- und Unterseite. Der Boden der 7000 AF besitzt nur Kontakte für Masse ("F0" und die Blitzsignale "F1" bis "F3" zum Anschluß des Control Grip CG-1000. Diese vier Signale liegen übrigens auch an den Rückwandkontakten der Kamera an, siehe hier: http://www.mi-fo.de/forum/index.php?showto...ost&p=74577. Wahrscheinlich werden diese vier Signale beim NP-70V bzw. NP-70VS einfach nur an die Unterseite weitergeleitet, so daß auch mit montiertem NP-70V bzw. NP-70VS eine Montage der Blitzschiene BR-1000 für den CG-1000 möglich bleibt. (Es wäre aber auch denkbar, daß die Signale nicht 1:1 durchgeschleift, sondern durch zusätzliche Elektronik im Akkuteil geleitet werden, denn zumindest beim NP-90V wird ein Signal offenbar nicht direkt durchgeschleift (s.u.).)
Die Minolta 9000 AF verfügt im Gegensatz zur 7000 AF über keinen eingebauten Filmtransportmotor, weist aber nicht nur vier Kontakte sondern 2x5 Bodenkontakte auf. Da der NP-90V nicht nur diese zehn Kontakte an seiner Unterseite repliziert, sondern auch die Welle für den Filmtransportmotor durchreicht, läßt sich der Motor MD-90 (nebst seinem eigenen Energiepack NP-90M oder BP-90M) genauso unter den NP-90V montieren, als würde er direkt unter die Kamera geschraubt. Lediglich die Kupplungselemente des MD-90 für die Rückspulung eines Films gehen beim NP-90V, das an den entsprechenden Stellen über Aussparungen im Gehäuse verfügt, ins Leere. Im Anhang findet sich ein Bild, das diese Kombination aus SB-90 mit NP-90V, MD-90 und NP-90M zeigt. Auf die gleiche Weise läßt sich natürlich auch der Auto Winder AW-90 unter den NP-90V schrauben; ich habe das allerdings noch nirgendwo explizit dokumentiert gefunden. Und vermutlich kann die Minolta 9000 AF mit Rückwand und NP-90V auch nach wie vor komplett ohne Motor arbeiten.
(Nebenbei: Nun wird auch klar, was das "M" beim NP-90M und BP-90M bedeutet: "Motor" - im Gegensatz zu "Video" beim NP-90V / NP-90VS und NP-70V / NP-70VS.)
Im Rahmen des 2x5 Kontaktblocks werden auch Masse und die Blitzsignale "F1" bis "F3" für BR-1000 / CG-1000 durchgereicht.
So wie es aussieht, ließen sich auch mehrere NP-90V kaskadieren, wobei allerdings nur der oberste die Stromversorgung des SB-90 übernehmen würde - für den Fall, daß jemand eine Art Griffverlängerung benötigt oder nicht weiß, wo der Ersatzakkupacks verstauen soll... ;->
Bei der SB-90S mit NP-90VS dürfte sich das genauso verhalten, ist aber noch unbestätigt.

- Die vier rückseitigen Kontakte des Motor MD-90 zur Versorgung einer EB-90 aus dem Motor heraus liegen an einer anderen Stelle als die 2x3 Kontakte des NP-90V, die der Versorgung der SB-90 dienen. Es ist also nicht möglich, eine EB-90 in Verbindung mit dem NP-90V zu betreiben. Erwähnenswert ist, daß sich genau an der Stelle, an der die vier rückseitigen Kontakte des MD-90 liegen, auf der Unterseite des NP-90V eine ca. anderthalb Zentimeter breite, einen Zentimeter tiefe und einen Millimeter flache Gehäuseabflachung befindet. (Meine Vermutung ging dahin, daß es hier bei der Rückwand eine zusätzliche Platte gibt, die bei beim Zuklappen der Rückwand dort zu liegen kommt und durch Anschrauben des MD-90 fixiert wird, aber zumindest die SB-90S weist sowas nicht auf - und von der SB-90 habe ich noch kein Foto des entsprechenden Bereichs gesehen.)

- Auf dem Typenschild des NP-90V steht sinngemäß (ausschließlich) in japanischer Sprache "Charge only by Minolta AC adapter / charger AC-1000V" und "Do not dispose of in fire, short circuit or disassemble." Zum Vergleich: Auf dem NP-90M steht in englischer (und japanischer) Sprache "Charge only by Minolta Ni-Cd charger NC-90M" und "Do not dispose of in fire, short circuit or disassemble". Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, AC-1000V und NC-90M sind nicht austauschbar, auch wenn die Anschlüsse sehr ähnlich sind! Die genauen Spannungswerte für AC-1000V und NP-90V sind mir zwar nicht bekannt, aber die Tatsache, daß sich im Innern des NP-90V sechs Nickel-Cadmium-Industrie-2/3-Rundzellen mit ca. 28mm Höhe und 17mm Durchmesser mit einer Nominalspannung von je 1,2V (für 7,2V) befinden, zeigt klar, daß an die Ladebuchse des NP-90V keinesfalls das Ladegerät NC-90M für den NP-90M angeschlossen werden darf; letzteres Akkupack enthält nämlich 13 Zellen á 1,2V (für 15,6V), würde also eine erhebliche Überspannung an den NP-90V anlegen! Über die im NP-90V integrierte Elektronik dürfte u.a. eine Ladeschaltung realisiert sein (das AC-1000V hat vermutlich weniger Ladegerät- und mehr Netzgerätfunktion), allerdings erfüllt die Elektronik im NP-90V auch noch andere (unbekannte) Aufgaben, kontaktiert sie doch mit sechs der Signale, die zwischen den zehn Kontakten auf der Ober- und Unterseite des NP-90V geführt werden, was für eine reine Ladeschaltung alleine nicht notwendig wäre. Weiterhin ist interessant, daß von diesen zehn Signalen nur neun 1:1 durchgereicht werden; ein Signal ("W3"? oder "W8"?) jedoch unterbrochen ist und stattdessen an einen der Kontake des 2x3er-Kontaktblocks an der Rückseite des NP-90V geführt wird.
Zum Vergleich verweise ich in diesem Zusammenhang auch noch mal auf einen Absatz weiter oben: Dort wird das NC-1000VS beschrieben, das laut Typenschild nur für die Akkupacks NP-90VS und NP-70VS verwendet werden kann (demnach also nicht für NP-90V und NP-70V) und das laut Typenschild eine Ausgangsspannung von 9V DC / 700mA liefert. Ungeklärt ist, ob auch das NP-70V mit dem AC-1000V geladen werden kann, oder gar nur mit dem NC-1000V. Das würde bedeuten, daß NP-70V und NP-70VS bzw. NP-90V und NP-90VS nicht untereinander austauschbar sind. Hier besteht noch Klärungsbedarf.

Viele Grüße,

Matthias


"All the important human advances that we know of since historical times began
have been due to individuals of whom the majority faced virulent public opposition."
--Bertrand Russell

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RE: Die Minolta Still Video Back SB-70 in Bildern

#4 von matthiaspaul , 03.06.2009 01:07

Sicherlich in diesem Zusammenhang auch interessant, daß Chinon damals kurz nach Minolta eine Still Video Back für die CP-9AF ankündigte, deren Spezifikationen zumindest den bisher bekannten Daten zur Minolta SB-70/SB-90 erstaunlich ähnlich waren:

http://www.butkus.org/chinon/chinon/cp9-af.../cp-9-extra.htm
ZITATNow for the interchangeable electronic still imaging back, which changes the camera from a 35mm auto focus SLR using regular silver-halide film into an auto focusing electronic still camera.
The back has a -inch CCD image sensor with 380,000-pixel resolution. which captures 50 field-frame video pictures on a standard 2-inch video disk.

Shutter speeds range from 1/8 to 1/2,000 second with an effective maximum aperture of f/4. The CCDs sensitivity is equal to an ISO film speed of 160

The back offers single or continuous picture taking at 3 frames per second, automatic and manual white balance, and data recording. A 6-volt 2CR5 lithium battery supplies the power

The viewfinder uses an optical relay with 2X magnification and 90-percent frame coverage.[/quote]
Diese Rückwand ist allerdings nie erschienen...

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Matthias


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