RE: Farbmanagement

#1 von Wetterman-Andi ( gelöscht ) , 26.11.2004 22:42

Hallo, beschäftige mich gerade mit dem Thema Farbmanagement, nachdem ich mir einen Dimage Scan Dual III zugelegt habe. Bin eigentlich sehr zufrieden mit dem Ding, habe aber natürlich den Anfängerfehler gemacht, daß ich mir keinerlei Gedanken übers Farbmanagement gemacht habe...

So wie ich Farbmanagement bzw. Farbräume und Profile bis jetzt verstanden habe funktioniert dass so:

Eine bestimmte analoge Wellenlänge wird digital interpretiert, heraus kommt ein bestimmter RGB-Wert, der eine Farbe repräsentieren soll. Klar ist mir auch, daß Farben etwas sehr subjektives sind, was bei uns im Kopf entsteht und eigentlich auch Interpretationssache sind...

Mein Diascanner produziert also für jedes Pixel einen RGB-Wert. Das Gerät sieht die Farben natürlich anders als der Mensch und es entstehen prinzipiell Unterschiede zwischen Original und Abtastung. Diese Unterschiede lassen sich vom Hersteller messen und er hat immerhin 2 Farbprofile beigelegt.

Ziel muß es sein, mit der Ausgabe auf einem beliebigen Medium wieder möglichst nahe ans Original zu kommen. Auch klar. Mein Scanner teilt also per Transformationstabelle anderen Komponenten mit, wie er die Farben interpretiert.

Wenn ich das Ganze jetzt auf einem Monitor betrachte, schaue ich mit einem ziemlich schlechten Medium auf diesen Zwischenschritt. Dazu brauche ich ein Monitorprofil...

Dieses interpretiert den gespeicherten Farbwert mit seinem eigenen Profil und wandelt die Daten per Grafikkarte so um, daß sie wieder halbwegs richtig rauskommen. Ich verstehe auch, daß der Farbraum eines Monitors bescheidener ist und deswegen vor allem in den Randbereichen dieses Raums verfälschte Daten entstehen müssen.

In Photoshop stellt sich das Ganze so dar, daß PS den Farbraum des Betriebssystems mit seinen eigenen Einstellungen überschreibt. Und ich habe die Möglichkeit, einen Arbeitsfarbraum zu definieren, falls eine Bilddatei nicht ein eigenes Profil mitbringt. Dieser Arbeitsfarbraum dient somit dem Lesen und Interpretieren der Quelldaten und mit dem Monitorprofil werden mir diese Daten am Bildschirm angezeigt. Liege ich noch richtig?

Dann habe ich noch die Möglichkeit, einer Bilddatei ein Profil zuzuweisen, damit eine andere Software, beispielsweise Druckertreiber (evtl.) weiß, wie es die gespeicherten RGB-Werte zu interpretieren hat, ohne diese zu verändern.

Eine zweite Option erlaubt mir scheinbar, echte Konvertierungen der Daten vorzunehmen. So wie ich es verstanden habe, werden die RGB-Werte dann so geändert, wie wenn ein Profil im Hintergrund liegt. Dadurch kann ich wohl Programmen wie bspw. IrfanView ein Profil "vorgaukeln", wenn es mit den integrierten Profilen nix anfangen kann...

Was ich jetzt nicht weiß ist folgendes: Welche RGB-Werte spuckt mein Diascanner aus, wenn ich in der Minolta-Software keine Farbanpassung bzw. keinen Farbraum wähle? Sind das dann Rohdaten, so wie sie der Scanner interpretiert oder impft das Ding sein eigenes Profil bereits in die RGB-Daten ein?

Und was passiert, wenn ich in der Software einen Farbraum angebe, beispielsweise Adobe-RGB?

Ein Test ergab, daß die RGB-Werte beider Varianten deutlich unterschiedlich ausfallen, beide Bilder keine Tags besitzen die von PS gelesen werden und damit auch völlig unterschiedlich aussehen...

Mein Gedanke ist, daß bei "Farbanpassung ein" eine Konvertierung vom Scannerfarbraum in den Zielfarbraum durchgeführt wird, also das Pendant zur Photoshop-Funktion.

Normalerweise müßte sich diese Transformation mit PS ja auch wieder rückgängig machen lassen, oder?

Nur wie? Ich habe keinen Weg gefunden, das angepaßte Bild auch nur annähernd in die Nähe des nicht angepaßten Bildes zu bekommen. Wo liegt der Haken? Klar geht evtl. Bildinformation beim Konvertieren verloren, aber wenn ich mit 16-bit Farbtiefe pro Kanal scanne, sollte eigentlich einigermaßen Potential in den Daten stecken...

Was ich auch nicht verstehe: Was ist der Unterschied zwischen Farbraum und Farbprofil? Gibt es da überhaupt einen? Oder meint das eine die Quelle und das andere das Ziel (Ausgabemedium)? Ich drehe mich im Kreis...

Und warum geht man davon aus, daß durch engere Farbräume die sRGB Daten "verlorengehen", wenn doch durch ein Profil in den Daten gar nichts geändert wird, diese nur anders interpretiert werden?

Kann mir jemand meinen Denkfehler aufdecken und kurz und präzise erläutern?

Meine Angst ist nämlich, daß ich bisher beim Scannen alles falsch gemacht habe und nie mehr in die Nähe meiner Originaldias komme, selbst wenn ich sie zum Drucken gebe...

Danke, falls jemand bis hierher durchgehalten hat ;-)

Gruß,

Andreas



Wetterman-Andi

RE: Farbmanagement

#2 von mdopp ( gelöscht ) , 26.11.2004 22:57

Wenn Du wirklich kompetente Auskunft suchst empfehle ich das aktuelle Sonderheft der c't ""Digital Fotografie". Kann man auch bei http://www.heise.de ohne Extra-Versandkosten bestellen. Enthält seitenweise Hinweise, Erklärungen und auch Software zum Thema.
Grüße
Martin



mdopp

RE: Farbmanagement

#3 von Wetterman-Andi ( gelöscht ) , 26.11.2004 23:19

Das Heft habe ich hier vor mir liegen. Hab's mir extra deshalb gekauft und krieg die Theorie aber nicht ganz in meine Praxis übersetzt...

Deshalb der Versuch hier...

Aber trotzdem Danke für den Tip, die Erklärungen darin haben mich ein paar Schritte weitergebracht bzw. wachgerüttelt.

Andreas



Wetterman-Andi

RE: Farbmanagement

#4 von hahe , 27.11.2004 10:30

Wenn man unsicher bezüglich des Farbmanagements ist, dann sollte man lieber die Finger davon lassen und ohne Profile arbeiten.
Farbmanagement ist eine ziemlich komplizierte Sache. Zur Erstellung der Profile für Scanner, Monitor, Drucker usw. benötigt man eigentlich recht aufwändige Meßtechnik. Fertige Profile, die mit Geräten mitgeliefert werden, sind nur grobe Annäherungen, da jedes Gerät unterschiedliche Werte hat (v.a. Monitore).
Wenn man mit Photoshop arbeitet, dann kann man den Monitor grob mit dem mitgelieferten Adobe Gamma kalibrieren. Dieses Profil muss dann im RGB-Arbeitsfarbraum verwendet werden. Ich habe aber ansonsten das Farbmanagement im Photoshop ausgeschaltet.



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RE: Farbmanagement

#5 von WinSoft , 27.11.2004 12:41

Wie hahe schon richtig bemerkt, ist Farbmanagement eine sehr komplexe Angelegenheit. Das Farbmanagement dient dazu, im gesamten "Workflow" über alle beteiligten Geräte eine konsistente Farbwiedergabe zu erhalten. Das gelingt nur mit exakt passenden ICC-Profilen für JEDES Gerät.

Wer auf höchste Farbtreue über seine Gerätschaften Wert legt, kommt um eine saubere Profilierung seiner Gerätschaften mit recht teuren Hardware-Tools nicht herum. Wer die Kosten nicht scheut und sich der (ziemlich großen! Mühe unterzieht, wird mit farbkonsistenten Ergebnissen belohnt!

Was heißt das?

1) Das erste und wichtigste Glied ist der Monitor! Denn auf ihm fußen alle Bildbetrachtungen und -bearbeitungen. Wer es hier professionell mag, dem empfehle ich den neue ColorVision Spyder2 in der Version PRO Studio (http://www.arktis.de/detail_hardware.php...1829&partnerid=). Mit diesem Colorimeter und der zugehörigen Software können Sie Ihren Röhren- oder Flachbildschirm relatriv schnell und optimal kalibrieren und profilieren.

2) Das nächstwichtige Gerät dürfte der Drucker sein. Auch bei ihm kommt man um ein Handspektrometer nicht herum, will man sich unendlich viele und kostspieligste Versuche mit Tinten und Papier sparen! Ich kann davon ein Liedchen singen, bis mir nur noch Motten aus dem Geldbeutel kamen... /smile.gif" style="vertical-align:middle" emoid="" border="0" alt="smile.gif" /> Erst mit dem PatchReader von ColorVision (http://www.arktis.de/detail_hardware.php...1829&partnerid=) habe ich für meinen Drucker (Epson Stylus Photo 2100) endlich ein ICC-Profil für diverse Papiersorten erhalten, welches eine exakte Übereinstimmung der Farben mit dem Originalobjekt bringt. Das ist besonders wichtig bei kritischen Textilfarben, die mit der Vorlage absolut übereinstimmen sollen!

3) Als Nächstes wären Flachbett- und Filmscanner zu nennen. Die Profilierung dieser Geräte geschieht weitgehend visuell über mitgelieferte Testausdrucke bzw. Testdias. Fotowand.de z.B. liefert hierzu Material.

4) Bei allen Kalibrierungen muss das Adobe Gamma deaktiviert sein (siehe Startprogramme - Autostart!.

5) "Unterschied zwischen Farbraum und Farbprofil": Farbraum ist der Gesamtumfang aller durch das Gerät darstellbaren Farben. Dieser Farbraum (z.B. sRGB) kann kleiner sein als der des Ausgabegerätes. Das heißt, es fehlen Farben! Farbprofil ist dagegen die für das Gerät typische Farbcharakteristik (Geräteprofil). Diese Charakteristik wird im ICC-Profil dargestellt und kann vom Farbmanagement zur Erzeugung konsistenter Farben verwendet werden.



 
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RE: Farbmanagement

#6 von Wetterman-Andi ( gelöscht ) , 30.11.2004 19:55

Danke für Eure Antworten, ich bin jetzt wieder ein paar Schritte weiter, aber noch nicht zufrieden...

Ich formuliere meine Frage ein wenig präziser:

Welchen Farbraum liefert mir die Minolta-Software, die mit meinem Dimage Scan Dual III zusammenarbeitet, wenn ich KEINE Farbanpassung verwende? Und wie kann ich diese Scans in einen sinnvollen Farbraum transfomieren?

Ich habe nun mehrere Testscans gemacht, jeweils mit Farbanpassung und Ausgabe in einen anderen Farbraum, die Scans sehen logischerweise alle sehr unterschiedlich aus. Welcher Farbraum ist sinnvoll, wenn ich den Scanner zur Archivierung einsetzen und Scans zur Entwicklung abgeben will? Ich will keine perfekte, aber doch eine hochwertige Lösung.

Normalerweise müßte ich doch zwischen den einzelnen Farbräumen transformieren können (das dabei leichte Verluste auftreten ist mir klar).

Das Problem ist nämlich, daß ich schon etliche 100 Dias ohne diese Option gescannt habe und nun endlich eine einheitliche Linie finden will, aber mit der bisherigen Variante ganz und gar nicht zufrieden bin...

Habe schon mehrere Transformationen ausprobiert, aber das Problem ist natürlich, daß Photoshop immer einen Quellfarbraum voraussetzt und der ist mir nicht bekannt.

Was müßte ich beispielsweise tun, wenn ich im Adobe-RGB scanne und arbeite, die Bilder aber dennoch am Bildschirm sinnvoll anzeigen lassen will?

Danke!



Wetterman-Andi

RE: Farbmanagement

#7 von Mark , 30.11.2004 20:11

Wie WinSoft schon schrieb, als erste und wichtigste Komponente ist es notwendig den Monitor zu kalibrieren, damit sichtbar ist was der Computer interpretiert. Das kannst du über Spyder2 machen, aber für den Hausgebrauch reicht auch das ICC-Profil des Monitors.

Zu den Farbräumen, wichtig ist es hierbei zu beachten wofür das Endprodukt deiner Arbeit bestimmt ist. Die Frabräume stellen nur eine digitale Interpretation der analog existierenden Lichtfrequenzen dar. Die Farbräume sind unterschiedlich groß und auf ihren Verwendungszweck abgestimmt. So hat sich im DTP Bereich "AdobeRGB 1998" durchgesetzt. Für den Druck hingegen CMYK. Beide Frabräume überschneiden sich zwar, haben aber auch dargestellte Bereich die nur in jeweils einem der beiden Farbräume existieren oder eben auch in beiden (indizierte Farben). Die Farben die in jedem Falle darstellbar sind (die Lichtfrequenzen, oder die Mischung daraus, die von allen Bereichen darstellbar ist) lassen sich auch in PS anzeigen. Hier ist es auch möglich zu definieren welche Farbräume und Bereich in den Index aufgenommen werden.

Für eine rein digitale Verwendung würde ich dir zur Einbettung von AdobeRGB raten, es ist der größte und flexibelste RGB Farbraum.

Der Scanner arbeitet IMHO antiv mit RGB, problematisch in der Anzeige kann sein das natürlich dein System nicht auf diesen Farbraum justuert ist und die Farben missinterpretiert werden. Du müsstest diese Bilder in PS in AdobeRGB konvertieren können, denn PS geht bei Bilder ohne eingebettetes Profil von Standard RGB aus.

Mark



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RE: Farbmanagement

#8 von Wetterman-Andi ( gelöscht ) , 30.11.2004 22:10

Danke für die prompte Antwort!

Bei meinen Tests kam folgendes Ergebnis heraus:

Scan ohne Farbanpassung: Anzeige mit deutlichem Farbstich

Scan in sRGB: Anzeige am Monitor ziemlich nahe am Dia

Scan in Adobe-RGB: Anzeige in Photoshop mit gleichem Farbraum zwar ausgewogen, aber gegenüber der sRGB-Variante größere Abweichungen zum Original.

Sämtliche Tiffs besitzen kein Farbraum-Tag. Das ist schon mal ziemlich bescheiden. Die Unterschiede wirken sich direkt auf die RGB-Werte aus.

Immerhin habe ich es jetzt mal geschafft, das Adobe-RGB-Bild per PS-Konvertierung auf die gleichen RGB-Werte zu bekommen wie das sRGB-Bild. Muß jetzt nur noch herausfinden, welches der Farbraum für das Bild ohne Anpassung ist...

Dachte eigentlich, daß ich dafür das mitgelieferte Scannerprofil verwenden kann. Scheint aber nicht zu passen.

Naja, habe viel gelernt in dieser Woche. Danke für Eure Hilfe!



Wetterman-Andi

RE: Farbmanagement

#9 von meera37 ( gelöscht ) , 10.06.2005 07:45

Ich habe mal einen 'alten' Thread über das Farbmanagement wieder ausgegraben, weil mir (als Laien) einige Dinge im Zusammenhang mit Frabprofilen (noch) nicht ganz klar sind.

'Abgenervt' durch 'Zufallsergebnisse' beim Ausbelichten von Diascans und Digi-Fotos habe ich mich mittlerweile etwas eingehender mit dem 'Workflow' in PS auseinandergesetzt (u.a. mittels 'Farbmanagement für Fotografen' v. Tim Grey). Nachdem ich mir jetzt einen 'ordentlichen' Monitor (Eizo Flexscan L768) zugelegt und diesen (mit Spyder2) kalibriert und profiliert habe, sieht die digitale 'Welt' schon mal ganz anders (besser;-) aus.

Den Empfehlungen von Tim Grey entsprechend, betreibe ich die Dynax 7D im Farbraum Adobe RGB und habe dies auch in PS als Arbeitsfarbraum eingerichtet. So weit, so gut. Jetzt beginnt (für mich) das Problem :
Wenn ich es recht verstanden habe, muß ich vor dem endgültigen Speichern (zur Ausbelichtung) das Profil des Belichters (FF Frontier Print sRGB, Fujifilm Ver.1.0) zuweisen und siehe da : plötzlich sieht alles ganz anders (grüner) aus, fast genauso, wie auch die Abzüge. Dabei sind mir aber die Hauttöne zu 'grün'. Würde ich dem gegensteuern wollen, müßte ich ja schon im Arbeitsfarbraum das 'grün' mittels Komplementärfarbe abschwächen, um später das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Das kann aber doch nicht der Sinn des Farbmanagements sein, oder?

Jetzt meine etwas laienhafte Frage : wieso macht man nicht den Farbraum des Belichters zum Arbeitsfarbraum, um bei der Bearbeitung des Bildes schon möglichts nahe am späteren Print zu sein. Oder ist es besser, die Farbanpassung nach der Zuweisung des Belichterprofils erneut vorzunehmen.

Hoffentlich habe ich mich mit meinen Fragen verständlich ausgedrückt. Es wäre schön, wenn die 'EBV-Cracks' mir mal auf die Sprünge helfen könnten.

Danke, Siegfried

p.s. Ein Tintenpinkler (zum selbstausdrucken) kommt mir nicht ins Haus. Den Frust und die Ausgaben für die teuerste Flüssigkeit der Welt will ich mir ersparen.



meera37

RE: Farbmanagement

#10 von Dat Ei , 10.06.2005 08:21

Hey Siegfried,

wenn ich mich nicht täusche, dann sieht Tim Grey nicht eine Zuweisung, sondern eine Konvertierung in den Farbraum des Ausbelichters vor. Zudem sollte man vorher mit dem Ausbelichter abklären, inwieweit er die Farbprofile der Dateien überhaupt berücksichtigt, oder ob er nicht schlicht profilfreie sRGB-Dateien unterstellt und entsprechend in seinem Workflow damit verfährt.


Dat Ei



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RE: Farbmanagement

#11 von meera37 ( gelöscht ) , 10.06.2005 08:41

Zitat von Dat Ei
Hey Siegfried,

wenn ich mich nicht täusche, dann sieht Tim Grey nicht eine Zuweisung, sondern eine Konvertierung in den Farbraum des Ausbelichters vor. Zudem sollte man vorher mit dem Ausbelichter abklären, inwieweit er die Farbprofile der Dateien überhaupt berücksichtigt, oder ob er nicht schlicht profilfreie sRGB-Dateien unterstellt und entsprechend in seinem Workflow damit verfährt.


Dat Ei


Hallo Dat Ei,

also ich habe (endlich) einen IMHO 'kompetenten' Entwicklerdienst in Oldenburg mit Fuji Minilabs (heißen glaub' ich so) gefunden. Vom Inhaber habe ich das Profil seines Belichter bekommen. Er war allerdings der Meinung, man solle das Belichterprofil zum Arbeitsprofil unter PS machen.

ZITAT...nicht eine Zuweisung, sondern eine Konvertierung in den Farbraum des Ausbelichters...[/quote]

stimmt, aber über die Konsequenzen bin ich mir noch nicht ganz im Klaren. Ich muß mich wohl noch etwas mehr damit beschäftigen (Proof usw.)

Gruß Siegfried



meera37

RE: Farbmanagement

#12 von Dat Ei , 10.06.2005 08:55

Hey Siegfried,

die Unterschiede zwischen der Zuweisung eines und der Konvertierung in ein Profil hat Tim Grey in seinem Buch recht verständlich dargestellt. Bei der Zuweisung wird den Daten - salopp gesprochen - einfach eine Interpretation der Farben übergestülpt. Das geht dann gut, wenn z.B. die Daten eh in dem Farbraum, aber unprofiliert vorlagen. Bei der Konvertierung werden die Daten so verändert, daß die Farben des Ursprungsfarbraums auch im neuen Farbraum erhalten bleiben. Für die Konvertierung selbst gibt es noch verschiedene Konvertierungsalgorithmen ("rendering intents", die sich durch unterschiedliche Optimierungsziele für die Konvertierung unterscheiden.
Da ich auch unsicher in der Thematik war, habe ich mir auch das Buch von Tim Grey gekauft. Für Laien, die mit digitalen Bildern arbeiten, ist es eine gut verständliche Quelle, um den Workflow Scan/Digi-Kamera-EBV-Druck zu begreifen.


Dat Ei



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RE: Farbmanagement

#13 von Dennis , 10.06.2005 13:36

Zitat von Wetterman-Andi
Eine bestimmte analoge Wellenlänge wird digital interpretiert, heraus kommt ein bestimmter RGB-Wert, der eine Farbe repräsentieren soll. Klar ist mir auch, daß Farben etwas sehr subjektives sind, was bei uns im Kopf entsteht und eigentlich auch Interpretationssache sind...



Jain. Wellenlänge ist Wellenlänge. Das Farbempfinden der Menschen kann natürlich leicht unterschiedliche sein (bis hin zur "Farbenblindheit", vor allem aber die Bewertung ("schönes rot". Die Farbe an sich ist fest definiert, das hat die CIE mal alles festgelegt und im "Schuhsohlen-Diagramm" visualisiert. Dort findest Du Wellenlängen und CIE-Yxy-Farbwerte vereint. Daraus leitet sich auch der Farbraum CIE-Lab ab, der Farben absolut definiert.

ZITATLiege ich noch richtig?[/quote]

Ja.

ZITATDann habe ich noch die Möglichkeit, einer Bilddatei ein Profil zuzuweisen, damit eine andere Software, beispielsweise Druckertreiber (evtl.) weiß, wie es die gespeicherten RGB-Werte zu interpretieren hat, ohne diese zu verändern.[/quote]

Richtig, bei der Zuweisung veränderst Du die Tabelle, Du legst quasi das passende Wörterbuch für die neue Sprache bei.

ZITATEine zweite Option erlaubt mir scheinbar, echte Konvertierungen der Daten vorzunehmen. So wie ich es verstanden habe, werden die RGB-Werte dann so geändert, wie wenn ein Profil im Hintergrund liegt. Dadurch kann ich wohl Programmen wie bspw. IrfanView ein Profil "vorgaukeln", wenn es mit den integrierten Profilen nix anfangen kann...[/quote]

So ungefähr. Die RGB-Werte werden bei der Konvertierung geändert. Das Buch wird sozusagen übersetzt in die neue Sprache. Damit mußt Du kein neues Wörterbuch mehr beilegen. Wenn die andere Anwendung nix mit Profilen anfangen kann (also "einsprachig" ist), dann kann man das Buch in die richtige Sprache übersetzen.

ZITATWas ich jetzt nicht weiß ist folgendes: Welche RGB-Werte spuckt mein Diascanner aus, wenn ich in der Minolta-Software keine Farbanpassung bzw. keinen Farbraum wähle? Sind das dann Rohdaten, so wie sie der Scanner interpretiert oder impft das Ding sein eigenes Profil bereits in die RGB-Daten ein?[/quote]ZITATEin Test ergab, daß die RGB-Werte beider Varianten deutlich unterschiedlich ausfallen, beide Bilder keine Tags besitzen die von PS gelesen werden und damit auch völlig unterschiedlich aussehen...[/quote]

Okay, das kommt vor, daß Profile nicht richtig erkannt werden. Da ist irgendwo ein kleiner Bug. Wenn die Bilder keine interpretierbaren tag's besitzen, dann heißt das, daß die Daten vom Scanner direkt konvertiert werden. Im Falle von AdobeRGB müßte dann die Zuweisung von AdobeRGB in PS helfen, im Falle der unprofilierten Rohdaten, die Zuweisung des entsprechenden Scanner-Profiles, das Du selber erstellen kannst.

ZITATNormalerweise müßte sich diese Transformation mit PS ja auch wieder rückgängig machen lassen, oder?

Nur wie? Ich habe keinen Weg gefunden, das angepaßte Bild auch nur annähernd in die Nähe des nicht angepaßten Bildes zu bekommen. Wo liegt der Haken?[/quote]

Dir fehlt das Scanner-Profil. PS muß ja irgendeine Anweisung bekommen, wie die Farben zu interpretieren sind.

ZITATWas ich auch nicht verstehe: Was ist der Unterschied zwischen Farbraum und Farbprofil? Gibt es da überhaupt einen? Oder meint das eine die Quelle und das andere das Ziel (Ausgabemedium)? Ich drehe mich im Kreis...[/quote]

Ein Farbraum ist eine genau definierte Beschreibung von Farben. Dazu gehören die Primärfarben, der Weißpunkt, und schließlich die Rechenvorschrift für die Erzeugung aus CIE-XYZ oder CIE-Lab. Ein Farbprofil enthält genau diese Daten und ist eine genormte Datei. Bei einer Transformation, die zB von PS mit einer wählbaren CMM (dem "Farbrechner" ausgeführt wird spielen drei Farbräume eine Rolle: Der Quellfarbraum, der PCS (Profile Connecting Space, Lab) und der Zielfarbraum.

ZITATUnd warum geht man davon aus, daß durch engere Farbräume die sRGB Daten "verlorengehen", wenn doch durch ein Profil in den Daten gar nichts geändert wird, diese nur anders interpretiert werden?[/quote]

Falschrum, bei der Konvertierung in "enge" Farbräume, wie sRGB, gehen Daten verloren, weil die Daten umgerechnet werden. Bei der Zuweisung geht nix verloren, weil hier nur interpretiert wird.

ZITATHabe schon mehrere Transformationen ausprobiert, aber das Problem ist natürlich, daß Photoshop immer einen Quellfarbraum voraussetzt und der ist mir nicht bekannt.[/quote]

Und daran kannst Du auch nix ändern. Entweder Du besorgst Dir irgendwoher das passende Scannerprofil, oder Du erstellst es Dir selber, oder Du weist einfach mal in PS alle möglichen Profile zu, und nimmst das, was am Besten aussieht.

ZITATWas müßte ich beispielsweise tun, wenn ich im Adobe-RGB scanne und arbeite, die Bilder aber dennoch am Bildschirm sinnvoll anzeigen lassen will?[/quote]

Diese Daten von PS auch als AdobeRGB interpretieren lassen, sprich AdobeRGB als Profil zuweisen.

ZITATFür eine rein digitale Verwendung würde ich dir zur Einbettung von AdobeRGB raten, es ist der größte und flexibelste RGB Farbraum.[/quote]

Nein, AdobeRGB wurde entwickelt, um Daten möglichst gut für den Druck in CMYK vorzubereiten. Aber auch da ist mittlerweile ECI-RGB stark auf dem Vormarsch, und definitv empfehlenswerter. Es gibt noch weit größere Farbräume, wie Best RGB oder ProPhotoRGB (letzterer ist übrigen der PCS in ACR, dem Raw-konverter von PS).

ZITATDer Scanner arbeitet IMHO antiv mit RGB, problematisch in der Anzeige kann sein das natürlich dein System nicht auf diesen Farbraum justuert ist und die Farben missinterpretiert werden. Du müsstest diese Bilder in PS in AdobeRGB konvertieren können, denn PS geht bei Bilder ohne eingebettetes Profil von Standard RGB aus.[/quote]

Standard RGB heißt in diesem Falle das RGB des Arbeitsfarbraumes. RGB ist ein Oberbegriff für alle RGB-Farbräume, es gibt kein "normal" oder "standard" RGB. Bei Monitoren wird iA sRGB als Standard-Farbraum angenommen, daher ist das auch im web der Standard. Und die Bilder dürfen auf keinen Fall konvertiert werden, denn Du kennst den Quellfarbraum ja gar nicht. Es gibt nur einen richtigen Weg, und der heißt Zuweisung.



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RE: Farbmanagement

#14 von Dennis , 10.06.2005 14:04

Zitat von meera37
Wenn ich es recht verstanden habe, muß ich vor dem endgültigen Speichern (zur Ausbelichtung) das Profil des Belichters (FF Frontier Print sRGB, Fujifilm Ver.1.0) zuweisen und siehe da : plötzlich sieht alles ganz anders (grüner) aus, fast genauso, wie auch die Abzüge.


Dagegen hilft folgendes Vorgehen: Aktiviere das Proofing, und wähle das Printer-Profil. Dann arbeitest Du weiter an Deinen Farben, siehst es aber durch die "Drucker-Brille". Allerdings kann es dann passieren, daß das Bild dann hinterher in sRGB auch wieder banane aussieht, da Du ja die Farben verändert hast. Wenn Du das vermeiden willst, dann öffne das Bild als Kopie, und konvertiere es sofort in den Drucker-Farbraum. Dann benötigst Du kein Soft-Proof, und erzeugst auch keine Farben, die sowieso im Druck verlorengehen.

ZITATDas kann aber doch nicht der Sinn des Farbmanagements sein, oder?[/quote]

Nein, allerdings nicht. Dein Drucker-Profil passt nicht (oder Du hast irgendwo was falsch eingestellt?)

ZITATJetzt meine etwas laienhafte Frage : wieso macht man nicht den Farbraum des Belichters zum Arbeitsfarbraum, um bei der Bearbeitung des Bildes schon möglichts nahe am späteren Print zu sein.[/quote]

Der Arbeitsfarbraum ist egal, der kommt nur zum Tragen, wenn Du das CM deaktivierst oder das Bild keinen eigenen Farbraum hat. Wie gesagt, Du kannst das Bild auch einfach ins Druckerprofil konvertieren, dann bist auch da, wo Du willst.



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RE: Farbmanagement

#15 von Dennis , 10.06.2005 14:18

Zitat von Dat Ei
Bei der Zuweisung wird den Daten - salopp gesprochen - einfach eine Interpretation der Farben übergestülpt. Das geht dann gut, wenn z.B. die Daten eh in dem Farbraum, aber unprofiliert vorlagen.


Genau, beim Zuweisen passiert nix schlimmes. Daher kann man nach Herzens Lust alles ausprobieren. Es werden nicht die Farben geändert, sondern nur ihre Darstellung.

ZITATBei der Konvertierung werden die Daten so verändert, daß die Farben des Ursprungsfarbraums auch im neuen Farbraum erhalten bleiben.[/quote]

Nein, nicht unbedingt. Bei der Konvertierung werden die Farb (-werte) an sich verändert. Ob die Farbe im neuen Farbraum erhalten bleibt, hängt vom Rendering Intent und von den Farbräumen selber ab. Das Rendering Intent beschreibt die Vorgehensweise bei der Farbtransformation (bei der Konvertierung in einen kleineren Farbraum):

- perzeptiv, Wahrnehmung: Die Farben des großen Farbraumes werden auf den kleinen skaliert. Farben, die am Rand des großen Farbraumes liegen werden auf die nächste Randfarbe des kleinen Farbraumes abgebildet. Farben, die weiter innen liegen, aber noch außerhalb des kleinen Farbraumes liegen, werden entsprechend weiter nach innen skaliert. Dadurch verändern sich zwar alle Farben ein wenig, aber dafür bleiben feine Abstufungen in gesättigten Bereichen erhalten.

- farbmetrisch (absolut oder relativ): Die Farben werden 1:1 übernommen, Farben des großen Farbraumes, die über den kleinen hinausragen, werden abgeschnitten und auf den Rand des kleinen Farbraumes gelegt. Dadurch finden keine Veränderungen in den Farben statt, aber in gesättigten Bereichen kann es zu Zeichnungsverlust kommen.

Um mit Wargalla zu sprechen: Man hat die Wahl, ob man einen zu großen Pulli heiß wäscht und eingehen läßt, oder man die Ränder abschneidet.



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