RE: Die Unbekannte: Minolta MS-C1100

#1 von fwiesenberg , 04.12.2009 00:56


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RE: Die Unbekannte: Minolta MS-C1100

#2 von matthiaspaul , 05.12.2009 12:26

Kennen ist übertrieben, aber bei der auf der Minolta Dynax SPxi (erkennbar am Griffsensor und dem fehlenden eingebauten Blitz) basierenden Minolta MS-C1100 handelt es sich in der Tat um die erste echte DSLR in unserem System (A-Bajonett). Sie wurde 1992-06 vorgestellt und war auch auf der photokina 1992 zu sehen. Der klobige Kameraanbau beherrbergte nur die Relay-Optik und die Elektronik rund um den Bildsensor, ein Speichermedium war nicht eingebaut. Im Gegensatz zur SPxi unterstützte die MS-C1100 keine Spotmessung (was auch wegen des Formatfaktors schwieriger zu realisieren gewesen wäre) und die entsprechende Taste ist mit "+/-" betitelt (für Belichtungskorrekturen) und nicht mit "SPOT" (für Spotmessung und Belichtungsspeicherung), wie noch bei der SPxi. Ob sie wie die SPxi für eine Eye-Start-Funktion eine IR-Lichtschranke am Okular besitzt, kann ich nicht sagen, auf der technischen Zeichnung unten kann ich sie nicht erkennen - den Griffsensor hat sie aber.

Die Aufzeichnung erfolgte digital über den per Kabel an das Gehäuse angeschlossenen R-DAT-Rekorder MS-R1100. Die entsprechende Buchse ist auf den Fotos gut zu sehen, sie befindet sich von hinten gesehen auf der linken Seite der Kamera (der helle, rechteckige, waagerecht angeordnete Port ganz oben). Auf einem Band konnten bis zu 2000 Bilder gespeichert werden. Damit eignete sich die Kamera eigentlich nur für den stationären Einsatz, vermutlich vorrangig in wissenschaftlichen Anwendungen, vielleicht auch im Studio.

Ob es auch einen portablen R-DAT-Rekorder für diese Kamera gab, ist mir nicht bekannt.

Vermutlich orientierte sich das Aufzeichnungsformat an einem der frühen ECMA/IEC DDS-Standards für DAT-Streamer. Das verwendete Dateiformat für die Bilder ist mir unbekannt.

Immerhin kann ich ein recht gutes Foto der MS-C1100 beisteuern, das ich vor längerer Zeit in einer japanischen Yahoo!-Auktion von "massangeana777" fand (leider habe ich den zugehörigen Link nicht mehr parat):
[attachment=6472:MS_C1100.jpg]
Viele Grüße,

Matthias

EDIT: Noch ein paar Quellen, die allerdings mit Vorsicht zu genießen sind:

http://www.fotonexus.org/kameras/digital/a...ta/ms/index.asp
ZITATDie Kamera Minolta MS-C1100 basierte technisch auf der konventionellen Dynax SPxi, das digitale Rückteil mit 360.000 Bildpunkten war jedoch diesmal fest mit der Kamera verbunden. Eine vor dem CCD fest installierte Optik sorgte dafür, dass alle Minolta AF-Objektive mit einem zweifachen Verlängerungsfaktor verwendet werden konnten. Da der Sucher direkt von der Spxi übernommen wurde, zeigte er ca. 130% des effektiven Bildformates an; ein entsprechender Rahmen markierte den Ausschnitt des aufgenommenen Bildes.

Der wichtigste Unterschied zu allen bisherigen Still-Video Systemen war jedoch die verwendete Speichertechnik. Die MS-C1100 verwendete keine Disketten mehr, sondern war wie mit einer Nabelschnur per Kabel mit einem speziellen, stationären DAT-Rekorder verbunden, dem Minolta MS-R1100. Die Bilddaten wurden auf DDS-Kassettenband (Digital Data Storage) gespeichert.

Auf einer einzigen Kassette konnten so bis zu 2.000 digitale Bilder gespeichert werden, eine riesige Menge im Vergleich zu den eingeschränkten Möglichkeiten damaliger Speicherkarten-Technologien. Insbesondere aufgrund des Kostenvorteils entschied sich Minolta für diese Lösung, denn bei einem Kassettenpreis von ca. EUR 13,- ergab sich ein unschlagbar günstiger Speicherpreis von nur einen halben Euro-Cent pro Bild.

Damit war dieses für den stationären Betrieb konzipierte System die ökonomisch ideale Lösung für Anwendungsgebiete, bei denen große Bildermengen anfallen und schnell verfügbar sein müssen, beispielsweise in Wissenschaft und Technik, Medizin oder Kriminalistik.[/quote]

Die anderen beiden Fotos stammen von: http://www.digicamhistory.com/1992.html
ZITATMINOLTA MS-C1100 - 1992. Still video camera. 1/2 inch CCD, 360K pixels. ISO 100-200. Shutter 1/2 sec - 1/2000 sec and bulb. Required the use of Minolta DAT recorder MS-R1100 as the camera had no independent recording ability. 12000 DM in Germany. Not sold in U.S.
Photo-Electronic Imaging, October 1992, page 50.[/quote]


"All the important human advances that we know of since historical times began
have been due to individuals of whom the majority faced virulent public opposition."
--Bertrand Russell

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RE: Die Unbekannte: Minolta MS-C1100

#3 von matthiaspaul , 07.05.2011 16:38

In diesem japanischen Blog finden sich ein paar Aufnahmen der 1992-06 vorgestellten Minolta MS-C1100, die damals zur Einführung offensichtlich einen Straßen- oder Listenpreis von 380.000 JPY (damals 4800 DM) / 650.000 JPY (damals 8200 DM) hatte:

http://blogs.yahoo.co.jp/knsmkj/33738569.html

Gut zu sehen ist der 14- oder 15-polige Mini-Centronics-ähnliche Anschluß für den DAT-Rekorder sowie der Schiebeschalter zur Einstellung der Farbtemperatur (Glühlampe, Leuchtstofflampe, Tageslicht).

Gezeigt wird auch das Minolta Video Interface VIF-1100. Rechts sind die Videoausgänge (ビデオ出力 in Form einer 4-poligen Mini-DIN-/Hosiden-Buchse für S-Video (S映像 sowie einer 2-poligen Cinch-Buchse für Composite Video zum Anschluß eines analogen Monitors zu sehen. Die 6-polige Mini-DIN-Buchse weiter links dient entweder der Verbindung zum DAT-Rekorder MS-R1100 oder zur direkten Verbindung zur Kamera (die erste Glyphe vor 部コントロール darüber bekomme ich nicht eindeutig entschlüsselt - irgendeine "Steuereinheit". Ganz links befindet sich das fest installierte Netzkabel mit dem Ein-/Ausschalter (電源.

Auf dem Typenschild wird die in Japan übliche Versorgungsspannung von 100V AC bei 50Hz oder 60Hz (je nach Region) und ein Verbrauch von 12W für das VIF-1100 ausgewiesen. Die japanischen Schriftzeichen darüber (ミノルタカメラ株式会社 bedeuten einfach nur "Minolta Camera Corporation".

Im Text wird die Auflösung des 1/2"-Sensors mit 380000 Pixel angegeben, bei anderen Stellen im Netz finden sich 360000 Pixel.

Viele Grüße,

Matthias


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RE: Die Unbekannte: Minolta MS-C1100

#4 von M_Gustav , 07.05.2011 17:25

Hallo mitenand

Da staunt man doch immer, was es alles gibt!

Gruß Markus


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