RE: Was ist ein gutes Bild?

#1 von damn ed ( gelöscht ) , 20.01.2007 18:00

Was ist ein gutes Bild?

Die Frage aus dem geschlossenen Thread ist ja nicht uninteressant.
Sicher, wir behandlen das nicht das erste Mal und sicher auch nicht das Letzte Mal.
Dennoch kann eine Diskussion darüber immer eine Bereicherung sein, wie ich finde.

Ja, was ist nun ein gutes Bild?
Das lässt sich letztlich nicht an Formalien festmachen.
Entscheidend für die Qualität ist die Aussage, die ein Bild hat. Die Verbindung von Form und Inhalt. Das macht die Qualität eines kreativen Werkes aus. Ob das nun ein Bild ist oder welche Art der "Erschaffung" auch immer.
Eine Sinfonie wird nicht besser weil ihr ein Satz fehlt. Es gibt reichlich Sinfonien, die zum Grössten der Musikgeschichte gehören obwohl sie nicht unvollendet sind.
Entscheidend ist die "magische" Verknüpfung von Form und Inhalt. Das gelingt mal besser mal schlechter. Es gibt kein Rezept für "das Richtige", "das Große", "das Gute". Um bei Schubert zu bleiben. Schubert hat weit über tausend Lieder geschrieben. Dabei sind unglaubliche Juwelen. Winterreise, Erlkönig, Aufenthalt, Tod und das Mädchen und noch einiges mehr. Da ist aber auch grottenschlechter Stoff dabei.
Er konnte nicht mal wirklich Klavierspielen, aber hat mit die größte Klavierliteratur der Geschichte hinterlassen. Wie kann das sein?
Er hatte, analog zur Fotografie, nur rudimentäre Kentnisse von Zeit/Blendenverhältnissen und konnte den Apparat nicht mal richtig bedienen. Haut aber "Bilder" raus, die bis heute unerreicht sind. Er hatte die Begabung den feinen Grad zwischen Form und Inhalt einfangen zu können. Nicht immer, aber auch vielleicht dank Syphillis immer ein bischen öfter. Oder Mozart mit seinem Fritzelfieber. Das Requiem wäre vielleicht ohne den Wahn nicht denkbar gewesen. Technik ist dabei nur eine Randerscheinung. Nötig, aber letzlich nicht allein entscheidend. Das Zusammenspiel so vieler Faktoren ist entschiedend.
Oder Cartier Bresson. Sensationell. Toll. Bei dem Namen geht ein Raunen durch die Reihen. Seine legendäre Indochina Reise. Er hat dort mehr als 150.000 Fotos gemacht! Wenn dann ein Buch erscheint finden sich in 50 Fotos 30 Meisterwerke. Die restlichen 149.550 sehen wir nicht. Es ist sicher keine Spekulation, dass von diesen 149.550 eine Reihe in unserer Galerie nicht einmal einen einzigen Kommentar bekämen. Und das sogar zu Recht. Nichts und niemand ist immer gut, besser, oder geschweige denn perfekt. Es ist immer dieser Moment indem es "passt". In dem die Verbindung zwischen dem Selbst und der Welt funktioniert. Im nächsten Moment kann sie wieder abgerissen sein und da nützt kein Blitzlicht, keine noch so gute Kamera oder was auch immer. Wenn diese flüchtige Verbindung nicht exisitiert bleibt das Bild "nicht schlecht", "ganz gut", "beeindruckend" oder was auch immer. Aber es fehlt ihm "das Gewisse". Das was es anders macht als den Rest.

In dem Moment wo wir das perfekte Bild gefunden hätten, stirbt die Fotografie. In dem Moment wo die perfekte Sonate geschrieben wäre, endet die Musik. usw.

Das gute Bild ist wie das Glück. Ein flüchtiges, magisches Moment, das einen immer wieder verlässt um aber dennoch zurückzukommen.
Und genau darum sind wir ja auch immer auf der Suche danach.

Fotografie ist wie Dichtung.
Und Dichten heisst sich verdichten.
Den Augenblick zu verdichten.
Zeit, Raum, alle Sinne in einem zweidimensionalen Raum zu fangen.

Dann gibt es die Chance auf ein "gutes Bild".

Jedoch für uns alle ohne Gewähr.



damn ed

RE: Was ist ein gutes Bild?

#2 von mick , 20.01.2007 18:30

Aaaaach jaaaaa - lange ist's her - das war ja noch so in der Anfangszeit des Forums...

... da hatte ich, zufällig unter dem gleichen Titel, hier ein bisschen was zusammengestammelt.

Ich denke, es passt immer noch.

Beste Grüße

Mick



 
mick
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RE: Was ist ein gutes Bild?

#3 von Screamapillar , 20.01.2007 23:53

Ein gutes Bild ist ein gutes Bild, wenn es von jemandem als gut empfunden wird.

Ob das die eigene Person ist, oder nicht, spielt keine Rolle.
Die Bildung des Urteils "gut" ist eine sehr individuelle.
Es lässt sich keine Regel herleiten, keine Aussage, kein Grundsatz, anhand derer sich ein Bild (nis) als "gut" korrelieren liese.

Der Urteils-Prozess ist Fluktuationen unterworfen, die abhängig von Emotionen, Umgebung, Gemütszustand - aber auch von dem Bild (nis) selber - sind.

Ein Bild somit als "gut" korrelieren zu wollen ist der falsche Ansatz.

Richtiger wäre, an seinen eigenen Bild (nisen)ern Spaß, Freude und Gefallen zu finden.
Dnn darauf kommt es im Grunde doch an, oder nicht?
Wenn andere dies auch tun, umso besser.

Oder kurz:
Gut und nicht-gut gibt es nicht! Genau so wenig ist unsere Welt schwarz und weiß.

Entschuldigt diesen philosophischen und - äh - etwas verwirrten Beitrag.
Ich hoffe, man versteht, was Ich meine... /rolleyes.gif" style="vertical-align:middle" emoid="" border="0" alt="rolleyes.gif" />

Gruß,
Jan

PS: Warum gerade so viele "Was ist ein gutes Bild?" Themen?



 
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RE: Was ist ein gutes Bild?

#4 von GuteLauneNBG ( gelöscht ) , 21.01.2007 01:27

Ein gutes Bild ist für mich nicht immer ein technisch perfektes Bild.

Vielmehr ist das gute Bild, das gemachte Bild, also das wo der Foto nicht daheim oder im Auto vergessen wurde :-)

Alex



GuteLauneNBG

RE: Was ist ein gutes Bild?

#5 von mick , 21.01.2007 10:49

ZITATPS: Warum gerade so viele "Was ist ein gutes Bild?" Themen?[/quote]

Ich hatte auf das von "damn ed" eröffnete Thema hin auf ein älteres Thema verwiesen, das hier vor fast vier Jahren mal von mir angesprochen wurde.
Unglücklicherweise ist nun die Diskussion irgendwie unter beiden threads weitergelaufen...

Beste Grüße

Mick



 
mick
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RE: Was ist ein gutes Bild?

#6 von rtrechow , 21.01.2007 11:12

ZITAt (mick @ 2007-01-21, 10:49) ZITATPS: Warum gerade so viele "Was ist ein gutes Bild?" Themen?[/quote]

Ich hatte auf das von "damn ed" eröffnete Thema hin auf ein älteres Thema verwiesen, das hier vor fast vier Jahren mal von mir angesprochen wurde.
Unglücklicherweise ist nun die Diskussion irgendwie unter beiden threads weitergelaufen...

Beste Grüße

Mick
[/quote]

In "meinem" geschlossenen Thread hatte ich es für mich so beantwortet:

ein gute Foto (oder besser: BILD; oder anderes Kunstwerk, wie Musikstück/Skulptur/...) soll mich ansprechen, ich möchte etwas von MEINEM Leben darin finden - oder einem Leben, das ich mir erträume (manchmal bei mullar...) oder vor dem ich Respekt - oder sogar Angst habe (Alex'selbstbildnis, - auch das zweite, in dem ich Ruhe und Gelassenheit, aber auch Traurigkeit oder sogar Resignation - und Verletzung finde). Dafür dürfen, ja SOLLEN sogar die Haare NICHT perfekt sein, der Hintergund leer/weiß - in diesem Fall lenkt nichts vom Gesicht und dem schwer fassbaren Ausdruck ab... Das Bild ist in beiden Versionen unterdurchschnittlich DUNKKEL - aber nur SO ist es richtig: traurig, geheimnisvoll. Damn Ed hat das zweite - in meinen Augen - "entzaubert", geglättet - und geleert... (LINKS:
"Selbstbildnis" http://www.mi-fo.de/forum/4homepages/det...?image_id=14951 ,
"Jetzt erst recht" http://www.mi-fo.de/forum/4homepages/det...?image_id=14961).

Wären diese Selbstbilnisse in allen Belangen technisch perfekt, dann wären sie zu glatt, wirkten zu arrangiert - und unecht.
Oft ist es gerade die Unvollendetheit, die ein Kunstwerk besonders macht, die dazu beiträgt, uns zu berühren.
So. Dass soll MEINEN anspruch an ein "gutes" Bild beschreiben - wenn ich auch gegen technische Perfektion NICHTS habe z.B. bei Postern,... - z.B. beim tollen Singapur-Foto (http://mi-fo.de/forum/4homepages/d?image_id=14947)!; -

Entspricht damit wohl dem Zitat "Kunst entsteht im Auge des Betrachters"



rtrechow  
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