RE: Was limitiert die Lichtstärke?

#16 von KoMiSpezi , 12.04.2006 17:23

Habe gerade geräumt (anlässlich Osterputz und so) und Fachartikel in "Photo-Technik und -Wirtschaft" von 1967 sowie "MFM" von 1968 zum Thema gefunden.
Aus ersterem zitiere ich von F. Krautschneider, Fachhochschule für Optik und Fototechnik Berlin: "Die für eine scharfe, klare und kontrastreiche Abbildung erforderliche Erfüllung der Sinusbedingung begrenzt theoretisch das Öffnungsverhältnis auf 1:0,5, ein Wert, der praktisch nicht mehr erreichbar ist, weil dann die Randstrahlen parallel zur Aufnahmeebene verlaufen würden und deshalb zur Abbildung nicht mehr beitragen könnten. Außerdem würde dann die Schärfentiefe gleich Null werden. Die praktisch erreichbare und sinnvolle Grenze dürfte bei etwa 1:0,6 liegen, aber nur dann, wenn an die Schärfentiefe keine Anforderungen gestellt werden, wie das zum Beispiel bei der Röntgenphotographie der Fall ist, wo nur eine Ebene oder bei Bildwandler- oder Bilderverstärker-Schirmbildern mindestens nur eine definierte Fläche abgebildet werden muß." und so weiter (kann ja nicht den ganzen vierseitigen Beitrag abtippen).
Im zweiteren beschreibt J. Scheibel Objektive des holländischen Optikbauers De Oude Delft. Da ist von Linsen-Systemen mit Lichtstärken bis 1:0,57 (50 mm Brennweite, 21° Bildwinkel) die Rede, die vor allem für Schirmbildaufnahmen, aber auch als Fernsehaufnahmeobjektive Verwendung gefunden haben sollen. Und von einem Spiegelobjektiv derselben Firma mit Lichtstärke 1:0,56 (! für passive Nachtsichtkameras. De Oude Delft hatte demnach schon 1940 ein Spiegelsystem mit Lichtstärke 1:0,9 und 1967 Objektive der Daten 1:1,1/100 mm für Luftaufklärungskameras. Was es nicht alles schon gab?!
Viele Grüße Joan



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RE: Was limitiert die Lichtstärke?

#17 von mm22mm ( gelöscht ) , 13.04.2006 00:36

Hi,

ich kann mich ganz dunkel erinnern, dass es Ende der 60er ein Objektiv für gängige SLR-Kameras gab, das die Lichtstärke 0,9 besaß, bei einer Brennweite von ca. 90 mm. Es war jedenfalls fast so groß wie ein 500/1:8-Spiegeltele. Meine damalige Nikon F war jedenfalls hinter der Optik kaum zu erkennem, ein bißchen rechts, ein bißchen links und oben ein bißchen Photomic.

Von Schärfe konnte mqan bei dieser Optik nicht reden, aber es war die Zeit, wo available-light en vogue war, sorry an die jüngeren, heute würde man vielleicht extrem cool dazu sagen. Die Bilder waren ziemlich softy, aber sehr stimmig. Stilrichtung a la Degas oder Renoir. Das Ganze hielt so ein- zwei Jahre an, dann war alles fotografiert, was man damit machen und noch einen Preis gewinnen konnte.

Das Extremste was ich diesbezüglich zu Gesicht bekam, war ein 9x9 cm Doppelkondensor, dem ein Gehäuse für eine Minolta verpasst wurde (nur unendlich-Einstellung) und der Bilder in der Art von Feininger lieferte. Insbesonders, wenn die Objekte - meist Kirchen, Türme, Rathäuser etc. nachts angestrahlt wurden. Es war eine Konstruktion für die Maler unter den Fotografen.

Ach, wie gut haben es wir heute, drehen am Rädchen und haben Iso 4000. Bezogen auf damalige 1:1,4 in den allerbesten Fällen und Iso 200, ergibt sich umgerechnet eine fantastische Blende.

Wie gut, dass es bald Iso 100 000 geben wird, dann hat auch das kleinste Erbsenobjektiv eine reelle Chance und das Gwichtschleppen hat endlich ein Ende, oder? /wink.gif" style="vertical-align:middle" emoid="" border="0" alt="wink.gif" />

MfG
Dieter



mm22mm

RE: Was limitiert die Lichtstärke?

#18 von ausgeburt ( gelöscht ) , 13.04.2006 10:33

ZITAt (mm22mm @ 13.04.2006 - 0:36) Wie gut, dass es bald Iso 100 000 geben wird, dann hat auch das kleinste Erbsenobjektiv eine reelle Chance und das Gwichtschleppen hat endlich ein Ende, oder? /wink.gif" style="vertical-align:middle" emoid="" border="0" alt="wink.gif" />

MfG
Dieter[/quote]
Neue Stilrichtung? "Rauschen mit Bild dahinter"...



ausgeburt

RE: Was limitiert die Lichtstärke?

#19 von matthiaspaul , 13.04.2006 12:53

ZITAt (01af @ 12.04.2006 - 16:20) Matthias, wie genau hast du dir "die Firmware angeschaut"? Siehst du irgend eine Chance, die Firmware selber neu- bzw. umzuprogrammieren?[/quote]
Natürlich, jedenfalls im Prinzip. :-) Ich habe schon öfters Betriebssysteme (oder Teile davon) reverse engineered, entweder als forschender Autor, um deren innere Funktionsweise zu verstehen und zu dokumentieren, als Entwickler, um kompatible Lösungen oder Erweiterungen für ein System programmieren zu können, auch wenn die Original-Dokumentation unvollständig oder bewußt irreführend ist, oder auch als technischer Sachverständiger zur Beweisführung vor Gericht. Allerdings sind MIPS-Prozessoren nicht gerade mein Spezialgebiet und es dürfte einigen Aufwand bedeuten, ohne ein paar konkrete Einstiegspunkte richtig warm mit der Implementierung in der Dynax 7D zu werden. Aufwand, den ich bestimmt nicht betreiben werde, da ich weder die Dynax 7D noch die 5D besitze. Bis man zu brauchbaren Ergebnissen käme, könnte das durchaus schon ein Mannjahr oder mehr harte Arbeit bedeuten. Einen besseren Einstieg würde man in jedem Fall bekommen, wenn es auch noch ein Firmware-Update für die Dynax 5D gäbe, denn durch Vergleich der Features der Kameras und des Codes würde man etliche interessante Dinge recht einfach isolieren können. Immerhin kann man der Firmware schon mal ansehen, daß sie für einen 32-bit MIPS Prozessor in C geschrieben wurde und man kann auch auch einige Teile des Kernels und des Filesystem-Treibers identifizieren, so daß ich z.B. schon mal bestimmte grobe Aussagen über die (leider unvollständige) Implementierung der FAT-Dateisysteme in den Kameras treffen kann:

http://www.mi-fo.de/forum/index.ph...ndpost&p=157914
http://www.mi-fo.de/forum/index.ph...ndpost&p=129204
http://www.mi-fo.de/forum/index.ph...ndpost&p=129198

Viele Grüße,

Matthias



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RE: Was limitiert die Lichtstärke?

#20 von hendriks , 13.04.2006 13:23

@Matthias: Kannst Du C Compiler identifizieren? Soviel dürfte es ja nicht geben, oder?



 
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RE: Was limitiert die Lichtstärke?

#21 von matthiaspaul , 16.04.2006 00:12

ZITAT(hendriks @ 13.04.2006 - 13:23) @Matthias: Kannst Du C Compiler identifizieren? Soviel dürfte es ja nicht geben, oder?[/quote]
Nein, damit habe ich mich noch nicht wirklich näher befaßt.

Aber was ich schon mal sagen kann, ist, daß der verwendete Cross-Compiler definitiv unter Windows läuft und lange Dateinamen unterstützt.

Außerdem, daß einige Module, die in der Dynax 7D laufen, auch in der Firmware der DiMAGE A2 vorkommen, die ebenfalls auf einer 32-bit Embedded MIPS Plattform aufsetzt.

Die DiMAGE A2 läuft unter dem Echtzeit-Betriebssystem pSOSystem/MIPS (pSOS+/MIPS V2.5.4, pREPC+/MIPS V2.5.2, pHILE+/MIPS FA V4.0.2, pNA+/MIPS V4.0.5) von Integrated Systems, Inc. (ISI), die früher mal das Echtzeit-Betriebssystem FlexOS von Digital Research übernommen haben (*).

In der Firmware der A2 finden sich auch etliche Dinge, die zunächst mal reichlich überflüssig erscheinen, etwa Code für das ISO 9660 CD-ROM Dateisystem, Code zur Netzwerkanbindung über Ethernet-Adapter oder Modem-Dialup-Verbindungen, Code zum E-Mail-Versand, offenbar sogar ein FTP-Server und -Client. Entweder ist das toter Bibliothekscode, der einfach nicht wegoptimiert wurde, oder Minolta hatte noch einiges mehr mit der Kamera vor, was leider nicht mehr fertig geworden ist. Ich spekuliere jetzt mal: Möglichkeit des Verbindungsaufbaus zum Internet, wo man die gerade gemachten Aufnahmen uploaden und speichern, per E-Mail verschicken oder über einen Dienstleister drucken könnte...

All dies (bis auf den Code zum Drucken) findet sich in der Firmware der Dynax 7D nicht. Trotzdem haben offenbar Teile des ATA-Laufwerkstreibers (zur Ansteuerung der CF-Karte) und der FAT-Dateisystemtreiber den gleichen Ursprung (wenn sie auch nicht identisch sind). Die Dynax 7D scheint allerdings nicht auf ISIs pSOSystem zu laufen, stattdessen finden sich Hinweise darauf, daß sie unter NORTi/MIPS von MiSPO Co., Ltd. arbeitet. Das ist ein System, das dem (offenen?) japanischen µITRON-Standard für Echtzeit-Embedded Betriebssysteme gehorcht (und vom berühmten TRON-Projekt abstammt).

Viele Grüße,

Matthias

PS. (*) Digital Research ist eigentlich mit anderen Systemen bekannter geworden als mit FlexOS. Sie waren die Entwickler von CP/M, MP/M, Concurrent CP/M, Concurrent DOS, Multiuser DOS, DR DOS (wozu auch die Nachfolger PalmDOS, Novell DOS und OpenDOS gehören) sowie GEM. FlexOS ist ein modulares Echtzeit-Betriebssystem für x86 Protected Mode Embedded Systeme, das auf Digital Researchs Concurrent DOS 286 bzw. 386 und damit letztendlich auf Concurrent CP/M basierte, aber auch deutliche Unix-Anleihen hatte. Ob überhaupt und falls ja, inwieweit pSOSystem architektonisch Elemente von FlexOS übernommen hat, vermag ich nicht zu sagen, von FlexOS gab es jedenfalls nur Implementationen für x86-Prozessoren, mit denen MIPS-Prozessoren in keiner Weise verwandt sind. Als grafische Oberfläche für FlexOS gab es eine verteilte Variante von GEM namens X/GEM.

PS2. Vgl. auch hier:

http://www.mi-fo.de/forum/index.ph...st&p=172336
http://www.mi-fo.de/forum/index.ph...st&p=180797



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RE: Was limitiert die Lichtstärke?

#22 von hendriks , 16.04.2006 00:24

Ich sehe Du hast das Zeug schon wirklich genauer unter die Lupe genommen. /smile.gif" style="vertical-align:middle" emoid="" border="0" alt="smile.gif" />

Wenn ich mich jetzt nicht ganz irre hat die 1.1 Firmware so ca 2 MB. Wieviel davon würdest Du sagen sind reine Daten, wie Icons, Fonts etc? Und wieviel restlichen Code kannst davon als Libraries identifizieren?

Ich will einfach nur mal ungefährwissen, was nach diesem "Balast" an reinem "interessanten" Code noch übrig bleibt für weitere Analysen.


LG,

Hendrik



 
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RE: Was limitiert die Lichtstärke?

#23 von matthiaspaul , 16.04.2006 01:06

ZITAt (hendriks @ 16.04.2006 - 0:24) Ich sehe Du hast das Zeug schon wirklich genauer unter die Lupe genommen. /smile.gif" style="vertical-align:middle" emoid="" border="0" alt="smile.gif" />[/quote]
Naja, darunter verstehe ich aber was anderes... ;-> Bisher habe ich nur scharf hingesehen, ein bißchen nach Indizien gesucht und etwas kombiniert, mehr nicht. ;-)

ZITATWenn ich mich jetzt nicht ganz irre hat die 1.1 Firmware so ca 2 MB. Wieviel davon würdest Du sagen sind reine Daten, wie Icons, Fonts etc? Und wieviel restlichen Code kannst davon als Libraries identifizieren?

Ich will einfach nur mal ungefährwissen, was nach diesem "Balast" an reinem "interessanten" Code noch übrig bleibt für weitere Analysen.[/quote]
Das ist schwer zu sagen - eine ganz grobe Schätzung:

50% Core-Betriebssystem, Treiber und "Anwendung"
15% Meldungen (mehrsprachig)
35% Fonts und Bilder

Die Datei ist ca. 1,8 MB groß.

Viele Grüße,

Matthias



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RE: Was limitiert die Lichtstärke?

#24 von matthiaspaul , 28.04.2006 00:44

Zum Thema Firmware-Hacking bei der A2 habe ich gerade die folgenden interessanten Threads gefunden:

http://d7userforum.de/phpBB2/viewtopic.php...e3df74ad65fa25e
http://forums.dpreview.com/forums/readflat...mp;changemode=1
http://forums.dpreview.com/forums/read.asp...message=3281975
http://forums.dpreview.com/forums/readflat...essage=12792246
http://www.stevesforums.com/forums/view_to...;jump_to=352567
http://forum.fotografovani.cz/read.php?f=5...t=14883&v=f
http://www.lsi.megachips.co.jp/assp.html#camera A2 (Ist das die Minolta DiMAGE A2 in der DSC-3 Werbung von Megachips ("MA07163 E0114 45AAX T624300-1 TAIWAN", eine 32bit RISC-CPU (Lexra LX4180) mit max. 96 MHz)?)

Das haben also auch schon andere untersucht und sind zum gleichen Ergebnis gekommen wie ich.

Viele Grüße,

Matthias

EDIT: Und hier ein Thread zur Dynax 5 D:

http://www.mi-fo.de/forum/viewtopic.php?t=14209



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RE: Was limitiert die Lichtstärke?

#25 von matthiaspaul , 19.02.2014 22:16

ZITAT(matthiaspaul @ 2006-04-15, 23:12) Die DiMAGE A2 läuft unter dem Echtzeit-Betriebssystem pSOSystem/MIPS (pSOS+/MIPS V2.5.4, pREPC+/MIPS V2.5.2, pHILE+/MIPS FA V4.0.2, pNA+/MIPS V4.0.5) von Integrated Systems, Inc. (ISI) [...]

In der Firmware der A2 finden sich auch etliche Dinge, die zunächst mal reichlich überflüssig erscheinen, etwa Code für das ISO 9660 CD-ROM Dateisystem, Code zur Netzwerkanbindung über Ethernet-Adapter oder Modem-Dialup-Verbindungen, Code zum E-Mail-Versand, offenbar sogar ein FTP-Server und -Client. Entweder ist das toter Bibliothekscode, der einfach nicht wegoptimiert wurde, oder Minolta hatte noch einiges mehr mit der Kamera vor, was leider nicht mehr fertig geworden ist. Ich spekuliere jetzt mal: Möglichkeit des Verbindungsaufbaus zum Internet, wo man die gerade gemachten Aufnahmen uploaden und speichern, per E-Mail verschicken oder über einen Dienstleister drucken könnte...[/quote]
Die Antwort auf diese Frage wird hier diskutiert (Überbleibsel aus der japanischen Dimage 7 / 7i / 7Hi mit spezieller Funkmodemunterstützung):

http://www.mi-fo.de/forum/viewtopic.php?t=34844

Viele Grüße,

Matthias


"All the important human advances that we know of since historical times began
have been due to individuals of whom the majority faced virulent public opposition."
--Bertrand Russell

http://www.mi-fo.de/forum/viewtopic.php?t=13448 (Minolta Forum Thread Index)


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RE: Was limitiert die Lichtstärke?

#26 von Isabellla , 19.10.2014 11:38

ZITAT(BeHo @ 2006-04-11, 15:52) Hier gibt's ein paar Infos:

Wikipedia: Lichtstärke (Fotografie)

Und ein Objektive mit einer Lichtstärke größer als 1:1.0 gab's auch schon mal:
Zeiss Planar 1:0,7[/quote]

toller Tip, danke!


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